Doppelter Geburtstag im Park

Mit einem gemeinsamen Fest haben das Magazin «Saiten» und die Grabenhalle ihre runden Geburtstage gefeiert. Die Kulturinstitutionen verwandelten einen unscheinbaren Park in einen stimmigen Festplatz und zogen viele Gäste an.

Roger Berhalter
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Zweitägiges Fest auf neuem Territorium: Die Kulturszene nahm am Wochenende das Leonhardspärkli in St. Gallen in Beschlag. (Bild: Coralie Wenger)

Zweitägiges Fest auf neuem Territorium: Die Kulturszene nahm am Wochenende das Leonhardspärkli in St. Gallen in Beschlag. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Rund 600 Leute dürften sich im Leonhardspärkli versammelt haben. Sie sitzen in Grüppchen am Boden, plaudern an der Tafel unter den Linden, schlürfen Eis am Glacestand, holen Bier an der Bar. Die Brunnenfigur in der Mitte des Platzes trägt an diesem Wochenende eine «Saiten»-Fahne. Das Kulturmagazin feiert sein 20jähriges Bestehen, die Grabenhalle gleichzeitig ihren 30. Geburtstag, und gemeinsam begeht man die Jubiläen mit einem zweitägigen Fest im Park.

Neue Räume öffnen

Es zeigt sich ein buntes Völkchen: Nationalräte, Handwerker, Barkeeper, FCSG-Fans, Kulturveranstalter, Theaterschauspieler, Medienschaffende und «Saiten»-Veteranen wie Roman und Adrian Riklin, die schon am ersten Heft von 1994 mitarbeiteten.

Peter Surber von der aktuellen «Saiten»-Redaktion freut sich darüber, dass das Fest im Park so viele verschiedene Kreise anspricht. «Wieder einmal kam sehr vieles zusammen in dieser Stadt», bilanziert er zufrieden und bezeichnet das Leonhardspärkli als Entdeckung. Wo sonst Pétanque gespielt wird – und wo schon gestern wieder ein Turnier stattfand – spielten für einmal Bands auf und wurden Texte gelesen. Das passt laut Surber bestens zu «Saiten», das seit 20 Jahren immer wieder die Diskussion um neue Orte und (Frei-)Räume in der Region führt und fördert. «<Saiten> ist beweglich, vernetzt, solidarisch und unabhängig», sagte Surber in seiner Ansprache am Freitagabend.

Auf Abonnentensuche

Stehenzubleiben kann sich «Saiten» auch nicht leisten. Das Heft wird jeden Monat fast 6000 Mal gedruckt. Jedes dritte Exemplar geht an zahlende Leser, die Mehrheit liegt kostenlos auf. Ein zweigleisiger Vertrieb, der offenbar aufgeht. «Die Inserate-Einnahmen bleiben konstant, das gilt in unserer Branche derzeit als Erfolg», sagt Surber. Schwieriger sei es, die Zahl der zahlenden Mitglieder zu erhalten oder zu erhöhen. Derzeit sucht «Saiten» mit einer Aktion 1000 neue Abonnenten bis Ende Jahr.

Die Gant am Samstagabend im Park führte «Saiten» aber nicht durch, um die Verlagskasse zu füllen. Die Versteigerung von allerhand kuriosen Kulturtrouvaillen diente vor allem der Unterhaltung. Am meisten Erlös (knapp 200 Franken) erzielte das goldene Schwein aus einem Theaterfundus. Es dürfte schon bald die Gäste der Militärkantine auf der Kreuzbleiche begrüssen.