Mann in Moschee in St.Gallen-Winkeln erschossen

ST.GALLEN. Bluttat in der Moschee von St.Gallen-Winkeln: Im Gebetsraum des Gebäudes hat die Polizei Anfang Freitagnachmittag die Leiche eines Mannes gefunden. Zuvor war eine Schussabgabe gemeldet worden. Ein Mann, der eine Faustfeuerwaffe auf sich trug, liess sich widerstandslos verhaften.

Daniel Walt/Noemi Heule
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Einsatzkräfte am Tatort in St.Gallen-Winkeln. (Bild: Coralie Wenger)

Einsatzkräfte am Tatort in St.Gallen-Winkeln. (Bild: Coralie Wenger)

Freitagnachmittag, 14 Uhr: Bei der St.Galler Stadtpolizei geht die Meldung ein, dass es in den Räumen der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje an der Herisauer Strasse 52 in St.Gallen-Winkeln zu einer Schussabgabe gekommen ist. Der Notruf kommt laut der Stadtpolizei aus der Moschee selbst. Eine Patrouille ist zufällig in der Nähe und innert Minutenfrist vor Ort. Die Beamten treffen bei der Moschee einen Mann mit einer Faustfeuerwaffe an und nehmen ihn fest, ohne dass er Widerstand leistet. Im Gebetsraum der Moschee finden sie dann einen toten Mann.

Bild: Coralie Wenger
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Grossaufgebot vor Ort
Laut Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen, befanden sich noch rund zehn weitere Personen im Umfeld der Moschee, als die Polizei anrückte. "Ob diese Leute zum Zeitpunkt der Schussabgabe im Gebäude oder draussen waren, werden die Befragungen zeigen", so Rezzoli. Die Beamten fuhren die entsprechenden Personen in einem Bus weg, um sie zu befragen. Die Einsatzkräfte selbst waren mit einem Grossaufgebot am Tatort präsent - neben der Staatsanwaltschaft wurden auch zivile Fahnder, Ermittler der Kriminalpolizei, Forensiker und Vertreter der Spurensicherung nach Winkeln beordert. Zudem waren dort rasch auch viele Schaulustige anzutreffen - viele von ihnen hatten aus den elektronischen Medien von der Bluttat erfahren. Für einen älteren Mann war das Geschehen offenbar zu viel: Er musste sich von der Sanität behandeln lassen.

Ein Mitglied der Gemeinschaft erklärte gegenüber Tagblatt Online, dass es sich um Blutrache handle. Der Täter, ein Albaner aus Serbien, gehöre nicht zur Gemeinschaft, er sei nun aber zum Freitagsgebet gekommen. Kurz vor dessen Ende habe er sein Opfer erschossen. Dieses soll vor Jahren den Bruder des Täters ermordet haben. Der Vorfall sei eine Katastrophe für die Moschee in Winkeln, so der Mann weiter. Der Islamische Zentralrat der Schweiz seinerseits äusserte sich auf Facebook dahingehend zur Tat, dass es sich laut dem Vorsteher der Moschee um eine Fehde zwischen zwei verfeindeten Familien gehandelt habe.

Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei hielt zu diesen Informationen fest, die Polizei könne derzeit weder zum genauen Tathergang noch zum Motiv Aussagen machen. "Das ist alles reine Spekulation", so Rezzoli.

Wohnhaus 2003 gekauft
Die Mitglieder der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje hatten sich lange in einem engen Raum in der St.Galler Innenstadt getroffen, bevor die Institution 2003 das Wohnhaus in Winkeln kaufte. Sie richtete damals einen Gebetsraum für 250 Gläubige in der Liegenschaft ein. In einem Gespräch mit unserer Zeitung vor rund fünf Jahren beklagte sich der zuständige Imam allerdings, längst nicht alle der damals 300 Mitglieder der Gemeinschaft kämen regelmässig ins Gotteshaus - auch die Jungen blieben den religiösen Anlässen weitgehend fern.

Scharfe Kritik vor drei Jahren
In die Negativschlagzeilen geriet die El-Hidaje-Moschee in Winkeln bereits im Herbst 2011: Die Zeitung "Der Sonntag" berichtete, dass der Imam der Moschee Eltern dazu auffordere, ihre Kinder zu schlagen, wenn sie nicht beten wollten. Auf seiner Homepage rufe er die Eltern dazu auf, ihre Kinder ab dem siebten Lebensjahr zum Gebet zu bringen. Ab dem zehnten müssten die Sprösslinge geschlagen werden, wenn sie nicht folgen würden. "Jeder, der diese Methodologie bei der Erziehung der Kinder anwendet, wird keine Schwierigkeiten und Ermüdungen in Sachen der Religionslehre haben."

Die Äusserungen des Imams - der sich im Übrigen gegen die Vorwürfe verwahrte - sorgten damals für scharfe Kritik. Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, zeigte sich empört: "Die Verantwortlichen heiligen damit eine Methode des siebten Jahrhunderts, unabhängig von den Errungenschaften unserer Zeit, von Menschenrechten", sagte sie. Auch der St.Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann kritisierte die Aussagen des Imams scharf und forderte die Behörden auf, zu handeln und die Moschee sofort und genau unter die Lupe zu nehmen.