Wasserkraftwerk Beznau

Invasive Schwarzmeergrundel bei Fischtreppen-Planung ignoriert

Die Fischtreppe beim Kraftwerk Beznau wird erneuert. Massnahmen gegen die invasive Schwarzmeergrundel sind keine geplant.

Noemi Lea Landolt
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Schwarzmeergrundeln wurden bis lang bis zum Kraftwerk Rheinfelden nachgewiesen. Sie drohen, die einheimischen Fische zu verdrängen.

Schwarzmeergrundeln wurden bis lang bis zum Kraftwerk Rheinfelden nachgewiesen. Sie drohen, die einheimischen Fische zu verdrängen.

zvg

Die Schwarzmeergrundel, 15 Zentimeter lang, braun-schwarze Schuppen, droht über den Basler Hafen den Rhein hinauf in aargauische Gewässer einzuwandern. Das ist problematisch, weil Grundeln den Laich heimischer Fische fressen. Das Kraftwerk in Rheinfelden hat die Grundel bereits überwunden. Sie verbreitet sich rasant, obwohl sie in der Schweiz gar nicht heimisch ist. Wahrscheinlich haben Schiffe den Fisch eingeschleppt. Die Spezialisten hoffen nun, die Grundel am Kraftwerk Säckingen auf Höhe von Stein im Kanton Aargau zu stoppen.

Grundeln hätten Mühe mit Fischtreppen, weil sie schlechte Schwimmer seien, sagte Christian Tesini, der kantonale Fischereisachbearbeiter, letzte Woche gegenüber der AZ. Man überlege nun, ob sie mit Sperren von den heimischen Fischen separiert oder auf der Fischtreppe via Video erkannt und abgefischt werden können.

Vorgaben zu Grundeln fehlen

Nur rund 40 Kilometer von Stein entfernt an der Aare liegt das Kraftwerk Beznau. Die Axpo möchte dort die bestehende Fischaufstiegshilfe erneuern. Der Auftrag wurde im Amtsblatt ausgeschrieben. Die jetzige Fischtreppe weise «erhebliche Defizite» auf und sei «ungenügend funktionsfähig», heisst es in der Ausschreibung. Die Fischtreppe soll deshalb den «neusten Erkenntnissen und Richtlinien» angepasst werden.

Die Grundel ist nicht Teil dieser Erkenntnisse und Richtlinien. «Aktuell gibt es bezüglich Schwarzmeergrundel seitens der Behörden keine Vorgaben», sagt Tobias Kistner, Mediensprecher der Axpo. Deshalb seien beim Umbau der Fischtreppe in Beznau auch keine speziellen Massnahmen im Hinblick auf die Schwarzmeergrundel geplant.

Aare zu weit weg vom Problem

Man könnte meinen, der Umbau einer Fischaufstiegshilfe wäre die ideale Gelegenheit, um zu testen, wie sich die Grundel stoppen lässt. Trotzdem nutzt der Kanton die Chance nicht: «Das Kraftwerk Beznau liegt an der Aare und ist damit eher weit entfernt von der aktuellen natürlichen Verbreitung der Schwarzmeergrundel», sagt Fischereispezialist Christian Tesini. Zudem würde durch entsprechende Massnahmen «die freie Fischwanderung nicht nur für invasive Grundeln, sondern auch für einheimische Fischarten beeinträchtigt».

Der Kanton Aargau sei aber als Mitglied einer interkantonalen Arbeitgruppe daran beteiligt, das Problem anzugehen, sagt Tesini. Aktuell untersuche die Universität Basel, wie Grundeln an Fischaufstiegshilfen gestoppt werden könnten, damit bei der Planung der neuen Fischaufstiegsanlage beim Kraftwerk Säckingen mögliche Massnahmen bereits in die Planung miteinbezogen werden könnten.