Militärmuseum Full
«Ich bin ein grosser Militärfan»: Panzerweekend zieht viel Volk an – einige davon in historischer Uniform

Kampffahrzeuge, Munition und Schützengräben: Das Militärmuseum Full hat am Wochenende zahlreiche Panzer der Schweizer Armee rund 5000 Besucherinnen und Besuchern präsentiert.

Stefanie Garcia Lainez
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Wegen des Ukraine-Krieges haben die Organisatoren nur Schweizer Panzer gezeigt.

Wegen des Ukraine-Krieges haben die Organisatoren nur Schweizer Panzer gezeigt.

Stefanie Garcia Lainez

In rasantem Tempo flitzt der Schützenpanzer M113 über die Piste. Während der Motor laut rattert, halten sich im Innern die Mitfahrenden – vier Erwachsene und drei Kinder – mit aller Kraft fest. Wer kann, streckt den Kopf aus dem Transportraum, um den Fahrtwind im Gesicht zu spüren:

Während der Panzer in voller Fahrt über einen Erdhügel hinauf- und dann wieder hinunterfährt, ruft ein Junge laut «juhui!» – als wäre er auf einer Achterbahn.

90 Minuten zuvor hat das Militärmuseum Full die Tore geöffnet – und damit das Panzerweekend offiziell gestartet. Wer aber denkt, am Samstag um 9 Uhr als einer der ersten das Gelände betreten zu können, muss sich eines Besseren belehren. Der Andrang ist so gross, dass bald die Autos mit Nummernschildern aus dem Aargau, Graubünden oder Deutschland auf den zweiten Parkplatz ausweichen müssen.

Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
28 Bilder
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Die IG RC Panzer Schweiz ist mit ihren ferngesteuerten Fahrzeugen vor Ort - gebaut aus Bausätzen, Eigenbauten anhand von Fotos und Plänen sowie Fertigmodelle.
Panzerweekend Full-Die IG RC Panzer Schweiz ist mit ihren ferngesteuerten Fahrzeugen vor Ort - gebaut aus Bausätzen, Eigenbauten anhand von Fotos und Plänen sowie Fertigmodelle.
Panzerweekend Full-Die IG RC Panzer Schweiz ist mit ihren ferngesteuerten Fahrzeugen vor Ort - gebaut aus Bausätzen, Eigenbauten anhand von Fotos und Plänen sowie Fertigmodelle.
Das sogenannte Reenactment ist ein wichtiger Teil des Panzerweekends.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Schützenpanzer M113 mit Passagieren.
Der Herr links trägt das Tenue eines Sanitäters aus der US Army im Zweiten Weltkrieg; sie trägt die Uniform der "Women's Army Corps" der US Army ebenfalls aus dem Zweiten Welkrieg; der Herr rechts trägt eine alte Uniform aus den 90ern eines Panzersappeurs der Schweizer Armee.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Schützenpanzer M113 mit Passagieren.
Blick aus dem Cockpit: Der Schützenpanzer rasselt mit Passagieren über die Piste.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Das "Mortar-Team" im Schützengraben, den ein Bagger ausgehoben hat.
Das "Mortar-Team" im Schützengraben, den ein Bagger ausgehoben hat.
Die Halle von oben.
Fieseler oder Codename Reichenberg.
Besucher bestaunen in der Halle des Museums die Fahrzeuge.
Jagdpanzer Mowag Gepard.
Leicher Geländelastwagen Bucher Duro I.
Aufklärungsfahrzeug Mowag Eagle III.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.
Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.

Impressionen Panzerweekend Full-Reuenthal.

Stefanie Garcia Lainez / Aargauer Zeitung

In den beiden Haupthallen bestaunen bereits zahlreiche Besucherinnen und Besucher Aufklärungsfahrzeuge, Panzer wie den «Gepard» oder den 68 Tonnen schweren «Königstiger» aus dem Zweiten Weltkrieg. Darunter ist auch ein Herr aus Zürich. «Ich interessiere mich für die Technik und die Geschichte», sagt der 67-Jährige. «Dazu gehören auch die Kriege wie der Zweite Weltkrieg – auch wenn diese zu den dunklen Kapiteln gehören.»

Kurz vor 10 Uhr: Der Panzerwagen 39 und der Panzerjäger G-13 – beides ehemalige Fahrzeuge der Schweizer Armee – rasseln an der ersten Vorführung über die Piste, während fachkundige Erklärungen aus den Lautsprechern ertönen.

Neben der Piste stehen Grosseltern aus Villigen mit ihren Enkeln an, um nach der Show eine Rundfahrt mit dem Schützenpanzer machen zu können. «So nah ran kann man sonst nie», sagt das Grosi, während der Grossvater ergänzt: «Es ist auch ein Stück Heimat.»

Den für die Fahrt nötigen Velohelm bereits montiert hat ein 7-jähriges Mädchen aus Erlinsbach. Mit ihrem Vater sitzt sie auf der Bank beim Eingang zur Piste. Sie hat Erfahrung, fährt sie doch in wenigen Minuten bereits das vierte Jahr in Folge mit einem Panzer mit. Ihre Tipps: «Den Kopf nicht anschlagen und sich gut festhalten.»

Schützengraben für einmal mit Bagger ausgehoben

Während die Schlange bei der Rundfahrt immer länger und die Kinder immer zappeliger werden, sitzen daneben vier Herren in historischer Militärkleidung im Schützengraben:

Der Reenactment-Gruppe geht es um die Darstellung der Geschichte.

Der Reenactment-Gruppe geht es um die Darstellung der Geschichte.

Stefanie Garcia Lainez

Mit Blick auf den rund fünf Meter langen Graben meint einer der sogenannten Reenactment-Gruppe lachend: «Das machen heute die Bagger.» Ein anderer meint:

«Es geht uns hier um die Aufrechterhaltung der Geschichte und die historische Darstellung – das ist kein Kriegsspiel.»

Ebenfalls in Uniform erschienen ist eine 20-jährige Frau aus Spiez: im Tenue eines Offiziers der «Women’s Army Corps» der US-Armee aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurde erst vor kurzem zum Wachtmeister ernannt und möchte gerne dem Berufsmilitär beitreten. «So jung führen zu dürfen ist spannend», sagt sie. Und ergänzt: «Ich bin ein grosser Militärfan und möchte mein Land unterstützen.»

Der Herr links trägt das Tenue eines Sanitäters aus der US Army im Zweiten Weltkrieg; die Frau ist in der Uniform der «Women's Army Corps» der US Army erschienen, ebenfalls aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Herr rechts hat seine alte Uniform aus den 90er-Jahren angezogen – ein Panzersappeur der Schweizer Armee.

Der Herr links trägt das Tenue eines Sanitäters aus der US Army im Zweiten Weltkrieg; die Frau ist in der Uniform der «Women's Army Corps» der US Army erschienen, ebenfalls aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Herr rechts hat seine alte Uniform aus den 90er-Jahren angezogen – ein Panzersappeur der Schweizer Armee.

Stefanie Garcia Lainez

Nach den Hochrechnungen vom Samstag rechnet Thomas Hug, Präsident des Militär- und Festungsmuseums Full-Reuenthal, mit rund 5000 Besucherinnen und Besuchern an beiden Tagen. «Das sind hervorragende Zahlen.»

Auch die beiden Familien, die soeben aus dem Schützenpanzer steigen, sind zufrieden: Sie haben leuchtende Augen, strahlende Gesichter – und etwas weiche Knie.