Islamkritik und wenig Sachlichkeit

Die deutsche Feministin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift «Emma» fordert Nulltoleranz gegen frauenfeindliche Flüchtlinge. Nach einem Artikel auf «Emma.de» sieht sie sich harscher Kritik ausgesetzt.

Walter Brehm
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Alice Schwarzer Publizistin und Feministin (Bild: tb)

Alice Schwarzer Publizistin und Feministin (Bild: tb)

Wer sich aus dem Fenster lehnt, riskiert harte Kritik. Auch in einer gefestigten Demokratie – und auch von Stimmen, die für sich in Anspruch nehmen, für Toleranz und Dialog zu stehen.

Flüchtlinge, Islam und Gleichstellung sind Themen, die derzeit nicht nur in Deutschland mit heissem Herz und oft wenig Sachlichkeit debattiert werden.

Scharfe Töne Schwarzers

Es ist eine scharfe Mahnung, die Alice Schwarzer formuliert. Es geht um den Schutz von Flüchtlingsfrauen und -kindern, auch vor den eigenen Männern und Vätern. «Viele der überwiegend jungen Männer, die da jetzt zu uns kommen, sind bisher noch nicht einmal von einem Hauch Gleichberechtigung gestreift worden», schreibt die Frauenrechtlerin. «Sie kommen aus Kulturen wie dem Islam. Sie sind überwiegend Araber, bei denen es, unabhängig vom Glauben, schlecht bestellt ist um Frauenrechte.» Ihre Bedenken untermalt Schwarzer mit einem Forderungskatalog.

Für allein reisende Frauen müssten getrennte Unterkünfte und im Asylverfahren weibliche Dolmetscher zur Verfügung stehen. Männliche Flüchtlinge hätten kein Recht, in der Flüchtlingshilfe Frauen abzulehnen. Sprach- und Aufklärungskurse müssten mit der «Akzeptanz aller von der normativen Heterosexualität abweichenden sexuellen Identitäten» gekoppelt werden. Zu Übergriffen auf Frauen und Kinder heisst es: «Es stellt sich die Frage, ob solche Verstösse auch ein Grund für die Ablehnung des Asylgesuchs sein können.»

Geteiltes Medienecho

Die Österreichische Zeitung «Die Presse» berichtet im Nachrichtenstil: «Schwarzer fordert, <Keine Toleranz für Frauenfeindlichkeit unter Flüchtlingen>.» Das deutsche «Handelsblatt» wird ungleich polemischer: «Pegida bekommt prominente Unterstützung: Alice Schwarzer teilt <das berechtigte Unbehagen> der Anti-Islam-Bewegung.» Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» mahnt zur Differenzierung: «Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und strikte Trennung von Staat und Religion – alles keine fortschrittlichen Positionen?»

In der Sache kein Aufreger

In der Sache ist die Aufregung nicht zu verstehen. Schwarzer fordert, Flüchtlinge müssten westliche (deutsche) Wertesysteme akzeptieren, wenn sie Asyl fordern. So weit so gut und ohne Abstriche richtig. Sie benennt eine Aufgabe, die auch zum Wohle der Flüchtlinge gemeistert werden muss.

Pegida und die «Lügenpresse»

Ganz unschuldig an der massiven Kritik ist Alice Schwarzer aber nicht. Sie selber begründet ihre «offene Haltung» gegenüber der Pegida alleine damit, dass laut einer Umfrage 49 Prozent der deutschen Bevölkerung «voll und ganz» oder «eher» hinter den Pegida-Protesten stünden. Als wäre dies eine Legitimation gegen das «Flüchtlingspack» zu hetzen. Schwarzer vergisst, dass Pegida nicht nur islamkritische Positionen vertritt. Gleichstellung aller sexuellen Identitäten waren erst am vergangenen Montag von Rednern in Leipzig als «Verschwulung Deutschlands» gegeisselt worden. Dazu schweigt Schwarzer.

Solch taktisches Schreiben nennt die Pegida üblicherweise «Lügenpresse». Aber das ist auch nur ein Begriff aus dem Nazi-Vokabular.