Allahs auserwählter Löwe

Der ehemalige Katholik Oscar Assadullah Mukhtar Bergamin betet seit fünf Jahren zu Allah. An öffentlichen Anlässen kämpft der Ostschweizer für die Anliegen der Moslems und wehrt sich gegen Forderungen von aussen.

Markus Symank
Drucken
Teilen
«Ein logischer Schritt»: So bezeichnet Oscar Assadullah Mukthar seinen Übertritt zum Islam. (Bild: Ralph Ribi)

«Ein logischer Schritt»: So bezeichnet Oscar Assadullah Mukthar seinen Übertritt zum Islam. (Bild: Ralph Ribi)

Er wuchs in einer katholischen Familie auf und besuchte eine Dominikaner-Schule. Heute ist Oscar Assadullah Mukhtar Bergamin einer der bekanntesten Schweizer Islam-Konvertiten. Der in Holland aufgewachsene Bündner betet seit fünf Jahren zu Allah. «Der Weg vom Katholizismus zum Islam ist ein logischer Schritt, ein Schritt vorwärts», sagt er. Allerdings sei es auch ein Schritt, der viel Wissen voraussetze.

Bergamin arbeitete lange als Journalist für die «Südostschweiz», später engagierte er sich als Offizier der Schweizer Armee auf dem Balkan und als internationaler Berater für die Nato in Afghanistan. Die moslemische Welt und das Gedankengut des Islam lernte er zudem auf zahlreichen Reisen nach Nordafrika und in den Nahen Osten kennen. Dabei begeisterte ihn stets die Offenheit und Gastfreundschaft der Moslems: «Der Islam ist eine soziale Religion», sagt er. «Solidarität wird grossgeschrieben.»

Verwandte und Familie reagierten auf seine Bekehrung ablehnend, einige Nachbarn betrachten ihn gar als Verräter. Bergamin selbst hingegen glaubt, dass es «das einzig Richtige» war.

Derzeit steht der schweizerisch-holländische Doppelbürger unter anderem dem Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz als Kommunikationsberater zur Seite. An Podiumsdiskussionen über den Islam ist er ein gern gesehener Gast. Doch die jüngsten Entwicklungen in der Schweiz verfolgt er mit Sorge.

Die Minarett-Initiative hält er für eine «hasserfüllte Kampagne», die Einreisesperre für den radikalen deutschen Islam-Prediger Pierre Vogel bezeichnet er als «Skandal». «Es wird Zeit, dass Moslems selbstbewusster auftreten», fordert er. Auch wehrt er sich gegen Stimmen, die eine Neuinterpretation des Islam fordern. «Kein Aussenstehender hat das Recht, uns vorzuschreiben, wie wir unseren Glauben zu leben haben.»

Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom 4. März.