Döttingen
Kostenloser Verleih: Die Hälfte der Bahnhof-Velos ist verschwunden

In Döttingen kann man seit zwei Jahren gratis Velos ausleihen. Doch immer wieder müssen sie repariert werden.

Stefanie Garcia Lainez
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Dass so viele ausleihbare Velos der Gemeinde am Döttinger Bahnhof stehen wie vor zwei Jahren, ist heute selten.

Dass so viele ausleihbare Velos der Gemeinde am Döttinger Bahnhof stehen wie vor zwei Jahren, ist heute selten.

AZ-Archiv/zvg

Kostenlos ein Velo ausleihen, ohne es vorher reservieren zu müssen: Seit Herbst 2018 ist das am Döttinger Bahnhof möglich. Auf Initiative der Energiekommission kaufte die Gemeinde 30 Occasion-Fahrräder, 15 davon wurden nicht abgeschlossen beim Bahnhof abgestellt zur freien Benutzung, die restlichen eingelagert. Die Fahrräder sollen die Leute animieren, mehr mit dem Velo unterwegs zu sein.

Nur bereits ein halbes Jahr später waren die ersten 15 Velos verschwunden. Lerf vermutete, dass die Velos in Kellern gelandet waren. Die Energiekommission, die hinter dem Projekt steht und der auch Lerf angehört, wollte aber nicht aufgeben und stellte im Sommer 2019 die anderen 15 Fahrräder für die Bevölkerung bereit. Zwei Jahre nach Start des wohl schweizweit einzigartigen Projektes zieht Mario Lerf nun Bilanz.

Das Verhalten der Veloausleiher habe sich nicht wesentlich verbessert, sagt der Bauverwalter. Immerhin: «Es sind noch immer einige Velos im Umlauf, die ab und zu wieder auftauchen», sagt er. «Es gibt aber noch immer Verbesserungspotenzial.» Das Ziel sei, dass die Velos wieder an den Bahnhof zurückgebracht oder zumindest an einen Ort abgestellt werden, wo sie gut sichtbar sind und wieder verwendet werden können. Auch könnten die Benutzer noch sorgfältiger mit den Velos umgehen.

Diesen Sommer postete ein Facebook-User ein Foto eines Fahrrades in den sozialen Medien, das in der Aare gelandet war. «Solches Verhalten ist schade», sagt Lerf und ergänzt: «Die Velos sind zwar sehr robust, aber trotzdem treffen wir immer wieder auf solche, die beschädigt sind.» Die lädierten Fahrräder werden dann auf das Bauamt gebracht, wo es ein Mitglied der Energiekommission repariert, damit sie wieder in Umlauf gebracht werden können.

Die 30 Velos stammen aus Zürich

Mit dem Start des kostenlosen Verleihs in Döttingen im Oktober 2018 lancierte die Gemeinde eine Neuheit in der Schweiz. Zwar gibt es in Städten wie Zürich oder Bern bereits Fahrräder, die man ausleihen kann. Diese müssen aber in der Regel online oder via App reserviert und freigeschaltet werden. Nicht so in der Zurzibieter Gemeinde. Mit einem Warnschild versuchte die Gemeinde humorvoll, Diebstählen vorzubeugen: «Wer mich klaut oder absichtlich kaputt macht, kriegt Warzen.» Beim Versuch mit den ersten 15 Velos hörten die Benutzer wohl nicht auf die Warnung. Unterdessen hat sich das Verhalten aber leicht verbessert.

Die 30 Döttinger Bahnhof-Velos stammten aus Zürich, wo sie als «Obikes» im Einsatz gewesen waren. «Obike» war ein stationsloses Fahrradverleihsystem mit Sitz in Singapur, das auch in Zürich seine Dienste anbot, im Sommer 2018 aber Konkurs ging. Die Gemeinde Döttingen kaufte die Velos danach aus der Konkursmasse. In Zürich wurden die Fahrräder wegen ihrer Vollgummi-Reifen und des schweren Stahlrahmens stark kritisiert. Für Lerf war dies aber ein Vorteil: «Es ist kein Hightech-Velo, das man klauen will», sagte er damals gegenüber der AZ. Zudem verwies er auf die Robustheit der Fahrräder.

Ob Mario Lerf und die Energiekommission in Zukunft wieder Velos anschaffen würden, könne er so nicht beantworten, sagt er. «Falls wir wieder Velos kaufen, dann würden wir sie vermutlich mit einem Tracker ausstatten», meint er. «So hätten wir immerhin die Möglichkeit, die Velos wieder zu finden.»

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