Nach kurioser Wahl: Jetzt ist das Ammann-Rennen wieder offen

Jede fünfte Stimme war bei der Ammann-Wahl in Klingnau ungültig. Der frisch gewählte Gemeinderat Oliver Brun verzichtet nun allerdings auf die Wahl als Ammann. Diese wird im Herbst wiederholt. Erst soll der fünfte Gemeinderat gewählt werden.

Nadja Rohner
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Reinhard Scherrer und Oliver Brun, die zur Ammann-Wahl antraten, vor der Klingnauer Propstei, dem Sitz der Verwaltung.

Reinhard Scherrer und Oliver Brun, die zur Ammann-Wahl antraten, vor der Klingnauer Propstei, dem Sitz der Verwaltung.

Philipp Zimmermann/ZVG

Die Ammann-Wahl von Klingnau wird noch einmal neu aufgerollt: Der neu gewählte Gemeinderat Oliver Brun verzichtet auf eine Kandidatur für den zweiten Ammann-Wahlgang vom 19. April.

Weil für den zweiten Wahlgang nur noch gewählte Gemeinderäte antreten könnten und die anderen Ratsmitglieder ebenfalls verzichten, wird es zu einem erneuten ersten Wahlgang kommen. Dies bestätigt Gemeindeschreiber Rolf Walker auf Anfrage der az.

Nachdem gestern die Anmeldefrist für den zweiten Wahlgang abgelaufen ist, werde jetzt zwar noch eine fünftägige Nachmeldefrist angesetzt – allerdings nur pro forma, so Walker.

Rückblick: Am 8. März haben die Klingnauer Reinhard Scherrer (CVP) zwar zum Ammann gewählt, Gegenkandidat Oliver Brun (parteilos) erreichte aber mehr Stimmen für den Gemeinderatssitz. Scherrer konnte also das Ammann-Amt nicht antreten, weil die Klingnauer ihn dazu auch in den Gemeinderat hätten wählen müssen.

Zu reden gegeben hatten im Städtli vor allem die fast 200 ungültigen Stimmzettel für die Ammann-Wahl. In mehreren Leserbriefen wurde gefordert, die Wahl sei zu wiederholen. Drei Klingnauer Stimmbürger aus dem Unterstützungskomitee von Reinhard Scherrer hatten gar eine Wahlbeschwerde bei der kantonalen Gemeindeabteilung eingereicht (die az berichtete).

Die Entscheidung, auf den zweiten Wahlgang zu verzichten, habe er von sich aus so gefällt, sagt Oliver Brun. «Aber natürlich habe ich mich zuvor mit meinen neuen Gemeinderatskollegen besprochen.»

Ammann-Wahl erst im Herbst?

Wie geht es nun weiter? Weil es zu einem erneuten ersten Wahlgang für den Ammann-Sitz kommt, ist auch Reinhard Scherrer wieder im Spiel. Denn bereits am 14. Juni soll die Ersatzwahl für den zurückgetretenen Vizeammann Stefan Zurbuchen stattfinden.

«Wir stellen nun aber bei der kantonalen Gemeindeabteilung den Antrag, den Vizeammann-Posten erst zu einem späteren Zeitpunkt besetzen zu können», sagt Gemeindeschreiber Rolf Walker. «Geplant ist, am 14. Juni zuerst den Gemeinderat zu komplettieren, aber noch keinen Ammann und keinen Vizeammann zu wählen.»

Das Städtli-Oberhaupt und sein Stellvertreter würden dann erst im Herbst aus dem neu zusammengesetzten Gemeinderat gewählt. Dies hätte zwar zur Folge, dass Klingnau ab Ende April, wenn Vize Zurbuchen abtritt, bis zur Wahl im September keinen offiziellen Ammann und Vizeammann hätte.

Das Sagen hätte während dieser Zeit der amtsälteste Gemeinderat, Felix Lang. Dafür wären aber das Wahlprozedere und das korrekte Ausfüllen der Stimmzettel für die Klingnauer Stimmbürger einfacher, wenn man erst den Gemeinderat komplettiert und nachher die beiden Ämter besetzt.

Zur Gemeinderatswahl im Juni kann jeder Klingnauer Stimmberechtigte antreten – versucht es auch Reinhard Scherrer noch einmal? Definitiv entschieden habe er sich noch nicht, sagt er. «Aber grundsätzlich ist die Bereitschaft und die Lust, Ammann zu werden, noch da.» Entschlossener klingt es bei Oliver Brun: «Zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass ich dann erneut als Ammann kandidieren werde», sagt er.

Brun hat seinen Verzicht auf den zweiten Wahlgang auch mit dem Unterstützungskomitee für Reinhard Scherrer abgesprochen, das letzte Woche eine «vorsorgliche Wahlbeschwerde» eingereicht hat. Man würde die Beschwerde wieder zurückziehen, sollte der Gemeinderat «eine vernünftige Lösung für weitere Wahlgänge» finden, sagte Scherrer-Unterstützer Walter Brunner letzte Woche.

Tatsächlich wurde die Wahlbeschwerde am Dienstagabend per E-Mail zurückgezogen. Martin Süess von der kantonalen Gemeindeabteilung bestätigt den Eingang. Allerdings reiche ein Mail nicht aus, die Beschwerdeführer müssten ihr Anliegen noch per Briefpost zurückziehen.

Lesen Sie den Kommentar dazu hier.