Albtraum wird Realität

Der Kabinenunfall der Luftseilbahn Brülisau-Hoher Kasten hat schwere Folgen – nicht nur für einen Mitarbeiter. Der Saisonbeginn muss um Monate verschoben werden.

Markus Fässler
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Blick aus der Betriebsleitzentrale: Beim Aufprall der Seilbahn auf die Talstation in Brülisau wurde ein Mitarbeiter schwer verletzt. (Bild: Kapo AI)

Blick aus der Betriebsleitzentrale: Beim Aufprall der Seilbahn auf die Talstation in Brülisau wurde ein Mitarbeiter schwer verletzt. (Bild: Kapo AI)

Brülisau. Die Kabine rast ungebremst und mit hoher Geschwindigkeit auf die Talstation zu: der Albtraum jedes Seilbahnpassagiers und -betreibers. Er wurde am Mittwoch gegen 11.30 Uhr für die Luftseilbahn Brülisau-Hoher Kasten zur bitteren Realität.

Die Folgen: ein schwer verletzter Mitarbeiter (siehe Kasten), ein verschobener Saisonstart und ein Imageschaden.

«Fatale Folgen»

Der Saisonbeginn der Luftseilbahn Brülisau-Hoher Kasten war auf den 1. April geplant. Nun müsse der Start um zwei bis drei Monate verschoben werden, vermutet Verwaltungsratspräsident Emil Koller.

Dies hat auch Konsequenzen für das preisgekrönte Drehrestaurant auf dem Hohen Kasten. «Der Unfall ist auch für uns fatal», sagt Pächter Urs Brülisauer. Diverse geplante Aktionen wie etwa Filmvorführungen oder Bankette müssen abgesagt werden. Seit der Eröffnung des Drehrestaurants am 1.

Mai 2008 war die Nachfrage noch nie so gross wie jetzt. «Der Morgenbrunch über Ostern war fast ausgebucht. Es haben auch verschiedene Abendgesellschaften reserviert», sagt Brülisauer.

Zurzeit ist er damit beschäftigt, alle Reservationen zu stornieren und nach Lösungen zu suchen, wie die missliche Lage bewältigt werden kann. Zudem wurden alle Zeitungsinserate für die Vorsaison gestoppt.

Es sind vor allem logistische Probleme, die sich im Moment den Verantwortlichen stellen. Auf dem Hohen Kasten besteht kein Wasseranschluss, Abfall muss abtransportiert und Material auf den Berg gebracht werden: Bis vorgestern hatte die Luftseilbahn diese Aufgaben erledigt.

Im April geschlossen

Das Drehrestaurant hat neben den bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusätzliches Personal eingestellt. Die Verträge laufen ab dem 1. April.

Auch hier zeigt sich ohne die Luftseilbahn ein weiteres Problem: Man könne von den Mitarbeitern nicht verlangen, einen Monat auf dem Berg zu bleiben oder jeden Tag die Strecke zweimal zu Fuss zu bewältigen, sagt Brülisauer. Im April bleibt das Drehrestaurant nach Auskunft des Pächters geschlossen. In den nächsten Tagen findet eine Sitzung mit allen Verantwortlichen statt.

1,8 Millionen für die Sicherheit

Die Ursachen für den Unfall sind weiterhin unklar. Zur Abklärung wurde ein Untersuchungsbeamter des Bundesamtes für Verkehr hinzugezogen. Paradox: Die Luftseilbahn Brülisau-Hoher Kasten hat in den letzten eineinhalb Jahren rund 1,8 Millionen Franken in die Sicherheit investiert. Erst im Dezember erhielt sie die neue Konzession bis ins Jahr 2034. «Diese ist in keiner Weise gefährdet», sagt Verwaltungsratspräsident Koller.

Ein Unfall dieser Art könne bei einer bemannten Fahrt nicht geschehen, da der Kabinenführer sofort Bremsmassnahmen einleiten könne.