Lächelnd quer durch die USA

Reto Schoch aus Speicherschwendi gewinnt bei seiner ersten Teilnahme das 4800 Kilometer lange Race Across America – das härteste Radrennen der Welt. Obwohl ihn der Hauptkonkurrent anschwärzt, lässt sich der 33-Jährige nicht stoppen.

Christof Krapf
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Reto Schoch (Bild: pd)

Reto Schoch (Bild: pd)

RAD. Reto Schoch lächelt. Er lächelt in der Wüste von Arizona. Er lächelt im Anstieg zu den Pässen der Rocky Mountains. Er lächelt in den Weiten von Kansas, und er lächelt auch im Appalachen-Gebirge. Auf jedem Foto, das Schoch am Race Across America auf dem Velo zeigt, lächelt er. Acht Tage, sechs Stunden und 29 Minuten ist der 33jährige Appenzeller in den USA unterwegs. Das Race Across America von Oceanside an der Westküste nach Annapolis an der Ostküste gilt als härtestes Radrennen der Welt. 4800 Kilometer und 30 000 Höhenmeter überwinden die Extremsportler.

Schoch ist der schnellste unter ihnen. Und er scheint an der Schinderei Spass zu haben. «Wenn ich lache, beansprucht das am wenigsten Muskeln», sagt der in Speicherschwendi Wohnhafte mit einem Augenzwinkern. Und Muskelkraft ist vonnöten. Das Rennen quer durch die USA läuft ohne Unterbruch und kennt keine Etappen.

Techno-Musik gegen den Schlaf

Der Ostschweizer hat während des Rennens nur eineinhalb Stunden pro Tag geschlafen. «In der Nacht war es hart, wach und konzentriert zu bleiben», sagt Schoch. Gegen die Müdigkeit wurde er vom Begleitfahrzeug aus mit Musik beschallt. «In der Nacht hörte ich schnelle Techno-Rhythmen. Die klingen so giftig, dass man unmöglich einschlafen kann.» Solche Musik gefällt dem 33-Jährigen nicht besonders, für den Erfolg nimmt er Widrigkeiten aber in Kauf.

Das diesjährige Race Across America war spannend wie noch selten zuvor. Mit zunehmender Renndauer entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Schoch und dem Vorjahressieger Christoph Strasser aus Österreich. Zu Beginn sah es nach einem ungefährdeten Sieg für den Appenzeller aus. Strasser bekundete in der Wüste von Arizona grosse Probleme mit der Hitze. «In Arizona war es tagsüber 46 Grad heiss», so Schoch. Er hatte sich mit einer Kälteweste und Kühlpaste vor der Hitze geschützt und erarbeitete sich einen Vorsprung von mehreren Stunden. Strasser erholte sich jedoch, und in Kansas lagen die beiden Kontrahenten mit wenigen Minuten Abstand an der Spitze.

Im Zweikampf um den Sieg wurde mit harten Bandagen gekämpft. Auf der Strecke mussten die Fahrer 54 Kontrollpunkte abfahren und der Rennzentrale ihre Durchgangszeit melden. Am Posten in Bloomington, Indiana, behinderten Baustellen das Team von Schoch. Es passierte den Kontrollpunkt deshalb unerlaubterweise mit einem Abstand von 200 Metern. Helfer von Konkurrent Strasser hatten den Vorgang beobachtet und ihn der Rennleitung gemeldet. Der Schweizer musste auf Geheiss der Schiedsrichter mit dem Auto nach Bloomington zurückkehren und verlor deswegen 45 Minuten. «Der Verlust belastete mich zuerst», sagt Schoch. Schnell habe er sich aber gesagt, dass das Rennen nicht aufgrund dieses Fehlers entschieden werden dürfe. «Ich wollten den sportlichen Wettkampf mit Strasser und keine Regelauslegungen.»

Entscheidung in den Bergen

Die Entscheidung fiel im Appalachen-Gebirge 200 Kilometer vor dem Ziel. Bei Temperaturen von über 40 Grad mobilisierte Schoch seine letzten Kraftreserven. Strasser bekundete erneut Probleme mit der Hitze. Der Ostschweizer griff an und verfügte im Ziel über einen Vorsprung von drei Stunden. Nun lachte er nicht mehr nur, um Muskelkraft zu sparen.

Schon jetzt fasst Schoch die Teilnahme im kommenden Jahr ins Auge – vorausgesetzt er findet Sponsoren. Nur allzu gerne würde er seinen Sieg wiederholen.