Bad Zurzach

Miguel ist glimpflich, aber nicht schadlos davongekommen

Portugiese stellte sich der Polizei und wurde wegen Diebstahls und weiterer Delikte verurteilt.

Rosmarie Mehlin
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Diebstahl (Symbolbild).

Diebstahl (Symbolbild).

Aargauer Zeitung

Pulli, Jeans, Turnschuhe, nicht sehr gross, glatt rasiert, kurzes Haar: Auffällig an dem jungen Mann, der auf einem Stuhl vor dem Gerichtssaal sass, waren die Sorgenfalten auf seiner Stirn, seine tiefen Seufzer und die Handschellen, die er trug. Zwei Polizisten begleiteten ihn. Eigentlich hätte Miguel (Name geändert) bereits vor einem Monat vor den Schranken erscheinen sollen, hatte aber durch Abwesenheit geglänzt.

Gerichtspräsident Cyrill Kramer hatte ihn daraufhin zur Verhaftung ausgeschrieben. Als dies Miguel zu Ohren kam, stellte er sich vor drei Wochen selbst der Polizei: Er sei am Arbeiten gewesen und habe nicht an den Termin gedacht gehabt, gab er an. Bis zur neuerlichen Verhandlung blieb Miguel in Sicherungshaft.

Seine Sorgenfalten und Seufzer vor dem Gerichtssaal kamen nicht von ungefähr, denn wenn es nach der Staatsanwältin ging, sollte der 30-jährige Portugiese weitere 18 Monate hinter Gittern verbringen: Wegen mehrfachen Diebstahls, Pornografie sowie Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz forderte sie eine unbedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten und den Widerruf einer ebenso langen, von einem Zuger Gericht bedingt ausgesprochenen Strafe: Miguel hatte die ihm jetzt zur Last gelegten Straftaten während der Probezeit begangen.

Arbeiten und hier bleiben

Der 30-Jährige hat eine Drogenkarriere hinter sich, jahrelang von der Hand in den Mund gelebt und letztes Jahr bereits eine sechsmonatige Freiheitsstrafe verbüsst. Am 7. Mai war er zu deren Vollzug eingerückt. Eine Woche vorher war Miguel des Nachts in Bad Zurzach ins Jugendhaus und ins Clubhaus des Pétanque-Clubs eingebrochen, hatte Sachschäden in Höhe von rund 340 Franken verursacht und für etwa 560 Franken Beute gemacht. Vorgeworfen wurden Miguel überdies das Speichern von kinderpornografischen Bildern auf dem Handy und der Erwerb von Drogen.

Er soll zudem den Fund eines Handys in einem Zug nicht angezeigt haben. Miguel gab alles zu – ausser die Pornografie: Er habe durchaus Bilder auf sein Handy geladen gehabt: «Erlaubte Pornografie», beteuerte er, «Solche mit Kindern habe ich keine bemerkt.» Mit seinen Eltern ist der 30-Jährige verkracht; er hat Betreibungen und Schulden am Hals, findet immer wieder Unterschlupf bei Kollegen. Seit zwei Monaten hat er einen Temporär-Job als Akkordarbeiter auf dem Bau. «Und seit 21 Monaten bin ich clean. Alles, was ich jetzt noch will, ist arbeiten und in der Schweiz bleiben.»

Halbgefangenschaft möglich

Sein Verteidiger sprach von «klassischer Beschaffungskriminalität», verlangte einen Freispruch vom Vorwurf der Pornografie wegen mangelnder konkreter Vorwürfe seitens der Anklägerin. Er plädierte für eine bedingte Strafe von sechs Monaten sowie den Verzicht des Widerrufs. Das Gericht verurteilte Miguel zu acht Monaten Gefängnis bedingt mit der längstmöglichen Probezeit von fünf Jahren; vom Pornografie-Vorwurf wurde er freigesprochen.

Der bedingte Erlass der Freiheitsstrafe aus Zug wurde widerrufen: «Diese neun Monate können sie, wenn der Arbeitsnachweis erbracht ist, in Halbgefangenschaft absitzen. Das wird ihnen hoffentlich Lehre genug sein», gab Kramer dem 30-Jährigen auf den Weg.

Ohne Handschellen wurde Miguel von den beiden Polizisten zurück in die Zelle geführt. Die musste er noch putzen, bevor er – zumindest für kurze Zeit – in Freiheit entlassen wurde.