«Fressen oder lassen»

Nach drei Jahren Pause sind Fettes Brot zurück. Die drei haben wieder Lust, im Hip-Hop mitzumischen. Ihr neues Album «3 ist ne Party» kommt mit Disco-Rap und Electro-Clap daher.

Erika Pál
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König Boris, Martin alias Doktor Renz und Björn Beton sind zurück. (Bild: pd)

König Boris, Martin alias Doktor Renz und Björn Beton sind zurück. (Bild: pd)

Wie geht es Ihnen? Wovon haben Sie letzte Nacht geträumt?

Boris: Ich hatte ja echt einen krassen Traum. Wir wurden von Neonazis mit dicken Holzknüppeln angegriffen. Ging drunter und drüber. Puh...

Björn: Ach was? Krass. Ich habe geträumt, dass ich im Hamburger Hafen mit dem Bodyboard gesurft habe. Ich war ein echtes Naturtalent im Bodyboarden.

Sie haben also während der dreijährigen Bühnenpause das Bodyboarding erlernt?

Björn: Nein, leider nicht. Ich kann das eigentlich auch gar nicht. Aber ich habe einen Garten angelegt. Da wachsen jetzt Blumen und Gemüse.

Boris: Und ich war auf Fortbildung und habe eine Soloplatte herausgebracht. Das war sehr erfrischend.

Martin: Genau, und wir haben wiederum seine Konzerte besucht. Nebenbei habe ich mit meiner Schwester Musik gemacht. Aber es ist geheime Musik. Das soll heissen, sie ist leise, weil unsere Eltern aus dem Wohnzimmer immer schrien, dass wir doch verdammt noch mal ruhig sein sollen.

Sie sind keine 20 mehr, sondern schon fast 40. Mögen Sie denn Hip-Hop überhaupt noch?

Boris: Natürlich, jetzt mehr als auch schon. Es gab Zeiten, da hat uns Hip-Hop genervt. Ich habe mich vor allem darauf gefreut, wieder in einer Gruppe Musik zu machen. Ich bin aufgeregt und gespannt, was die Menschheit zu unserer neuen Platte sagen wird.

Björn: Aber ja. Ich erinnere mich jetzt wieder an das Gefühl, das ich schon öfter hatte: Wie es ist, ein neues Baby herauszubringen. Man muss dazu aber auch sagen, dass die Schlagzahl der Ereignisse im Moment sehr hoch ist. Da waren drei Wochen Probe mit unserer Live-Band, und hinzu kommt, dass wir auch noch mehrere Videos gedreht haben. Aber genau so soll es auch sein.

Stichwort Video: Unter Ihrem Video-Clip zu «KussKussKuss» finden sich Kommentare wie: «Das sind nicht Fettes Brot, wie ich sie kenne, wo bleiben Old School Beats und Hip-Hop?» Stört Sie das?

Björn: Das steht unter jedem neuen Video. Die müssen von Omas und Opas sein. Und wenn ihnen die alten Sachen so gut gefallen, sollen sie sich diese bitte auch weiter anhören. Aber wir sind älter geworden. Von solchen Kommentaren haben wir Abstand genommen, lassen uns davon nicht beeinflussen.

Boris: Wir haben uns selbst ermächtigt, die Jury zu sein. Ob unterhaltsam oder nicht, entscheiden wir und servieren das Ergebnis dann der Welt. So funktioniert Musik machen. Fressen oder lassen. Natürlich ist damit auch immer die Hoffnung verbunden, dass das Publikum genauso viel Spass an der Platte hat, wie wir beim Produzieren hatten.

Im Lied «KussKussKuss» fragen Sie, ob der Zuhörer schon mal einen Rapper geküsst hat. Wie soll sich das denn anfühlen?

Boris. Ja, blöde, dass wir Ihnen das nicht zeigen können. Heute ist ja Interview-Tag, und nicht Kuss-Tag. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Man sollte das unbedingt mal gemacht haben. Es fühlt sich verboten an, soviel kann ich Ihnen verraten.

Bettina, Emanuela und nun auf der neuen Platte Josephine. Was ist das für ein Ding mit Frauennamen?

Martin: Wir haben einen geheimen Fetisch für Frauennamen.

Björn: Josephine verkörpert eine starke Frau, sie ist eine Battle-Rapperin. Eine, die mit ihren unfassbar futuristischen Rap-Styles die männlichen MCs in die Schranken weist und zu Schosshünden degradiert.

Boris: Vor allem freue ich mich darauf, eine Frau kennenzulernen, die Josephine heisst. Das ist uns bei Emanuela auch passiert. Geistige Patin von dem Lied ist Josephine Baker, die eine gute Tänzerin und Skilehrerin war.

Und was hat es mit dem Song «Klaus&Klaus&Klaus» auf sich?

Martin: Wir spielen da mit unserem Image. Einige nehmen uns noch immer als norddeutsche Spassband wahr. Darüber ärgern wir uns aber nicht mehr, sondern haben den Spiess nun umgedreht. Das Lied soll unterhalten, ist natürlich aber auch eine Anlehnung an das Schlager-Duo Klaus&Klaus.

Wer wird Sie auf Ihrer Tour als Vorband begleiten?

Boris: MC Fitti wird mitkommen. Er hat einen Vollbart und lacht sehr viel, was hervorragend zu uns passt. Da wächst zusammen, was zusammengehört.

Fettes Brot: «3 is ne Party», 1.11.13 (Grooveattack/Good To Go) Live: 26.01.2014 Komplex/Zürich