Villigen
Zuerst viel Schnee, dann viel Regen: Skispass am Rotberg weggespült

Rekordbesucherzahl am Mittwoch, leere Pisten am Samstag: Präsentierten sich der Skihang auf dem Rotberg letzte Woche noch in hervorragendem Zustand, hat der Regen jetzt alles weggespült – auch das Nachtskifahren ist sprichwörtlich ins Wasser gefallen

Angelo Zambelli (Text und Fotos)
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Perfekte Schneesportverhältnisse am Mittwoch, 31. Dezember.
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Nur wenige Tage später zeigt sich ein trostloses Bild.
Mit Skifahren ist nicht mehr viel.
Zuerst viel Schnee, dann viel Regen: Skispass am Rotberg weggespült
Fahren, wo es noch geht...
So schön war es an Silvester.

Perfekte Schneesportverhältnisse am Mittwoch, 31. Dezember.

Angelo Zambelli

Samstag, 3, Januar, 13.50 Uhr: Der Rotberg zwischen Villigen und Mandach ist in Nebel gehüllt. Es regnet in Strömen, von Schneesport kann keine Rede sein. Der Regen hat Piste weggeschwemmt. Die einzigen, die sich im Pflotsch amüsieren sind Atnan (12) und Ensar (8) aus Windisch. Zusammen mit ihrem Grossvater sind sie an den Rotberg gefahren, um mit den Schlitten die Hänge hinunter zu sausen. Vom Dauerregen lassen sie sich nicht beeindrucken. Mit bewundernswerter Ausdauer ziehen sie ihre Schlitten den Berg hoch und veranstalten danach ein kleines Rennen. Das Lachen bei einem Sieg oder nach einem Sturz des «Gegners» ist das einzige Lebenszeichen weit und breit. Von Skifahrern und Snowboardern keine Spur; ans angekündigte Nachtskifahren ist nicht zu denken.

Drei Tage zuvor war das noch völlig anders gewesen: «Wunderschönes Wetter und hervorragende Pistenverhältnisse lockten rund 1000 Schneesportbegeisterte an den Rotberg», schildert Roger Meier aus Villigen die Situation vom Mittwochnachmittag. Am Lift – einem «Handschuhfresser» – bildeten sich Schlangen, auf der Piste war einiges los. Auch der Donnerstag brachte den Betreibern des Skilifts am Rotberg noch rund 600 Besucher. Doch dann kam der Wärmeeinbruch, und mit ihm das vorläufige Ende der Skisaison.

Betrieben wird der Skilift am Rotberg von Idealisten, für die der Spass am Wintersport im Vordergrund steht. Vor 10 Jahren haben sie sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Familien den Schneesport im Unterland zu ermöglichen. «Wir sind das kleineste und günstigste Skigebiet der Schweiz», sagt Roger Meier, Initiant und Tätschmeister des Skilifts am Rotberg. Die Benützung der mit einem Diesel-Notstrom-Aggregat betriebenen Anlage ist kostenlos. Das ist nur möglich, weil die Vereinigung auf eine erstaunliche Anzahl Gönner und Sponsoren zählen kann und weil die Gruppe um Roger Meier unentgeltlich arbeitet. Zu bezahlen sind der Unterhalt und die technische Abnahme des Lifts, die Versorgung der Anlage mit Diesel und Strom sowie die Materialtransporte. Dass die Herrlichkeit nach wenigen Tagen schon wieder vorbei ist, bringt Roger Meier nicht aus der Fassung: «Als wir vor 10 Jahren die Anlage von Davos übernahmen, wussten wir, dass wir nur eine kurze Saison haben – wenn überhaupt.»

Der Rotberg liege eben im Flachland und nicht im Gebirge, scherzt der Inhaber einer Motorrad-Reparaturwerkstatt und langjährige Organisator des Villiger Moto-Cross. Das beste Jahr war 2012. Damals konnte der Lift 19 Tage betrieben werden. Letztes Jahr lief er einen einzigen Tag.

Jetzt heisst es warten, bis der nächste Schnee fällt und die Hänge wieder präpariert werden können. Dann können Familien und Kinder im «kleinsten und günstigsten Skigebiet der Schweiz» am Mittwochnachmittag sowie am Samstag- und am Sonntagnachmittag wieder dem Schneesport frönen.

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