STEPHANSHORN: Erhält Hirslanden alle Aktien?

ST.GALLEN. Die Privatklinikgruppe Hirslanden strebt die vollständige Übernahme der Klinik Stephanshorn an. Kanton und Stadt St. Gallen, beide Minderheitsaktionäre, warten erst einmal ab – und begrüssen, dass die Klinik längerfristig gesichert ist.

Regula Weik
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Die Privatklinik Stephanshorn im Osten der Stadt St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Privatklinik Stephanshorn im Osten der Stadt St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Stadt St. Gallen besitzt 1500 Aktien der Klinik Stephanshorn. Welchen Anteil am gesamten Aktienkapital das ausmacht, hat Stadtpräsident Thomas Scheitlin nie ausgerechnet. «Es dürften um die zehn Prozent sein.» Wie lange die Stadt noch Mitbesitzerin der Privatklinik ist, ist offen. «Wir warten erst die Gespräche mit Hirslanden ab – und dann entscheidet der Stadtrat», sagt Scheitlin.

Für den Stadtpräsidenten ist im Moment etwas anderes wichtiger: «Das Engagement von Hirslanden ist ein starkes Zeichen für den Standort St. Gallen. Der Gesundheitsbereich ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Stadt.»

Drei Minderheitsaktionäre

Die Privatklinikgruppe Hirslanden – sie ist seit Donnerstag neue Mehrheitsaktionärin der Klinik Stephanshorn – hat angekündigt, den Minderheitsaktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten.

«Hirslanden hält traditionell hundert Prozent des Aktienkapitals ihrer Kliniken», sagt Ole Wiesinger, CEO der Hirslanden-Gruppe.

Zur Trägerschaft der Klinik Stephanshorn gehören – nebst der Blumenau-Léonie-Hartmann- Stiftung, welche ihr Mehrheitspaket an Hirslanden verkauft hat – dort arbeitende Ärzte sowie Stadt und Kanton St. Gallen. Die Stiftung besass rund zwei Drittel der Aktien; die drei Minderheitsaktionäre die restlichen.

Gespräch abwarten

Der Kanton besitzt knapp zehn Prozent der Stephanshorn-Aktien. «Wir konnten unser Know- how einbringen», sagt Roman Wüst, Generalsekretär des Gesundheitsdepartements und Vertreter des Kantons im Verwaltungsrat der Privatklinik. Er relativiert aber auch: «Der Einfluss als Minderheitsaktionärin ist bescheiden – besonders dann, wenn er nicht gewünscht oder nicht gesucht wird.» Ob sich daran etwas ändern wird, kann Wüst nicht sagen. «Es fanden noch keine Gespräche statt.»

Ebenso offen ist, ob der Kanton seine Aktien abtreten wird. Eine Aussage dazu sei verfrüht; dafür müsste der Kanton zuerst die Absichten kennen, welche die Hirslanden-Gruppe mit der Klinik Stephanshorn verfolge.

Stephanshorn soll auf Spitalliste

Eine Ambition der Privatklinikgruppe ist klar – und diese wird sie, nebst der Beteiligungsfrage, auch zum Kanton führen: Sie will die Klinik Stephanshorn auf die Spitalliste bringen.

Erste Signale des Gesundheitsdepartements seien positiv gewesen, sagt Adrian Rüesch, Verwaltungsratspräsident der Klinik Stephanshorn AG. Generalsekretär Wüst bestätigt: «Wenn das Stephanshorn unverändert weitergeführt wird, dann wird es auf der Spitalliste stehen.» Hirslanden-CEO Wiesinger sagt: «Wir wollen den Charakter der Klinik Stephanshorn erhalten.»

Die Gruppe strebt einen Listenplatz nicht nur für die neuerworbene St. Galler Klinik an, sondern für die Mehrzahl ihrer inzwischen 14 Kliniken. Dennoch, sagt Wiesinger, gelte für die ganze Gruppe: «Wir prüfen beide Wege: einen Listenplatz und alternativ dazu den Status als Vertragsspital.»

Nico Egger, Arzt in Gossau und SVP-Kantonsrat, ist einer der Belegärzte an der Klinik Stephanshorn. Positiv sei, dass deren Zukunft gesichert sei. «Sie ist wichtig für die Gesundheitsversorgung der gesamten Bevölkerung.

» 40 bis 50 Prozent ihrer Patientinnen und Patienten seien allgemein versichert. «Wir sind keine exklusive Privatklinik.»

Wenig private Konkurrenz

Wie reagiert das Kantonsspital St. Gallen auf die Veränderungen bei der privaten Konkurrenz? «Wir waren über die Verkaufsabsichten informiert», sagt Daniel Germann, Direktor und Vorsitzender der Geschäftsleitung des Kantonsspitals St. Gallen. «Wir nehmen deswegen keine Strategieänderung vor.

» Er schliesst aber nicht aus, dass sich bei einer vollständigen Übernahme der Klinik durch Hirslanden «Akzente verschieben könnten». Dann werde die Situation neu geprüft.

Der Spitaldirektor weiss um die spezielle Situation in St. Gallen und um die annähernde Monopolstellung des Kantonsspitals: «Wir haben wenig private Konkurrenz in der Region.» Er spricht von «einer guten Co-Existenz», die das Kantonsspital und die Privatklinik gefunden hätten. Das öffentliche Spital ist heute gar beim privaten eingemietet.

«Ein Teil unserer Frauenklinik, die Reproduktionsmedizin, ist im Stephanshorn untergebracht», sagt Germann.

Gute, kostengünstige Angebote

«Wir sind interessiert, dass es auf dem Platz St. Gallen gute medizinische Angebote gibt – öffentliche wie private. Angebote, die sich ergänzen und nicht konkurrenzieren», sagt Roman Wüst. Der Kanton hat noch ein weiteres Interesse: St.

Gallen gilt im nationalen Vergleich als kostengünstiger Kanton – «wir sind interessiert, dass ein privater Anbieter bei dieser Kostenstruktur mithilft».