Nationalisten «für den Weltfrieden»

Rechtsaussen-Politiker aus Europa und Japan haben am Wochenende in Tokio ein Nationalisten-Treffen abgehalten. Sie wollen eine internationale Vereinigung schaffen.

Susanne Steffen
Drucken
Teilen
Jean-Marie Le Pen, Bruno Gollnisch (Front national) Franz Obermayr (FPÖ) und Krisztina Morvai von der ungarischen Jobbik. (Bild: epa/Franck Robichon)

Jean-Marie Le Pen, Bruno Gollnisch (Front national) Franz Obermayr (FPÖ) und Krisztina Morvai von der ungarischen Jobbik. (Bild: epa/Franck Robichon)

Tokio. Die Atmosphäre ist ausgelassen. Schon in der ersten Konferenzpause gibt der französische Altnationalist und Stargast des «Patriotentreffens zur Herbeiführung des Weltfriedens», Jean Marie Le Pen, gemeinsam mit einem der japanischen Gastgeber ein Ständchen. Überhaupt zeigen sich die Vertreter von Europas und Japans Ultra-Rechten, die sich normalerweise nur für ihr eigenes Land interessieren, verblüffend weltmännisch.

Le Pens Parteifreund Bruno Gollnisch und ein Vertreter der ungarischen Rechtsaussenpartei Jobbik parlieren sogar in einigermassen flüssigem Japanisch.

Auch inhaltlich verstehen sich die knapp 20 angereisten Gäste aus Frankreich, Grossbritannien, Österreich, Belgien, Spanien, Portugal, Ungarn und Rumänien prächtig mit ihren Gastgebern der japanischen Rechtsradikalenorganisation Issuikai.

Gemeinsam polterten sie in gewohnter Polemik gegen die voranschreitende Globalisierung und die daraus folgende Zerstörung jedweder Kultur und Tradition. Gleich mehrere Mitglieder des Europaparlaments wetterten gegen die «Islamisierung Europas» und fast jeder Redner klagte über die vielen Einwanderer, die die nationale Identität zerstörten.

Doch allem gegenseitigen Applaus und Schulterklopfen zum Trotz reichten die Gemeinsamkeiten offenbar nicht für mehr als ein schwammiges Abschlussstatement, in dem sie zu der Erkenntnis kamen, dass alle Patrioten letztlich ihre eigene Kultur und Tradition schützen wollten und jeder dies auch den Patrioten anderer Länder zugestehen sollte. Ein solches gegenseitiges Verständnis könne zu einer friedlicheren Koexistenz führen, heisst es in dem Text.

Umstrittenes Heldendenkmal

Höhepunkt des Treffens war ein Besuch beim Yasukuni-Schrein, in dem die Kriegstoten des Landes verehrt werden – darunter auch 14 Kriegsverbrecher der Klasse A. Auch japanische Spitzenpolitiker pilgern regelmässig zu dem umstrittenen Schrein, meist um dort an die japanische Kapitulation im 2. Weltkrieg am 15. August zu erinnern.

Eine Geste, die jedes Jahr eine Welle der Empörung in den asiatischen Ländern auslöst, die unter der japanischen Kolonialherrschaft schwer gelitten haben. Doch Frankreichs oberster Rechtspopulist Le Pen hat kein Problem mit dem Schreinbesuch. «Sind nicht auch diejenigen, die Hiroshima und Nagasaki bombardiert haben, Kriegsverbrecher?», wetterte er mit dieser Anspielung auf die amerikanischen Atombombenabwürfe bereits bevor er die Gedenkstätte gesehen hatte.

Gastgeber Mitsuhiro Kimura und seine Issuikai-Bewegung bezweifeln öffentlich das Ausmass von Japans Greueltaten in seinen Kolonien. Sein eigenwilliges Geschichtsbild stellte Kimura denn auch gleich zu Konferenzbeginn den Beifall klatschenden Delegierten vor. Japan sei noch immer von der amerikanischen Armee besetzt, so Kimuras Auslegung des japanisch-amerikanischen Sicherheitsabkommens.

Erst wenn die USA ihre Truppen vollständig abzögen und die japanischen Selbstverteidigungskräfte die Landesverteidigung wieder allein übernähmen, sei die Nachkriegszeit vorbei und Japan ein unabhängiges Land, erklärte Kimura. Seine Organisation wurde in den 70er-Jahren von Anhängern des Poeten Yukio Mishima gegründet, der vergeblich einen Staatsstreich anstrebte.

Nächstes Treffen in Budapest

«Irgendwann wollen wir eine Allianz aller patriotischen Vereinigungen der Welt schaffen», philosophiert Kimura beim Mittagessen. Dazu müsste er sich allerdings auch mit den Nationalisten seiner koreanischen und chinesischen Nachbarn verbrüdern. Das sei nicht einfach, gibt Kimura zu. Schliesslich liefern sich japanische Nationalisten regelmässig heftigste Propagandagefechte mit ihren asiatischen «Brüdern», z. B.

wenn ein neues Geschichtsbuch auf den Markt kommt, das Japans Kriegsverbrechen an Koreanern und Chinesen verharmlost. Kimuras Nahziel ist deshalb die Institutionalisierung der europäisch-japanischen Nationalistentreffs. Alle zwei Jahre wünscht sich Kimura ein solches Treffen. So lange wird er gar nicht warten müssen: Bela Kovacz von der ungarischen Jobbik lud alle Teilnehmer für Ende Oktober nach Budapest ein, um das 25jährige Bestehen seiner Partei zu feiern.