St. Gallen kann es – im Kleinen

In seinem 25. Programm schaut das Cabaret Sälewie wiederum genau hin. «Hushalte» erzählt in der Kellerbühne aus st. gallischer Sicht vom Energiesparen. Sogar der neue Neumarkt hat es ins Programm geschafft.

Roger Berhalter
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Sorgt für volles Haus in der Kellerbühne: Das Cabaret Sälewie ist mit seinem bereits 25. Programm ein beliebter Publikumsmagnet. (Bild: Ralph Ribi)

Sorgt für volles Haus in der Kellerbühne: Das Cabaret Sälewie ist mit seinem bereits 25. Programm ein beliebter Publikumsmagnet. (Bild: Ralph Ribi)

Nach einem Aufwärmsong ist man schon mittendrin im St. Galler Alltag. «Viel haben wir nicht in St. Gallen», sagt Rosanna Schoch nachdenklich. Und überhaupt sei es traurig, dass man mit einem Brustkrebskongress Werbung machen müsse. Kurz versucht sie mit Katrin Schatz ein weltstädtisches St. Gallen zu entwerfen («St. Gallen kann es!»). Doch das will nicht so recht gelingen, und es bleibt nur das ehrliche Fazit, dass St. Gallen es höchstens im Kleinen kann.

Grüsse vom Bildschirm

Für sein 25. Programm «Hushalte» hat das Cabaret Sälewie wiederum genau hingeschaut. Auf der Bühne stehen neben Rosanna Schoch und Katrin Schatz auch Reto Wiedenkeller und Thomas Frischknecht. Letzterer musste kurzfristig für René Wagner einspringen, der wegen eines Bandscheibenvorfalls nicht auf der Bühne stehen kann. Dafür ist Wagner auf einem Bildschirm am Bühnenrand präsent. Von dort wünscht er zu Beginn viel Vergnügen, sinniert später über verschiedenfarbige Nullen im Leben, und am Schluss verneigt er sich mit den anderen vor dem Publikum.

Im Supermarkt-Labyrinth

Mit «Hushalte» zeigt das Laienensemble unter der Regie von Lukas Ammann (und musikalisch begleitet von Fredy Schweizer am Klavier) lose aneinandergereihte Nummern. Als roter Faden dient das Haushalten – vor allem im Sinn von Energiesparen – und fast alle Szenen sind mit St. Galler Lokalkolorit durchwirkt. Geothermie und Marktplatz-Gestaltung sind Thema, und gern wird in Richtung Stadtrat gestichelt.

Auch der frisch eröffnete «neue Neumarkt» hat es ins Programm geschafft. Es ist eine Nummer zum Tränenlachen, wenn Reto Wiedenkeller als verunsicherter Pensionär im Supermarkt-Labyrinth nach Brot und Fleischkäse sucht, während Katrin Schatz wie eine Lasergun-Furie mit der Selfscanning-Pistole um sich schiesst. «Den Eingang haben Sie immerhin schon gefunden», kommentiert Rosanna Schoch im orangen Dress.

Abfall und Arbeitslose

Neben solchen lauten, mit Slapstick gespickten Nummern, findet in «Hushalte» aber auch Leiseres Platz. Zum Beispiel, wenn Katrin Schatz als lismende Grosi vom Wandel der Zeit erzählt: «Hüt gohts immer um Energie, früener hätt me eifach gläbt.» Schön melancholisch auch Reto Wiedenkeller, der sich als Gekündigter «nach 17 Jahren in der Auslieferung» so überflüssig fühlt, dass er sich am liebsten grad mit den Kehrichtsäcken abtransportieren lassen möchte.

Besser Beatles als Yo!

Das Cabaret überzeugt nicht nur mit Sprachwitz und Wandlungsfähigkeit, sondern auch mit Gesang. Mit dem Rap will es allerdings nicht klappen: Wer Hip-Hop noch im Jahr 2014 mit «Yo!-Yo!»-Gehampel beizukommen sucht, tönt nur wie von vorgestern. Da agiert das Ensemble in den anderen Gesangsnummern viel souveräner. Etwa im Beatles-Potpourri, das eine kleine Räubergeschichte erzählt, im Arbeitslosen-Blues oder im herrlich ironischen Spunten-Chor aus der «Harmonie».

Weitere Vorstellungen: 11./14./15./17./18./21./22./23./24./25./27./28.1., 20 Uhr, sowie 12./19.1., 16 Uhr; Reservation unter 071 228 16 66