Warum Züge überfüllt und Strassen verstopft sind

Ohne grosses Medienecho wurde im Februar die neue Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur ständigen Bevölkerung 2013 in der Schweiz publiziert. Auch wenn die alten epischen Volkserhebungen wie zu Jesu Zeiten vorbei sind, so geben die neuen stichprobenartigen Volkszählungen 2.

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Partner bei ecopol ag und Dozent für Politik und Wirtschaft an der PHSG (Bild: pd)

Partner bei ecopol ag und Dozent für Politik und Wirtschaft an der PHSG (Bild: pd)

Ohne grosses Medienecho wurde im Februar die neue Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur ständigen Bevölkerung 2013 in der Schweiz publiziert. Auch wenn die alten epischen Volkserhebungen wie zu Jesu Zeiten vorbei sind, so geben die neuen stichprobenartigen Volkszählungen 2.0 doch Rückschlüsse über die Struktur der Einwohnerinnen und Einwohner in der Schweiz. Und zu deren Arbeitsorten. Und damit auch zu deren Arbeitswegen und den dafür aufgewendeten Arbeitswegzeiten.

Ein Volk von Pendlern

Was wir täglich erleben, ist nun also endlich statistisch erhärtet: Von den knapp 410 000 St. Gallerinnen und St. Gallern im Alter von über 15 Jahren (also ab Lehrbeginn) gelten gemäss dem Bundesamt für Statistik deren 240 000 als Pendlerinnen oder Pendler zu ihrer jeweiligen Arbeitsstätte. Dazu zählen zur Präzisierung aber auch schon Arbeitnehmende, welche weniger als 16 Minuten Arbeitsweg pro Tag aufwenden. 145 000 der st. gallischen Arbeitnehmenden verwenden für ihren Arbeitsweg ihr Auto oder das Motorrad. Weitere rund 50 000 benützen täglich den öffentlichen Verkehr. Und das sind nun lediglich die St. Gallerinnen und St. Galler. Dazu kommen weitere 130 000 Pendlerinnen und Pendler aus dem Thurgau sowie 34 000 aus dem Appenzellerland.

Mehr als eine Stunde Arbeitsweg

Da ist ganz schön was los auf den Ostschweizer Strassen, Schienen, Flüssen, Seilbahnen und Wegen: Über 400 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus den drei Kantonen sind täglich unterwegs zu ihren Arbeitsstätten. 55 Prozent davon pendeln innerhalb desselben städtischen Gebietes und weitere 14 Prozent pendeln in ein anderes städtisches Gebiet. Dabei nehmen rund 30 000 Personen aus diesen drei Kantonen einen Arbeitsweg von mehr als einer Stunde in Kauf. Täglich.

Alter und Beruf sind irrelevant

Die Berufe spielen dabei keine Rolle: Akademiker pendeln genauso wie Handwerker. Führungskräfte und Hilfsarbeiter sitzen ebenfalls im selben Zug – wenn auch selten im gleichen Auto. Auch das Alter – und damit einhergehend die Berufserfahrung und die Erklimmung möglicher Karrierestufen – nehmen auf die Pendlerei keine Rücksichten: So pendeln beispielsweise im Kanton St. Gallen genau so viele 25- bis 44-Jährige wie 45- bis 64-Jährige, nämlich etwa 134 000. Und in diesem Zahlenmaterial sind noch nicht einmal jene Arbeitnehmenden erfasst, welche aus anderen Kantonen nach St. Gallen, Frauenfeld, nach Herisau und in die Hauptgasse von Appenzell pendeln. Ganz zu schweigen von den Grenzgängerinnen und Grenzgängern.

Von Road Pricing bis Ökoplakette

Jetzt wissen wir also dank dem BFS auch statistisch, dass unsere Züge in der Ostschweiz überfüllt und die Strassen verstopft sind. Die Ideen zur Lenkung dieser Pendlerströme sind vielfältig und variieren je nach politischer Couleur: Road Pricing, Ökosteuer, Rush-Hour-Zuschlag bei den Zügen, Ökoplakette für die Stadtzentren, Strafgebühr für Ein-Personen-Autofahrten, Tempoverminderung auf Autobahnen, Ersatz des Schienenrollmaterials, unterirdische Hochgeschwindigkeitszüge von St. Gallen nach Zürich, fliegende Autos. Nur das Beamen wird (noch) nicht in Erwägung gezogen. Danke trotzdem für die Anregung, Mr. Spock! Live long and prosper – trotz Stau, Gefluche, Gedränge, Geschubse und Stehplätzen in den Zügen.