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Höchste Malerin und Gipserin kommt aus Schneisingen – in die Branche kam sie zufällig

Silvia Fleury ist zur Direktorin des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmerverbandes gewählt worden.

Daniel Weissenbrunner
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 Silvia Fleury aus Schneisingen setzt sich für die Gipserinnen und Gisper an vordester Front ein.

Silvia Fleury aus Schneisingen setzt sich für die Gipserinnen und Gisper an vordester Front ein.

Zvg / Aargauer Zeitung

Seit dem 1. Februar ist Silvia Fleury Direktorin des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands SMGV. Die Schneisingerin vertritt künftig an vorderster Front die Berufsinteressen von schweizweit rund 1900 Mitgliedsfirmen mit knapp 10'000 Angestellten, heisst es in einer Mitteilung.

In der neuen Funktion sei es ihr wichtig, Tradition und Moderne zu vereinen: Fleury will weiterhin die althergebrachte Handwerkskunst der beiden vielseitigen Berufe fördern, aber auch die Digitalisierung vorantreiben.

Die 54-Jährige ist im Lengnauer Weiler Degermoos aufgewachsen. Nach einem USA-Aufenthalt von 1989 bis Ende der 1990er-Jahre ist sie mit ihrer Familie nach Schneisingen gezogen und seither dort wohnhaft. Fleury hat eine Lehre als Apothekenhelferin – heute Pharmaassistentin – absolviert.

«Danach wurde ich sehr früh Mutter und habe, als die Kinder in den Kindergarten gingen, die Erwachsenenmatur nachgeholt.» Danach studierte sie Betriebspädagogik mit Schwerpunkt Verwaltung, sie war in einem Reisebüro tätig und bei der Stadt Baden im Bereich Einbürgerungen. Ausserdem hat sie den Bachelor in Recht gemacht und ist derzeit am Master.

Fokus auf Frauenförderung und Familienvereinbarkeit

In die nach wie vor männerdominierte Maler- und Gipserbranche ist sie zufällig gekommen. «Ich habe mich auf ein Stelleninserat beworben. Da ich mit fünf Brüdern aufgewachsen bin, ist mir die Männerwelt nicht fremd und ich habe diesbezüglich keine Hemmschwellen», sagt Silvia Fleury.

Ohnehin habe sich das Berufsbild stark gewandelt. «Über 45 Prozent derjenigen, die die Lehre abschliessen, sind inzwischen weiblich. «Tendenz steigend», so die neue Direktorin. Ein Ziel des Verbandes sei deshalb die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, um die vielen ausgebildeten Frauen langfristig im Beruf zu halten.

Die Branche fasziniere sie, weil die Kreativität des Maler- und des Gipserberufs sehr gross sei. «Das bietet zusammen mit anderen Faktoren beste Chancen für die Zukunft – das Handwerk hat aus meiner Sicht weiterhin den sprichwörtlichen goldenen Boden.» Die einzelnen Handwerkerinnen und Handwerker würden dabei an Wichtigkeit gewinnen, denn gute Fachkräfte seien gesucht.

In ihrer neuen Aufgabe will sie vor allem auf Kontinuität setzen: «Der Verband befindet sich auf einem guten Weg. Ich werde weiterführen, was sich bewährt hat», erklärt Fleury. «Aber selbstverständlich ist die Branche auch mit Herausforderungen konfrontiert, die wir gemeinsam mit den Regionalverbänden, mit unseren Mitgliedern und mit allen an der Branche Interessierten anpacken werden.»

Auf die Digitalisierung will Fleury in den nächsten Jahren ein besonderes Augenmerk richten: «Handwerk und Digitalisierung schliessen sich dabei nicht aus, im Gegenteil.» Es gebe genügend Beispiele, die zeigten, dass der Spagat zwischen Tradition und Moderne möglich ist und dass zielgerichtet eingesetzte digitale Hilfsmittel auch Handwerksberufe und -betriebe stärken und voranbringen können.

Innerhalb des Verbands und der Branche ist Silvia Fleury bestens bekannt und vernetzt. Als Bereichsleiterin der Zentralen Dienste hat sie während 13 Jahren die gesamte Verbandsadministration verantwortet und kennt den SMGV von Grund auf. Auch in Schneisingen nimmt die zweifache Mutter aktiv am Dorfleben teil. Fleury engagierte sich in diversen Vereinen und Kommissionen.