Gesund ist teuer

Die Pläne und Strategien stehen: Gesundheitschefin Heidi Hanselmann weiss, wohin sie mit den St. Galler Spitälern in naher Zukunft will. Die Finanzierung ist weniger klar.

Regula Weik
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Gesundheitschefin Heidi Hanselmann weist den Weg in die Zukunft – für die St. Galler Spitäler. (Bild: Urs Bucher)

Gesundheitschefin Heidi Hanselmann weist den Weg in die Zukunft – für die St. Galler Spitäler. (Bild: Urs Bucher)

St. Gallen. Das Treffen hat Tradition: Alljährlich im Sommer lädt die St. Galler Gesundheitschefin in den Botanischen Garten zum Aus- und Rückblick. So beschaulich es in der grünen Oase im Osten der Stadt St. Gallen auch ist – in den kommenden Sitzungen von Regierung und Kantonsparlament dürfte Heidi Hanselmann ein rauher Wind entgegenwehen. Der Investitionsbedarf der St.

Galler Spitäler ist riesig – die Rede ist von 1,2 Milliarden Franken – und um die Finanzen des Kantons steht es nicht zum besten, jedenfalls nicht in den nächsten Jahren.

Kostengünstig

Heidi Hanselmann wird nicht müde, an das Baumoratorium zu erinnern. Über zehn Jahre hat es gedauert, und die Spitäler erfuhren nicht mehr als einen raschen Pinselanstrich.

«Jeder Franken, der jetzt investiert wird, ist gerechtfertigt und notwendig», sagt die Gesundheitschefin. Denn: «Der Wettbewerb wird mit der neuen Spitalfinanzierung und der Einführung der freien Spitalwahl verstärkt spielen.» Sie sieht dies auch als Chance für St. Gallen, sich als Gesundheitskanton zu positionieren – «da wir kostengünstig sind».

Günstiger als die St. Galler Spitäler arbeiten nur jene kleiner Kantone wie Obwalden, Nidwalden, Uri, Glarus und beider Appenzell. St. Gallen liegt nach ihnen bei den stationären Patienten an siebter Stelle; bei den ambulanten Behandlungen ist er gar der zweitgünstigste Kanton.

Patienten im Kanton behandeln

Der Kanton habe aus gesundheitspolitischer wie volkswirtschaftlicher Sicht das Ziel, möglichst viele Patientinnen und Patienten in eigenen Spitälern behandeln zu können.

Jeder Patient, der abwandert, wirkt sich für den Kanton ungünstig aus – da mit ihm Geld abfliesst. Das möchte Heidi Hanselmann möglichst verhindern – «so finanziert St. Gallen die anderen Kantone mit».

Derzeit mangelt es den St. Galler Spitäler nicht an Patienten. Sie sind durchschnittlich zu 90 Prozent ausgelastet – «das ist sehr hoch», sagt Heidi Hanselmann.

Wie steht es mit dem sich abzeichnenden Mangel an Pflegepersonal? St. Gallen spüre diesen derzeit noch weniger stark als andere Kantone. Ein Grund ist: St. Gallen finanziert traditionell die Ausbildungsleistungen. Und: In den vergangenen Jahren wurden in den Spitalregionen 50 zusätzliche Lehrstellen geschaffen. «Dieser Ausbau kann nicht uferlos weitergehen.» Es müsse die Balance zwischen Lernenden und Ausgebildeten gefunden werden.

Prioritäten setzen

Wie und wo künftig wie viele Millionen investiert werden, ist derzeit noch offen. «Es steht eine Verzichtsplanung an», sagt die Regierungsrätin. Und so werde ihr Departement – wie alle anderen auch – gefordert sein, Prioritäten zu setzen, Leistungen zu streichen. Wo der Rotstift angesetzt wird, dazu mag sich die Gesundheitschefin heute noch nicht äussern. «Die Priorisierung wird Ende Jahr auf dem Tisch liegen.»

Einige grosse bauliche Brocken sind bekannt. 110 Millionen für das Spital Grabs, 90 Millionen für das Spital Altstätten, 85 Millionen für das Spital Wattwil. An allen drei Orten sind die Architekturwettbewerbe entschieden. «Die Investitionen können nicht vertagt werden», hatte Heidi Hanselmann Ende April an einer Medienorientierung der Spitalregion gesagt.

Sie relativiert denn auch die 1,2 Milliarden Franken. Der Investitionsbedarf der St. Galler Spitäler betrage «nur» 48 Millionen pro Jahr – «in Luzern sind es 50 Millionen» –; die 1,2 Milliarden seien nämlich auf 25 Jahre ausgelegt.