Endingen

Hochkarätige Chefetage soll jüdischem Millionenprojekt «Doppeltür» zum Erfolg verhelfen

Der Migros-Chef Herbert Bolliger und weitere hochkarätige Namen sollen dem jüdischen Projekt im Surbtal zum finanziellen Erfolg verhelfen. Zentrale Aufgabe des Vereins ist nun, die Finanzierung voranzutreiben.

Daniel Weissenbrunner
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Doppeltür

Doppeltür

Alan Edburg
Doppeltür-Haus mit zwei Türen in Endingen

Doppeltür-Haus mit zwei Türen in Endingen

zvg

Im April letzten Jahres kündigte Roy Oppenheim an, dass die Gründung des Vereins «Doppeltür» unmittelbar bevorstehe. Oppenheim, die treibende Kraft hinter der Idee, irrte sich. Es verstrichen nochmals einige Monate. «Manchmal dauert alles in bisschen länger», sagte der in Lengnau wohnhafte Publizist. Gestern war es nun endlich so weit: Das aufwendige Projekt, in dem die Geschichte der Juden im Surbtal dargestellt werden soll, ist ab sofort ein Verein.

An der Gründungsversammlung im Gemeindehaus in Endingen unterstrich Lukas Keller die Bedeutung von «Doppeltür». Er bezeichnet es als Kulturobjekt von nationaler Bedeutung. Der ehemalige Ammann von Endingen wurde zum ersten Vereinspräsidenten gewählt. Grund für die Verzögerung war unter anderem die Suche nach geeigneten Personen für den Vorstand. Was lange währt, wird endlich gut, hielt Lukas Keller fest.

Hoffen auf Bolligers Netzwerk

Der elfköpfige Vorstand besteht in der Tat aus hochkarätigen Namen: Neben den Surbtaler Vertretern Roy Oppenheim, Franz Bertschi (Gemeindeammann Lengnau), dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, Jules Bloch (Endingen), und Lukas Keller nehmen Jacques Picard (Universität Basel), Esther Girsberger (Publizistin), Jonathan Kreutner (Generalsekretär Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund), Carol Nater Cartier (Leiterin Historisches Museum Baden), Thomas Pauli-Gabi (Leiter Kultur Kanton Aargau) sowie FDP-Nationalrat Beat Walti und Herbert Bolliger, Konzernchef der Migros, Einsitz.

Zentrale Aufgabe des Vereins ist nun, die Finanzierung voranzutreiben. 16 Millionen Franken soll die vollständige Umsetzung des neunteiligen Projekts kosten. Ein schwieriges Unterfangen, wie Roy Oppenheim festhält. Die ersten Module sollen bereits 2019 in Betrieb genommen werden, hofft Lukas Keller. Bolliger und Walti sollen mit ihrem Netzwerk in die Wirtschaft beziehungsweise die Politik die Suche nach möglichen Geldgebern beschleunigen. Ob sich die Migros selber am Projekt beteiligt, ist offen. Herbert Bolliger war gestern Abend nicht anwesend und für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Mit Beat Walti hat der neugegründete Verein einen wichtigen Draht in die nationale Politik. Der Zürcher Freisinnige ist in Bern bestens vernetzt. Er begründet sein Engagement auch als Teil seiner liberalen Haltung. «Die Juden und Christen im Surbtal zeigten damals auf, dass in schwierigen Zeiten Lösungen möglich sind.» Walti ist mit der Thematik vertraut. Er gehört der parlamentarischen Gruppe gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit an. Im Übrigen hat er einen Bezug in die Region: Walti ist Verwaltungsratspräsident der Reha Clinic in Bad Zurzach und besuchte im Bezirkshauptort einst den Kindergarten.

Prominent bestückt ist nicht nur der Vorstand. Auch das Patronatskomitee glänzt mit bekannten Namen: Angeführt wird die Liste von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger und Ruth Dreifuss. Die ehemalige SP-Magistratin mit Heimatort Endingen liess sich gestern ebenfalls entschuldigen. Sie wird dem Surbtal aber im Februar einen Besuch abstatten.