Zurzibiet
Baldingen und Böbikon gehören laut Studie zu den günstigsten Gemeinden im Kanton – was die Ammänner dazu sagen

Gleich sieben Zurzibieter Gemeinden gehören laut einer neuen Studie zu den finanziell attraktivsten im ganzen Kanton. Die beiden Nachbardörfer Baldingen und Böbikon stehen gar auf dem Podest. Das sind die Gründe.

Stefanie Garcia Lainez und Stefan Trachsel
Drucken
Teilen
Wohnen im Grünen wie hier in Baldingen lohnt sich gemäss einer CS-Studie auch finanziell.

Wohnen im Grünen wie hier in Baldingen lohnt sich gemäss einer CS-Studie auch finanziell.

Sandra Ardizzone

Vom Einkommen bleibt in Baldingen fast am meisten übrig. Das zeigt eine neue Studie der Credit Suisse. Von den 210 Aargauer Gemeinden ist das Dorf im Studenland das zweitgünstigste zum Leben – hinter der Freiämter Gemeinde Geltwil und dicht gefolgt vom Nachbardorf Böbikon. Schweizweit liegen die beiden Zurzibieter Dörfer auf Platz 55 respektive 58. Die Wohnkosten sind gering, die Belastung durch Fixkosten und obligatorische Abgaben tief.

Die Ökonomen der Credit Suisse haben für jeweils über 120'000 Beispielhaushalte in jeder Gemeinde der Schweiz das frei verfügbare Einkommen berechnet. Sowohl für Singles als auch Ehepaare mit oder ohne Kinder sind das 266 Einwohner zählende Dorf Baldingen und Böbikon mit 166 Einwohnern finanziell attraktiv. Bei allen wird angenommen, dass die Einwohner mit dem ÖV ins nächste Grosszentrum nach Zürich zur Arbeit pendeln und dass sie ihre Kinder, falls sie welche haben, nicht fremdbetreuen lassen.

Ein Beispiel: Herr und Frau Müller wohnen mit zwei Kindern in Baldingen in der eigenen Wohnung, verdienen 110'000 Franken und verfügen über ein Vermögen von 200'000 Franken. Dieser Modellhaushalt hat in der Berechnung nach Abzug der Ausgaben wie Steuern, Wohnkosten, Krankenkasse und Stromkosten 58'400 Franken als frei verfügbares Einkommen übrig. Das entspricht 53,1 Prozent des Erwerbseinkommens und liegt über dem Schnitt der Gemeinden im Kanton (51 Prozent).

In Böbikon bleiben sogar 59'600 Franken oder 54,2 Prozent übrig. Nur Geltwil im Bezirk Muri ist günstiger.

Baldingen und Böbikon haben kaum Mietwohnungen

Der Baldinger Gemeindeammann René Meier sieht vor allem zwei Gründe für das gute Abschneiden seines Dorfes. Zum einen den vergleichsweise tiefe Steuerfuss von 107 Prozent. Mit der Fusion Baldingens mit Böbikon und sechs weiteren Gemeinden zur Grossgemeinde Zurzach erhöht sich dieser aber ab 2022 auf 115 Prozent.

René Meier, Gemeindeammann von Baldingen.

René Meier, Gemeindeammann von Baldingen.

Sandra Ardizzone

«Ein weiterer Grund ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass die Bewohner von Baldingen beinahe ausschliesslich im Eigenheim wohnen», sagt René Meier. «Mietwohnungen sind nur sehr wenige vorhanden. Daher sind die Fixkosten eher günstig.»

Eigentlich wäre dies ein grosser Standortvorteil, der vermarktet werden könnte. «Leider fehlen jedoch wie erwähnt Wohnungen oder auch verfügbares Bauland.»

Wer im Grünen wie in Böbikon lebt, ist auf das Auto angewiesen

Ähnlich tönt es in Böbikon. Auch hier gibt es nur wenige Mietwohnungen. «Einige Böbikerinnen und Böbiker wohnen zudem im Elternhaus», sagt Ammann Adrian Thoma. Kosten wie Wasser, Strom, Abfall oder der Steuerfuss von 112 Prozent würden sich im ähnlichen Rahmen befinden wie bei den umliegenden Dörfern.

Adrian Thoma, Gemeindeammann Böbikon.

Adrian Thoma, Gemeindeammann Böbikon.

Severin Bigler

Zwar freut ihn das gute Resultat. Adrian Thoma sagt aber: «Der Haken ist: Wer in Böbikon wohnt, ist auf das Auto angewiesen.» Zum Vergleich: Pendler sparen mit dem Auto täglich rund eine Stunde auf dem Weg nach Zürich. «Unter dem Strich gleicht sich das vermutlich wieder aus.» Dafür habe das Dorf mit seiner ruhigen Lage im Grünen andere Pluspunkte.

Bezirk Baden ist im Vergleich teuer

Unter den zwanzig günstigsten Aargauer Gemeinden befinden sich gleich sieben Zurzibieter Gemeinden: Nebst Baldingen und Böbikon sind auch Rümikon (Platz 5), Wislikofen (Platz 12) und Rietheim (Platz 17), die sich mit Bad Zurzach (Platz 144) und Kaiserstuhl (Platz 149) per 1. Januar 2022 zusammenschliessen. Finanziell attraktiv sind auch Koblenz auf Rang 15 und Mellikon auf Rang 20.

Dafür lebt es sich im Bezirk Baden vergleichsweise teuer. In Ennetbaden, der teuersten Gemeinde im Kanton, bliebe Familie Müller mit ihren beiden Kindern noch 46'100 Franken. Also über 13'500 Franken weniger als in Böbikon und 120'00 Franken weniger als in Baldingen .

Aktuelle Nachrichten