Keine Ruhe im Gaza-Streifen

Die islamistische Hamas beendet sechsmonatige Feuerpause mit Israel. Erneut wird israelisches Gebiet mit selbstgebauten Raketen beschossen. Israel berät über Massnahmen.

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Ismail Haniyeh, Hamas-Premier im Gaza-Streifen: «Israels Blockade hat uns populärer und stärker gemacht.» (Bild: rtr/Ibraheem Abu Mustafa)

Ismail Haniyeh, Hamas-Premier im Gaza-Streifen: «Israels Blockade hat uns populärer und stärker gemacht.» (Bild: rtr/Ibraheem Abu Mustafa)

Gaza. «Die Waffenruhe ist zu Ende gegangen und wird nicht erneuert, weil der zionistische Feind die Bedingungen nicht eingehalten hat», erklärten die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden auf ihrer Website. Die Brigaden, die etwa 20 000 Mann stark sein sollen, sind der militärische Flügel der im Gaza-Streifen regierenden islamistischen Hamas unter Ismail Haniyeh. Israel habe die Blockade nicht beendet und die Grenzübergänge nicht geöffnet.

Die Brigaden warnen Israel: «Jede Aggression gegen den Gaza-Streifen oder jedes neue Verbrechen wird eine Konfrontation grossen Ausmasses auslösen und wir werden sehr hart zurückschlagen.» Schon seit Anfang November haben palästinensische Extremisten aber immer wieder selbstgebastelte Raketen auf israelisches Territorium geschossen, insbesondere auf die Stadt Sderot. Allein am vergangenen Mittwoch wurden 24 Raketen Richtung Sderot und Ashkelon gefeuert.

Ein Vertreter des politischen Flügels der Hamas signalisierte jedoch Kompromissbereitschaft. Sollte Israel ein neues Angebot auf den Tisch legen, werde Hamas dieses studieren.

Einbezug des Westjordanlands?

Israel hatte vor sechs Monaten der Waffenruhe im Gaza-Streifen zugestimmt, gleichzeitig aber die militärischen Operationen gegen extremistische Palästinenser im Westjordanland fortgesetzt. Die Hamas-Führung im Gaza-Streifen knüpft nun eine neue Waffenruhe an die Bedingung, dass fortan auch das Westjordanland einbezogen werde, was Israel jedoch ablehnt.

Denn mit einer Einigung zwischen Israel und der Hamas, die das Westjordanland umfasste, würde Israel Palästinenserpräsident Abbas in den Rücken fallen. Die israelische Armee und die Sicherheitskräfte von Abbas' Palästinensischer Autonomiebehörde arbeiten seit Monaten Hand in Hand im Kampf gegen islamische Extremisten, aus Sorge, dass die Hamas auch im Westjordanland gewaltsam die Kontrolle übernehmen könnte.

Gilad Shalit weiter festgehalten

Nach Ansicht des israelischen Transportministers Shaul Mofaz, ehemals Stabschef, hätte sich Israel ohnehin nicht auf eine Waffenruhe einlassen sollen, bevor die Hamas den gefangengehaltenen israelischen Soldaten Gilad Shalit nicht freilässt.

In Israel verstärkt sich nun der Eindruck, dass die Hamas Shalit vorerst behalten will: Denn solange sich dieser in ihrer Hand befindet, wird es kaum zu einer militärischen Grossoffensive im Gaza-Streifen kommen. (afp/S.K.)