Böttstein
Refuna-Geschäftsführer: «Der Güselsack ist ein Energieträger»

Mit der absehbaren Stilllegung der Atomkraftwerke in Beznau versiegt die Energiequelle der Refuna AG.

Luis Probst
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Alex Spichale

«Die Refuna ist dringend auf die Unterstützung der Region angewiesen», betonte Refuna-Geschäftsführer Kurt Hostettler am Anlass «Energiewende – Erneuerbare Energiequellen für die Refuna» der Arbeitsgruppe Energie von Zurzibiet Regio. Ebenso dringend ist die Refuna AG auf neue Energiequellen angewiesen. Denn mit der absehbaren Stilllegung der Atommeiler in der Beznau wird die Energiequelle des Fernwärmenetzes versiegen, das heute in elf Gemeinden rund 2600 Kunden versorgt. Einen kleinen Vorgeschmack gabs bereits. «2015 ist erstmals das eingetreten, wovor wir stets Respekt hatten», so Kurt Hostettler. «Wir mussten von August bis Dezember mit Öl heizen.»

Holz und Kehricht statt Atomkraft

«Klar ist, dass wir künftig mit verschiedenen Energieträgern werden arbeiten müssen», stellte Hostettler zum Szenario für die post-atomare Zeit fest. «Als Wärmequelle mit regionaler Wertschöpfung bieten sich Holz und Kehricht an. Der Güselsack ist ein Energieträger. Wenn wir eine Lösung anstreben, die sich innerhalb von vier bis fünf Jahren umsetzen lässt, ist es die Zusammenarbeit mit der Kehrichtverbrennungsanlage KVA Turgi.» Statt die Wärme zu verstromen, könnte die KVA rund 22 Megawatt Heizenergie an die Refuna liefern. «Wir arbeiten an einem Projekt für eine Transportleitung von der KVA zum Refuna-Netz.»

Jede Gemeinde hat ein Energie-Ressort

Im Vorfeld der Referate zur Zukunft von Refuna informierten Marcel Elsässer und Markus von Allmen von der Arbeitsgruppe Energie von Zurzibiet Regio über die Umfrage zum Thema «Energie in den Zurzibieter Gemeinden». Die Umfrage zeigte auf, dass in allen 25 Gemeinden ein Ressort Energie bestimmt ist und in zehn Gemeinden eine Energiekommission oder eine Arbeitsgruppe Energie besteht. Vier Gemeinden wünschen Unterstützung beim Aufbau eines entsprechenden Gremiums. Ihnen sollen jetzt Beratungsteams zur Seite stehen. (lp)

Der Rest des Energiebedarfs, so das Szenario des Refuna-Geschäftsleiters, könnte durch ein Holz-Heizkraftwerk gedeckt werden. Dieses Heizwerk würde jährlich rund 80 000 Schütt-Kubikmeter Holz benötigen. Kurt Hostettler: «Förster sagen, dass es genug Holz gibt. Wichtig ist, einen Platz für ein Holzheizkraftwerk zu finden.» Der Spitzenbedarf schliesslich, so das Szenario, würde durch die bestehenden vier Reserveheizkraftwerke fossil gedeckt.

KVA im unteren Aaretal?

Aus dem Projekt EVA (Effiziente Verwertung von Abfall) der KVAs Buchs, Turgi und Limeco (Dietikon) ergeben sich allerdings gewisse Unsicherheiten für den Einsatz von Wärme aus der KVA Turgi. «Bei der Variante Stilllegung der KVAs Turgi und Limeco sowie Neubau einer KVA an einem neuen Standort hätten die Fernwärmenetze Refuna und Fernwärme Siggenthal ein Problem», so Kurt Hostettler. «Wenn wir es aber schaffen, eine neue KVA mit einer Kapazität von 200 000 Jahrestonnen im Unteren Aaretal zu bauen, ist das Problem gelöst. Die Frage ist bloss: Will man das?» Mitte des nächsten Jahres soll der Entscheid über das Projekt EVA vorliegen.

Bioenergie und Geothermie

Wärme für die Refuna könnte aber auch das Bioenergiewerk leisten, das die Energiedienst Holding AG (Hauptaktionär EnBW Energie Baden-Württemberg AG) und die EDF Trading Switzerland AG im Gebäude des ehemaligen Gasturbinenkraftwerks der Axpo in Döttingen planen. «Das Projekt ist baureif», erklärte Peter Hemmig der EDF Trading Switzerland AG. Vorgesehen sind Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen (WKK) mit einer Feuerungsleistung von zwanzig Megawatt, die mit flüssiger Biomasse betrieben werden und gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen.

Eher wenig Hoffnung machte Roland Wyss von Geothermie Schweiz. «Zwar könnte ein Geothermiewerk mit einer Leistung von 15 Megawatt rund 60 Prozent des Wärmebedarfs der Refuna decken», sagte er. «Der Weg ist aber lang und der Ausgang unsicher.»

«Wir dürfen nicht hoffen, dass wir bis 2030 Wärme aus Beznau beziehen können», sagte Kurt Hostettler. «Wir müssen Szenarien aufbauen, damit wir einen Teil ersetzen können.» Und er ergänzt: «Die Zeit brennt. Ein erster Schritt in die Zukunft ist die Miete eines Holzheizwerks der Axpo.»

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