Klingnau
Lauter Knall schreckt Bevölkerung auf – diesmal war es ein «Horror-Knallkörper»

Wieder sorgt ein Knall in Klingnau für Aufsehen. Mit der Serie von Knallen im Februar und März dürfte er aber nicht in Zusammenhang stehen.

Philipp Zimmermann
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CH Media

«Und wieder einmal hat es geknallt», schreibt eine Bewohnerin von Klingnau am späten Freitagabend auf Facebook. Den lauten Knall kurz nach 21 Uhr haben viele Einwohner gehört, sicher auch aus den Nachbarorten Döttingen und Kleindöttingen.

Ein Anwohner hat den Knall der Polizei gemeldet, wie Aline Rey, Sprecherin der Kantonspolizei bestätigt. «Die aufgebotene Patrouille der Regional- und Kantonspolizei konnte im Bereich des Schulareals Überreste eines 'Horror-Knallkörper' feststellen», sagt sie. Bei diesem Böller handelt es sich um einen Feuerwerkskörper. Wer ihn gezündet hat, sei unbekannt.

Mehrwöchige Serie

Dass die Bewohnerin «wieder einmal» schreibt, kommt nicht von ungefähr: Laute Knalle in der Nacht hatten die Bevölkerung in Klingnau und umliegenden Gemeinden während mehrerer Wochen im Februar und März aufgeschreckt. Sie wurden jeweils in den Reben gezündet. Es gibt keine Hinweise, dass der neueste Knall vom Freitag mit dieser Serie in Zusammenhang steht.

Die Polizei konnte als mutmasslichen Verursacher der Knalle in den Reben einen 43-jährigen Schweizer ermitteln. Er hat gestanden, die Sprengkörper hergestellt und zwei gezündet zu haben. Die weiteren will er allerdings verloren haben, wie er der AZ sagte. Zudem will er die zwei im Wald und nicht in den Reben gezündet haben, wo Überreste mehrerer Knallkörper gefunden wurden. Er wurde nach einer mehrstündigen Einvernahme im Juni wieder auf freien Fuss gesetzt, auch da keine Gefahr von ihm ausgeht.

Polizeiposten evakuiert

Anfang Juni hatte sich die Lage längst beruhigt, die Knalle waren schon fast wieder vergessen. Da kam es kurz nacheinander zu drei Funden der Knall- oder Sprengkörper. Den ersten brachte ein Bürger auf den Polizeiposten im Klingnauer Städtchen. Der Polizeiposten wurde evakuiert und weiträumig abgesperrt. Das sorgte für grosses Aufsehen. Am 11. August hatte ein Gemeindearbeiter nochmals Überreste eines solchen Spreng- oder Knallkörpers bei Mäharbeiten im Achenbergbach gefunden.

Die Bilder vom Polizeieinsatz nach dem fünften Knallkörper-Fund in Klingnau:

Der Roboter des Forensischen Instituts greift den Sprengkörper.
6 Bilder
Forensiker aus Zürich rücken wegen des Fundes nach Klingnau aus.
Neben dem Fundort befindet sich mehrere Mehrfamilienhäuser.
Der Fundort wurde weiträumig abgesperrt.
Die Polizei bat Anwohner, Fenster zu schliessen und während des Einsatzes zu Hause zu bleiben.
Der Fundort befindet sich auch nahe eines Spielplatzes, wie dieses Bild zeigt.

Der Roboter des Forensischen Instituts greift den Sprengkörper.

Leserreporter/Harry Gradischnig

Die Bundesanwaltschaft führt das Strafverfahren wegen Gefährdung ohne verbrecherische Absicht (Fahrlässige Gefährdung) gegen den 43-Jährigen. Wie gefährlich die Knall- oder Sprengkörper sind, dazu hat sie sich auch nach mehrfacher Nachfrage nicht geäussert, ebenso wenig wie zum Ergebnis der Laboruntersuchungen und zum Stand des Verfahrens.

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