Dieser Krebs wird oft spät erkannt

Vor zwei Jahren hatte sich Angelina Jolie wegen ihres erhöhten Krebsrisikos die Brüste abnehmen lassen. Jetzt hat sich die Schauspielerin Eierstöcke und Eileiter entfernen lassen. Chefarzt René Hornung erklärt, warum das vertretbar ist.

Bruno Knellwolf
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René Hornung Chefarzt Frauenklinik am Kantonsspital St. Gallen (Bild: Coralie Wenger)

René Hornung Chefarzt Frauenklinik am Kantonsspital St. Gallen (Bild: Coralie Wenger)

Herr Hornung, die 38jährige Angelina Jolie ist Trägerin des mutierten Gens BRCA, welches das Risiko deutlich erhöht, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Jetzt hat sich die Schauspielerin Eierstöcke und Eileiter entfernen lassen. Ein seltener Fall?

René Hornung: Das ist zum Glück in unseren Breiten selten. Aber es gibt auch bei uns Frauen, welche dieses Gen tragen. In solch speziellen Situationen kann man darüber diskutieren, ob man Brüste oder Eierstöcke präventiv entfernen soll.

In zwei Etappen wie bei Jolie, erst Brüste und später Eierstöcke?

Hornung: Nicht zwingend. Das kommt sehr auf die jeweilige Lebenssituation der Patientin an. Hat man das Gen schon bei Verwandten gefunden? Das Alter der Betroffenen spielt eine Rolle. Hat sie schon Kinder? Dann präsentiert sich die Ausgangslage anders als bei kinderlosen Patientinnen. Wichtig ist, dass Patienten mit BRCA-Mutationen sich gut beraten lassen vom Frauenarzt.

Was spricht für eine Entnahme?

Hornung: Das Problem des Eierstockkrebses ist, dass sich dieser im Bauchinnern bildet und der Arzt diesen schlecht sieht. Deshalb findet man diesen Krebs häufig in späten Stadien. Darum kann es sein, dass der Frauenarzt eine Entnahme der Eierstöcke empfiehlt. Wichtig ist, wie gesagt, dass Patientinnen, die ein gehäuftes Auftreten von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie haben, ein Gespräch mit der Frauenärztin suchen.

Und wann sollen sich diese Frauen auf die Genvariante testen lassen?

Hornung: Zuerst erstellt man einen genetischen Stammbaum. Wer hat in der Familie welche Erkrankung gehabt? Aus dem heraus kann man eine Risikoabschätzung machen. Wenn das Risiko erhöht ist, dass ein solches Gen in der Familie vorkommt, kann man das dann testen. Daraus entstehen aber heikle Fragen. Wie verhält man sich, wenn man weiss, dass man eine Genträgerin ist? Will ich es überhaupt wissen?

Welche Konsequenzen hat ein solcher operativer Eingriff?

Hornung: Bei einer Frau, die noch Zyklen hat, produzieren die Eierstöcke Hormone. Entfernt man die Eierstöcke, führt das dazu, dass die Patientin sofort in die Abänderung kommt und dementsprechend auch darunter leiden kann. Es kann zu Wallungen kommen. All das muss man besprechen und allenfalls mit einem Hormonersatz behandeln. Es handelt sich um einen chirurgischen Eingriff, der Komplikationen auslösen kann. Und die Frau kann sicher keine Kinder mehr haben. Bei einer jungen Frau muss man das deshalb ganz genau besprechen, nicht dass die Patientin den Eingriff später bereut.

Was ist die Alternative, wenn eine Frau mit diesem Gen die Eierstöcke behalten will? Überwachung?

Hornung: Genau, eine engmaschige Kontrolle durch den Frauenarzt.

Bei Männern kann dieses Gen Prostatakrebs auslösen. Was wird diesen empfohlen?

Hornung: Bei Männern, die gehäuft Brust- oder Eierstockkrebs in der Verwandtschaft haben, empfiehlt man unter Umständen eine Kontrolle beim Urologen.