Voller Saal, flotte Sprüche

ST.GALLEN. Die Elefantenrunde mit Vertretern der Bundesratsparteien hat gestern 700 Zuhörer an die Universität St.Gallen gelockt. Viel Neues war dabei nicht zu hören, Unterhaltsames aber schon.

Dominic Wirth
Drucken
Teilen
Migration und Wirtschaft waren die beiden Schwerpunktthemen bei der Elefantenrunde gestern abend an der Universität St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Migration und Wirtschaft waren die beiden Schwerpunktthemen bei der Elefantenrunde gestern abend an der Universität St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Wenn in den vergangenen Wochen über den aktuellen Wahlkampf geschrieben wurde, dann fiel das Urteil meist vernichtend aus. Kaum eine Debatte über Themen, stattdessen ein Fokus auf die Mobilisierung in den eigenen Reihen, gerne auch mit Wahlkampfparties statt klaren Standpunkten: So ungefähr hörte sich das an, und am Schluss war dann oft das Fazit zu hören, die Schweizer Politik werde zusehends von einer Amerikanisierung bedroht.

Gestern fand in der Aula der Universität St.Gallen ein Anlass statt, der für einmal in die Tiefe gehen wollte. Die Politikinformationsplattform Vimentis lud zur Elefantenrunde, und so versammelten sich Vertreter der fünf Bundesratsparteien zu einem Podiumsgespräch. 700 meist junge Zuhörer waren in die Aula der Universität St.Gallen gekommen, um den Parteipräsidenten Toni Brunner (SVP), Martin Landolt (BDP) und Christophe Darbellay (CVP) zuzuhören. Die SP vertrat Vizepräsidentin Barbara Gysi (SG), für die FDP war der Berner Christian Wasserfallen (ebenfalls Vizepräsident) angereist. Moderiert wurde das Podium vom SRF-Bundeshauskorrespondenten Urs Wiedmer.

Zuerst ging es um Fussball

Zu Beginn ging es indes nicht um die grosse Politik, sondern: um Fussball. Brunner outete sich dabei als GC-Fan, während Wasserfallen als selbstironischer Anhänger der Young Boys punktete. Später, bevor es an die heissen politischen Eisen ging, hatte Darbellay mit einem Lachkrampf zu kämpfen, als er von einem Jagdausflug mit Landolt berichtete. Es war also zuerst eine freundschaftliche Runde. Doch das änderte sich bald einmal. Dann nämlich, als es nach jeweils einer Minute Redezeit für ein paar Parteiparolen um den ersten Schwerpunkt ging – die Migration.

Brunner sprach von «verheerenden Signalen», welche die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgesandt habe, und von «einem riesigen Problem», mit dem sich die Schweiz angesichts des Flüchtlingsstroms konfrontiert sehe. Doch so richtig Anklang fanden diese Worte nicht an der Universität St.Gallen. Da kam Gysis Einwurf, dass es nur in den Köpfen der SVP ein Chaos gebe, schon wesentlich besser an. Landolt sprach davon, dass es nicht Wirtschaftsflüchtlinge seien, die da ins Land kämen, sondern Menschen. Und auch Wasserfallen, der mit Brunner am Tisch stand, weil er ihm politisch am nächsten steht, wollte nichts von einem Asylchaos wissen.

Darbellay entdeckt die Olma

Die Flüchtlingsdebatte war erwartungsgemäss der emotionalste Teil des Abends. Als es beim zweiten Schwerpunkt um die Wirtschaft ging, kühlten die Gemüter ab. Wasserfallen schimpfte über die Regulierungen, Gysi setzte sich für die Arbeitnehmer ein. Es war nun indes nicht mehr Brunner, der als Aussenseiter in der Runde stand. Sondern die SP-Frau, die insgesamt einen schweren Stand hatte. Zum Schluss bewies Darbellay nicht zum erstenmal an diesem Abend, dass er weiss, wie man einen Saal für sich gewinnt: Der Walliser, der den Nachmittag an der Olma verbracht hatte, sagte, er würde am liebsten gleich die ganze Woche bleiben.

Mehr Bilder auf tagblatt.ch