Politiker wollen Geothermie- Projekte ins Ausland auslagern

Weil der Schweizer Untergrund komplizierter ist als im Ausland, fordern nationale Politiker die Stromproduzenten auf, in ausländische Werke zu investieren. Sogar Fördermittel wollen sie für solche Kooperationen sprechen.

David Schaffner
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Nationale Energiepolitiker sehen keine Zukunft für Schweizer Geothermie-Projekte. (Bild: ky)

Nationale Energiepolitiker sehen keine Zukunft für Schweizer Geothermie-Projekte. (Bild: ky)

Eine Woche nach dem Erdbeben in St. Gallen stellen Energiepolitiker die Zukunft der Schweizer Geothermie immer mehr in Frage. Anstatt in riskante und teure Projekt im Inland zu investieren, sollen sich Energiekonzerne an Werken im Ausland beteiligen, wo die Voraussetzungen aus geologischen Gründen oftmals günstiger sind. «In der Geothermie ist es sinnvoll, europäischer zu denken», meint Nationalrat Bastien Girod auf Anfrage der Ostschweiz am Sonntag. «Da Bohrungen im Ausland teilweise weniger Risiken bergen, sollen die Produzenten ein stärkeres Engagement in Anlagen in Nachbarländern prüfen.» Gleicher Meinung ist der freisinnige Nationalrat Christian Wasserfallen: «Es ist sicher eine Option, dass die Schweiz künftig den Geothermie-Strom aus dem Ausland bezieht.»

Um Schweizer Investitionen im Ausland zu fördern, will Girod staatliche Gelder zur Verfügung stellen: «Die Schweiz braucht eine Förderung für erneuerbare Energien aus dem Ausland.» Eine Möglichkeit sei, «Gelder aus der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV künftig auch für ausländische Projekte zu sprechen.» Dabei sollen die Behörden einen deutlich reduzierten Tarif anwenden, da die Produktion im Ausland generell billiger sei und für die Schweiz weniger Wertschöpfung schaffe. Eine zweite Möglichkeit wäre, «dass wir bei der geplanten Liberalisierung des Strommarkts für private Kunden festhalten, dass ein steigender Anteil des Konsums aus erneuerbaren Quellen stammen muss», sagt Bäumle So könne der Bund verhindern, dass Dumpingangebote mit Kohle- oder Atomstrom den Anteil der erneuerbaren Energien senkten.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 28. Juli.