Markenzeichen Freudigkeit

Die Camerata Salonistica wird zwanzig Jahre alt und hat sich unter Michael Schläpfer über die Jahre einen festen Platz als Ostschweizer Orchester erobert, das Stilvielfalt pflegt, spezielle Projekte plant – und einfach quirlig musiziert.

Martin Preisser
Drucken
Teilen
Letzter Schliff für das Jubiläumsprogramm der Camerata Salonistica: Dirigent Michael Schläpfer feilt an Details der Hexen- und Zauberermusik. (Bild: Coralie Wenger)

Letzter Schliff für das Jubiläumsprogramm der Camerata Salonistica: Dirigent Michael Schläpfer feilt an Details der Hexen- und Zauberermusik. (Bild: Coralie Wenger)

Nächstes Jahr wirkt die Camerata Salonistica als Orchester im Musical «Der Zauberer von Oz» mit, welches anlässlich der Feierlichkeiten 1200 Jahre Mörschwil aufgeführt wird. Da lag es nahe, jetzt schon einmal zum zwanzigsten Geburtstag in die Welt der Zauberer und Hexen einzutauchen. Spezielle Motto-Programme sind seit jeher ein Markenzeichen der Camerata Salonistica, sei es ein keltisches Programm oder Musik zum Thema Zirkus. Traditionelle Konzertprogramme interessieren Dirigent Michael Schläpfer weniger.

Er will über Stilgrenzen hinweg musizieren und Musik um spezielle Inhalte herum gruppieren.

«Ich muss nicht der Star sein»

Zum Dirigieren kam Michael Schläpfer quasi wie die Jungfrau zum Kind. Für das Jugendorchester St. Gallen hatte er als junger Musiker ein Streicherstück komponiert und dann gleich noch selbst dirigiert. «Mein Weg als Dirigent war learning by doing», sagt Schläpfer, der auch verschiedene Chöre leitet. «Als Dirigent muss ich nicht der Star sein.

Mich befriedigt viel mehr, wenn ich aus meinen Musikerinnen und Musikern etwas herauslocken kann, sie begeistern kann für Neues, Unbekanntes, und sie dann über sich hinauswachsen.»

Auf der Homepage der Camerata Salonistica heisst es kurz und bündig: «Michael Schläpfer vertraut der Musik und den Menschen, die sie spielen.» Schon 1997 erhielt der Schulmusiker den Förderpreis der Stadt St. Gallen.

«Als begeisternder Orchesterdirigent und als origineller, engagierter Organisator von Konzerten», lautete die Begründung. Woher kommt diese Freudigkeit, die ein Markenzeichen der Camerata geworden ist? «Ich arbeite mit Emotionen und Bildern. Und gerade die Stilvielfalt und das immer wieder über die eigentliche Klassik Hinausschauen führt beim Orchester zu Spielfreude und einer neuen Lockerheit. Es gibt doch nichts Schlimmeres als einengende klassische Konzerte», so Michael Schläpfers Credo.

Viel Wert legt er auch auf das rhythmische Element. «Je sicherer der Rhythmus, desto besser die Intonation und desto klarer der Klang.» Und auch wenn er mit Bildern arbeite, werde der Klang sofort besser.

«Stilvielfalt macht offener»

Michael Schläpfer leitet die Camerata Salonistica, bei der mehr als sechzig Laienmusikerinnen und -musiker mitspielen, hobbymässig. Und auch zum Jubiläum ist wiederum Stilvielfalt angesagt.

«Wenn wir uns in einem Programm in ganz unterschiedlichen musikalischen Welten bewegen, macht das ein Orchester ganz einfach offener und quirliger», ist Michael Schläpfer überzeugt. Im Zauberer- und Hexen-Programm haben so hochromantische Werke wie Mussorgskys «Nacht auf dem kahlen Berge» neben Konzertsuiten zu Harry-Potter-Filmen Platz.

Im «König von Narnia» gibt es Begegnungen mit der bösen weissen Hexe, und mit Highlights aus «Wicked» von Harry Gregson-Williams wird in die Vorgeschichte des Zauberers von Oz entführt.

Die Camerata Salonistica wäre nicht die Camerata, wenn sie nicht auch mutige Schritte in Richtung zeitgenössische Musik wagen würde. Gleich zwei Uraufführungen, eine echte und eine bearbeitete, steuert der St. Galler Komponist Christoph Schnell bei (s. Kasten).

Ist der «Einzug der Meister» ein reines Orchesterstück, musiziert die Camerata Salonistica in «Surround Us» mit Kopfhörern und tritt in einen spannenden Dialog zwischen Synthesizermusik und live gespielter Orchestermusik.

Auch nach dem Jubiläum bleibt sich die Camerata Salonistica treu und setzt auf ungewohntere Vernetzungen im Kulturbetrieb.

Geplant ist beispielsweise ein Kompositionsauftrag an Barblina Meierhans, die zu einem Stummfilm die Filmmusik schreiben wird. Dieses Projekt wird zusammen mit dem St. Galler Kinok über die Bühne gehen.

Jubiläumskonzert «Von Zauberern und Hexen»: Sa, 6.3., Metropolsaal Widnau, 19.30 Uhr; So, 7.3., Tonhalle St. Gallen, 17 Uhr. Karten: www.camerata-salonistica.ch