Ovationen für Samuel Schmid

WITTENBACH. Für die Wittenbacher ist Samuel Schmid kein «angeschlagener Bundesrat». Sie empfangen ihn mit begeistertem Applaus. Und er dankt es ihnen: «Blibeet wied'er siit!.»

Josef Osterwalder
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"Auf Sie kommt es an! Auf jeden, auf jeden!": Bundesrat Samuel Schmid am 1. August in Wittenbach. (Bild: Urs Jaudas)

"Auf Sie kommt es an! Auf jeden, auf jeden!": Bundesrat Samuel Schmid am 1. August in Wittenbach. (Bild: Urs Jaudas)

Am Schluss der Bundesfeier-Rede reisst es alle von den Bänken, gibt es stehenden, tosenden Applaus. Bis Samuel Schmid nochmals ans Mikrofon zurückkehrt: «Übertriibet's nöd, söss rüert's mi!» Dass er gerührt ist, kann er nicht verbergen. Aber noch wichtiger ist ihm, seine Aufforderung an die Wittenbacher zu wiederholen: eine Gemeinde zu bleiben, die zusammensteht, die jungen Leuten eine Zukunft gibt, die Heimat schafft: «Ihr chönt's!»

Das ist die Botschaft, die der Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport an diesem Nationalfeiertag ausrichten will: Die Schweiz lebt, sie ist ein blühendes Land, zu vielem fähig. Paradebeispiel ist für Schmid die Euro '08, die «ein beispielloser Erfolg» gewesen sei, von den Verkehrsleistungen über das Sicherheitskonzept bis zur Begeisterung, die sie begleitet habe.

1:0 für die Mutigen
Und das alles entgegen der vielen Miesmacher, die im Vorfeld über alles gejammert hätten, was nicht klappen werde. «Die Euro endete mit einem 1:0 für die Mutigen.»

Solche Erfolge aber gebe es nur, wenn alle zusammenstehen. Auf die Mitwirkung aller komme es an. Und dies wiederum setze voraus, dass die Kultur der Demokratie samt ihren Spielregeln gepflegt werde: «Argumentieren und zuhören anstelle von lärmen und diffamieren.» Unschwer zu erraten, an was der von den Medien gebeutelte Magistrat dachte.

Demokratie als Zusammenspiel aller, als Ringen um Mehrheiten. Schmid zitierte den verstorbenen Bundesrat Kurt Furgler: Unsere Staatsform, mit einer Kollegialbehörde an der Spitze, lebt von der Kunst, «sich zusammen- zuraufen».

Empfang auf dem Schloss
«Lasst uns offen aufeinander zugehen. Und zeigen wir uns alle bereit, selber etwas für diese Gemeinschaft zu leisten. Auf Sie kommt es an! Auf jede, auf jeden!» Das sagt Schmid nicht nur, sondern praktiziert es. Darum will er seinen Besuch in Wittenbach nicht einfach rasch erledigen. Er wünscht, vor der Bundesfeier mit einem Kreis von Wittenbachern in Kontakt zu kommen. Wozu der heitere Sommerabend auf Schloss Dottenwil eine märchenhafte Kulisse bildet. Kutschiert mit Bruno Kaufmanns Oldtimer, empfangen von den Alphörnern des «Trio vo Wittebach», verköstigt mit Wein, Wurst und Käse aus der Gegend ergibt sich eine lockere Atmosphäre, bei der sich Schmid als aufmerksamer Zuhörer erweist.

Er interessiert sich für das Kranzabzeichen der jungen Schützin Gabi Schütz, macht mit dem Schützen-Präsidenten Peter Altherr Schmollis, plaudert mit den anwesenden Militärvertretern, Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler und Oberst Sven Bradke, hört sich die Geschichte von Schloss Dottenwil und seinen Freiwilligen an und lässt sich von Gemeindepräsident Albert Etter die Gegend erklären. Wobei ihn ein Wortspiel besonders schmunzeln lässt: Auf Dottenwil gebe es keinen Sonntags- dafür Weitblick. «Diesen Unterschied will ich mir merken.»

Prinzip Vertrauen
So kommen auch «Donner und Gewitter der letzten Wochen» zur Sprache, wie Schmid es nennt. Auch die Frage, warum Vertrauen plötzlich eine so negative Presse habe. Er finde nach wie vor, dass man auf Vertrauen setzen müsse, sagt Schmid gegenüber dem Tagblatt; wo käme man hin, wenn man nur noch gläserne, voll durchleuchtete Menschen um sich hätte.

Angeregte Stimmung im Schloss, begeisterte im Festzelt, ein Bundesrat, der länger bleibt als vorgesehen und mit einem besondern Kompliment aufwartet: «Wittenbach hat einen Preis verdient: den Kontaktpreis.» Kein Wunder, kommt er schon am 15. August wieder nach Wittenbach, zum Parteitag der FDP.