NACKTWANDERER: Freispruch für den Nacktwanderer

TROGEN. Das Appenzell Ausserrhoder Kantonsgericht hat einen 47-jährigen Nacktwanderer freigesprochen. Gemäss Urteil vom Freitag sieht das Gericht den Tatbestand des «unanständigen Benehmens» nicht erfüllt.

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Ein Nacktwanderer wurde freigesprochen. (Archivbild: zVg.)

Ein Nacktwanderer wurde freigesprochen. (Archivbild: zVg.)

Die Verfahrenskosten von rund 2000 Franken gehen zu Lasten der Staatskasse. Der Artikel des kantonalen Strafrechts, der «unanständiges Benehmen» unter Strafe stellt, sei auf den konkreten Sachverhalt nicht anwendbar, lautet die Begründung.

Die Gesetzgebungskompetenz für Delikte gegen die sexuelle Integrität liege ausschliesslich beim Bund, heisst es im Urteil.

Im Fall des Nacktwanderns soll die Verletzung der Sitten in der Entblössung der Geschlechtsteile liegen. Genau in dieser Hinsicht solle der Strafrichter aber laut Botschaft zum neuen Sexualstrafrecht nicht mehr tätig werden.

Es bestehe kein Spielraum des Kantons zur Gesetzgebung auf diesem Gebiet. Deshalb sei das Verbot «unanständigen Benehmens» nicht auf Nacktwandern anwendbar, heisst es im erstinstanzlichen Urteil.

Damit ist die Einzelrichterin weitgehend der Argumentation des Vertreters des Nacktwanderers vor Schranken gefolgt: Puistola Grottenpösch, der passionierte Schweizer Nacktwanderer, der auch bei Kurt Aeschbacher auftrat, hatte am Donnerstag vor Gericht argumentiert, das Strafrecht sei kein Moralkodex.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob der Ausserrhoder Staatsanwalt den Fall ans Obergericht weiterzieht, ist ungewiss.

Dies hänge von der Begründung ab, sagte der Staatsanwalt Christian Bötschi.

Auf alle Fälle sei dies ein Einzelfall-Urteil. Es bedeute keineswegs einen Freipass für Nacktwandern in Ausserrhoden. Der Kanton dürfe kein Mekka für Leute werden, die «bare Födle» hier herumlaufen wollten, sagte Bötschi.

Nacktwandern an abgelegenen Orten, im Wald und abseits viel begangener Wanderwege sei nicht strafbar. Der Mann, der als erster Nacktwanderer vor Gericht stand, ging aber auf einem Wanderweg an einer Feuerstelle und an einem christlichen Rehabilitationszentrum vorbei. Eine Frau, die hinter ihm herging, zeigte ihn an. (sda)