Ruhender Pol in Klingnaus Beizenwelt

Gastwirt Stefano Picone ist 76 Jahre alt und will endlich kürzertreten. Deshalb übergibt er das Lokal jetzt seinen Kindern.

Louis Probst (Text und Bild)
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76 Jahre und ein bisschen müde: Stefano Picone prägte die Klingnauer Restaurantszene während Jahrzehnten. Jetzt ist Schluss.

76 Jahre und ein bisschen müde: Stefano Picone prägte die Klingnauer Restaurantszene während Jahrzehnten. Jetzt ist Schluss.

«Das war schon sehr speziell», sagt Stefano Picone vom Hotel-Pizzeria Picone’s in Klingnau zu seinem Anfang im Gastgewerbe. «Ich habe damals im Obergeschoss des ‹Elephanten› in Klingnau begonnen, Pizze zu machen.» Vor einigen Jahrzehnten, hatte sich im «Elephanten» – schräg gegenüber vom heutigen «Picone’s» – auch das Lokal der Anfe, der Associazione Nazionale Famiglie Emigrati, befunden. Einer weltweiten Organisation, die 1947 zur Unterstützung italienischer Familien im Ausland gegründet worden war, und die auch im Aargau ihre Sektionen hatte.

«Im Lokal wurde natürlich auch die Geselligkeit unter den italienischen Landsleuten gepflegt», erklärt Stefano Picone, der in Sizilien geboren, im Piemont aufgewachsen und 1965 in die Schweiz gekommen ist. «Ich habe damals bei der Stahlbaufirma Zschokke-Wartmann in Döttingen gearbeitet. Im Anfe-Lokal hat man mich aufgefordert: Mach doch Pizze. Und so habe ich dort jeweils an den Wochenenden Pizze gebacken.»

Vom Stahlarbeiter zum Pizzaiolo

Trotzdem arbeitete Picone während der Woche weiterhin im Stahlbau – bis zur Schliessung des Betriebes. «Ich habe während 25 Jahren bei dieser Firma gearbeitet», sagt er. «Wenn Zschokke-Wartmann nicht aufgehört hätte zu existieren, wäre ich geblieben.» Angesichts des Verlustes seines Arbeitsplatzes entschloss sich Stefano Picone zu einem radikalen Berufswechsel. Er machte seine Wochenendbeschäftigung zum Haupterwerb und übernahm pachtweise das inzwischen längst geschlossene Restaurant Sommerau in Klingnau. Nach zweieinhalb Jahren wechselte er als Pächter ins Restaurant Fischerstube in Döttingen, das er in der Folge während acht Jahren führte.

1998 bot sich ihm die Gelegenheit, das damalige Hotel Vogel an zentraler Lage mitten im Städtchen Klingnau zu erwerben. Das Gasthaus, das 1885 von Franz Xaver Vogel erbaut wurde, eine «wechselvolle Geschichte» hinter sich. «Der Kauf des Hotels hat Mut gebraucht», sagt Picone. «Alles war alt und musste erneuert werden. Aber ich hatte Freude am Wirten bekommen, sonst hätte ich das nicht gemacht.» Später erwarb Stefano Picone auch das Restaurant «Zum scharfen Eck» in Klingnau. Inzwischen ist aus diesem Restaurant ein Wohnhaus geworden.

Im Lauf der Jahre hat sich das Hotel-Pizzeria Picone’s über das Städtchen Klingnau hinaus einen Namen geschaffen. Und in der Klingnauer «Wirtschaftslandschaft» – mit ihren zahlreichen Schliessungen und Wiedereröffnungen – bildet es gewissermassen so etwas wie den ruhenden Pol.

Am bewährten Konzept wird festgehalten

«Ich darf sagen, dass wir nie Probleme gehabt haben», sagt Stefano Picone im Rückblick auf die vergangenen mehr als zwei Jahrzehnte. «Unser Familienbetrieb ist stets tipptopp gelaufen – bis auf dieses Jahr mit dem Corona-Lockdown. Wir hatten zwei Monate geschlossen. Inzwischen hat es jedoch wieder gut begonnen. Hoffen wir, dass es so bleiben wird.»

Demnächst will Picone kürzertreten. Zu Beginn des neuen Jahres will er den Betrieb altershalber an seine Kinder Sandra, Michael und Settimo übergeben. «Ich bin jetzt 76», sagt er. «Der Betrieb wird weitergeführt wie bisher. Das Konzept hat sich bewährt.»

Er habe zwar keine teuren Hobbys, stellt er fest. «Dafür hatte ich aber bisher auch gar keine Zeit. Wir sind sieben Tage die Woche im Betrieb.» (Und das an 362 Tagen im Jahr, wie das Schild beim Eingang verrät.) «Ich glaube jedoch nicht, dass mir langweilig werden könnte. Natürlich werde ich auch noch im Betrieb anzutreffen sein. Ich höre nicht auf. Ich werde immer noch da sein.» Und auf die Frage, ob er nochmals ins Gastgewerbe einsteigen würde, meint er ohne zu zögern: «Ich würde mich wieder so entscheiden.»

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