«Nun liegt es an Barnetta»

FUSSBALL. Der FC St. Gallen bestätigt, dass er Tranquillo Barnetta ein Angebot unterbreitet hat. Ob der 30-Jährige eine Rückkehr in Betracht zieht, ist ungewiss. «Einmal sagt mir mein Bauchgefühl ja, ein anderes Mal nein», so Sportchef Christian Stübi.

Patricia Loher
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Zum erstenmal seit seinem Abschied vor elf Jahren bemüht sich der FC St. Gallen um eine Rückkehr von Tranquillo Barnetta. (Bild: Ralph Ribi)

Zum erstenmal seit seinem Abschied vor elf Jahren bemüht sich der FC St. Gallen um eine Rückkehr von Tranquillo Barnetta. (Bild: Ralph Ribi)

Vor elf Jahren hat Tranquillo Barnetta den FC St. Gallen in Richtung Bundesliga verlassen. Nun unternimmt der Ostschweizer Club erstmals einen ernsthaften Versuch, den 75fachen Schweizer Internationalen zurück in die Heimat zu holen. «Wir haben Barnetta ein Angebot unterbreitet. Der Entscheid liegt nun bei ihm», sagt Christian Stübi, seit Mitte Mai Sportchef des FC St. Gallen. Zusammen mit Präsident Dölf Früh hat Stübi Barnetta in der vergangenen Woche einen Zweijahresvertrag angeboten. Die Verantwortlichen hoffen, schon bald ein Zeichen zu erhalten, wie sich Barnetta seine Zukunft vorstellt.

Der FC St. Gallen erachtet die Gelegenheit als günstig. Der 30jährige Barnetta hat sich entschieden, seinen Vertrag mit Schalke nicht zu verlängern und befindet sich seither auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Beim FC St. Gallen ist durch den Abgang von Roberto Rodriguez zum italienischen Serie-B-Verein Novara auf der Aussenbahn eine Position frei geworden, die Barnetta einnehmen könnte.

«Er wäre ein Toptransfer»

Die Verpflichtung des Mittelfeldspielers wäre für die Ostschweizer ein veritabler Coup, der nach zwei durchzogenen Saisons Euphorie entfachen und den Saisonabonnements-Verkauf ankurbeln könnte. Auch Barnetta weiss, dass er in der AFG Arena mit offenen Armen empfangen würde. «Barnetta hat immer gesagt, der FC St. Gallen sei für ihn eine Herzensangelegenheit. Nun haben wir in unserem Kader einen Platz frei. Für uns wäre er ein Toptransfer. Deshalb bemühen wir uns sehr um ihn», so Stübi.

Der Spieler selber sagte, er habe sich die Pläne des Clubs interessiert angehört und lasse sich das Angebot durch den Kopf gehen. Noch vor wenigen Wochen hatte der St. Galler gegenüber unserer Zeitung aber auch gesagt: «Bevor ich zu St. Gallen zurückkehren will, würde ich im Idealfall gerne für zwei Jahre nach Spanien, Italien oder England gehen.» Laut «Blick» sollen mit Watford und Leicester City auch zwei Clubs aus der Premier League an Barnetta interessiert sein.

Zudem hat die Zeitung publik gemacht, dass der FC St. Gallen Barnetta ein jährliches Einkommen von 350 000 Franken angeboten habe, was im internationalen Vergleich eine bescheidende Summe ist. Der FC St. Gallen aber, der mit sieben Millionen Franken wirtschaftet, geht mit solch einem Angebot an die Grenze. Zahlen würden nicht kommentiert, sagt Stübi. Aber: «Was wir Barnetta angeboten haben, war vertretbar. Deshalb war auch der Präsident bei unserem Gespräch dabei.» Anzunehmen ist, dass Barnetta in St. Gallen zwar zum bestbezahlten Profi würde, das Lohngefüge aber soll er laut Club nicht sprengen.

Sich nicht verstecken

Noch ist ungewiss, ob sich die Träume der Anhänger, Barnetta bald wieder in Grün-Weiss zu sehen, erfüllen werden. «Einmal sagt mir mein Bauchgefühl ja, ein anderes mal nein», so Stübi. Vor allem aussergewöhnlich ist, dass sich der FC St. Gallen nach ersten Gerüchten unumwunden dazu bekannt hat, Barnetta ein Angebot unterbreitet zu haben. Ansonsten verhalten sich die Verantwortlichen in Bezug auf Transfers oder Abgänge so lange defensiv, bis alle Details geregelt sind. «Barnetta ist ein spezieller Spieler. Wir brauchen uns nicht zu verstecken und können dazu stehen, dass wir an ihm Interesse haben», sagt Stübi.

Sollte Barnetta absagen, will St. Gallen die Position von Rodriguez vorerst offen lassen: «Ein Schnellschuss kommt nicht in Frage. Wenn wir einen Spieler verpflichten, muss alles passen», sagt Stübi.