Romeo und Julia am See

Das See-Burgtheater spielt diesen Sommer Gottfried Kellers «Romeo und Julia auf dem Dorfe» in einer Dramatisierung durch Leopold Huber und der Regie von Astrid Keller.

Rolf App
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So soll das Bühnenbild vor romantischer Seekulisse aussehen. (Bild: See-Burgtheater)

So soll das Bühnenbild vor romantischer Seekulisse aussehen. (Bild: See-Burgtheater)

KREUZLINGEN. Einst liebten sich im Dorfe Altsellerhausen bei Leipzig ein Jüngling und ein Mädchen. Sie waren Kinder armer Leute, die aber in tödlicher Feindschaft lebten. Und weil deshalb an eine Heirat der beiden nicht zu denken war, begaben sie sich eines Tages in eine Wirtschaft und tanzten bis 1 Uhr in der Nacht. Am Morgen fand man sie tot auf dem Feld.

Keller liest eine Meldung

Diese Meldung las 1847 der 28jährige Gottfried Keller in der Zeitung, sie gab den Anstoss zur Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Bei ihm sind es zwei Bauern, Manz und Marti, die einen Dritten um sein Land betrügen, der heimatlos durch die Gegend zieht. Man nennt ihn den schwarzen Geiger. Und während ihre Väter sich immer mehr in die Haare geraten, wachsen Sali und Vreneli auf, verlieben sich – und wissen doch, dass diese Liebe keine Zukunft hat. Sie kaufen sich Ringe, tauschen sie, tanzen wie an einer Hochzeit – und gehen zusammen in den Tod. Bei Gottfried Keller ist es ein Fluss, in dem sie ertrinken.

«Eigentlich ist es traurig»

Diesen Sommer wird es vom 9. Juli der Kreuzlinger Seeburgpark sein, in dem sich das Drama abspielt. Leopold Huber, Intendant des See-Burgtheaters, hat die Novelle zum Stück umgestaltet und verantwortet die Produktion, Regie führt seine Frau Astrid Keller. In Bühnengestaltung und Kostümen wird Beate Fassnacht ein zeitloses Ambiente entwerfen. Zeitlos ist die Liebe der jungen Menschen, zeitlos die Gier ihrer Väter. «Eigentlich ist es ja traurig, dass uns diese alte Geschichte noch immer so aktuell erscheint», sagt Leopold Huber. Er sei nah am Text geblieben und habe nichts modernisiert.

«Es gibt keinen schöneren Ort, um diese Geschichte zu erzählen», sagt Beate Fassnacht. Zwischen zwei Bäumen wird sie einen Steinhaufen setzen, der «auch ein Zeichen ist für die versteinerten Herzen».

Und alles mit Musik

Den Marti spielt Hans Rudolf Spühler, seine Frau Rahel Wolgensinger. Ihm gegenüber Werner Biermeier als Manz, Silke Geertz als dessen Frau. «Nach Vreneli und Sali haben wir aufmerksam gesucht», sagt Astrid Keller. Anna Blumer kommt aus der Schweiz und hat in Wien ihre Ausbildung abgeschlossen, Raphael Tschudi setzt als Sohn von Gilles Tschudi die Familientradition fort. Eine wichtige Rolle kommt der Musik zu, mit Simon Engeli als dem schwarzen Geiger und Goran Kovacevic an der Ziehharmonika. Und mit dem Chor, der auch einige Schweizer Lieder singt.

Premiere 9. Juli, 20 Vorstellungen bis 6. August