Milliarden, Finanzkrise und Tanz auf dem Vulkan

HEIDEN. Ausserrhoden hat wieder eine Landsgemeinde, eine kleine, kulturelle: An der kleinen Kulturlandsgemeinde kKL09 am 2. und 3.Mai in Heiden dreht sich alles um Millionen, Milliarden, die Finanzkrise und den Tanz auf dem Vulkan.

Drucken
Peter Sloterdijk. (Archivbild: Keystone)

Peter Sloterdijk. (Archivbild: Keystone)

Vorträge, Debatten, Workshops, Kunstaktionen und Filme bietet die kKL. Den Hauptvortrag hält der Philosoph Peter Sloterdijk. Weitere Referenten sind der emeritierte HSG-Professor Hans Christoph Binswanger, die Basler Grundeinkommen-Aktivisten Daniel Häne und Enno Schmidt und die Zürcher Ökonomin und Dozentin für gewaltfreie Kommunikation Suna Yamaner.

Unkonventionell
Es ist die fünfte kKL, die dieses Jahr in Heiden stattfindet. An Stelle der 1997 abgeschafften politischen Landsgemeinde haben die Kulturschaffenden Karin Bucher und Peter Surber 2005 die erste kKL am Landsgemeindeort Trogen organisiert. Erstmals ist die kKL in diesem Jahr eine gemeinsame Veranstaltung des Kantons und der Ausserrhodischen Kulturstiftung.

Die Kulturlandsgemeinde beschäftigt sich jeweils mit einer aktuellen kulturpolitischen Frage. 2009 sind es Themen rund ums Geld, allerdings mit einem weiten Fokus und völlig unkonventionell. Verhandelt werden ökonomische Alternativen, wie die Frage eines Grundeinkommens für alle oder weibliche Perspektiven einer künftigen Wirtschaft.

Die Magie des Geldes
Zum andern soll die Natur des Gelds erforscht werden, seine Magie, seine Unfassbarkeit, seine psychologische Macht. Die Workshops werden begleitet durch die Autorin Ruth Schweikert, den Zeichner Beni Bischof, den Filmer Thomas Karrer und den Musiker Enrico Lenzin.

Die Kulturlandsgemeinde habe sich derart gut eingespielt, dass der Kanton nicht noch einen Anlass neu erfinden, sondern sich hier einklinken wollte, sagt die Leiterin des Ausserrhoder Amts für Kultur, Margrit Bürer, auf Anfrage. Im Regierungsprogramm ist ein Anlass mit grosser Ausstrahlung vorgesehen.

Kultur ist ein Mittel, um auf den Kanton aufmerksam zu machen. Sie gehört mit zur Standortqualität. Ausserrhoden hat ein reiches Kulturleben.

Die Kulturlandsgemeinde sei dafür ideal, so Bürer: Sie hat ein Format, das nicht auf eine einzige Sparte fixiert ist; sie ist wandelbar und lässt Vieles zu. Erstmals findet die kKL dieses Jahr an zwei Tagen statt. Die Idee war, die kKL zu verändern, jedes Jahr etwas Neues auszuprobieren. In grösserer, definitiver Form wird sie sich 2011 präsentieren, sagt Margrit Bürer.

Führender Querdenker
Der Aufhänger der diesjährigen kKL ist die Finanzkrise aus kultureller Sicht: Was sind die Milliarden, mit denen jeder jongliert und keiner mehr kapiert? Zugpferd ist der Philosoph und Rektor der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Peter Sloterdijk. Er ist einer der führenden Querdenker der Gegenwart und Autor zahlreicher Bücher. Sein jüngstes Werk heisst «Du muss dein Leben ändern».

Dabei wollen die Teilnehmenden etwas an den Landsgemeinde-Gedanken herankommen: debattieren, zusammen sein. Schliesslich wird eine Sendschrift verabschiedet, eine Art Manifest, eine Verlautbarung, in der die Gedanken und Schlussfolgerungen der Kulturlandsgemeinde zusammengefasst werden. Die Kulturlandsgemeinde ist frei zugänglich und kostenlos. (sda)

Aktuelle Nachrichten