Bad Zurzach
Geschichten fügen sich zur Geschichte

Das Kolumnistenpaar Schreiber-Schneider führt in Bad Zurzach Biografiekurse durch. Die Teilnehmer lernen, was das Leben Interessantes für eine Geschichte zu bieten hat.

Louis Probst
Drucken
Teilen
Sibyl Schreiber und Steven Schneider wollen die Menschen anregen, ihre Geschichte zu recherchieren und niederzuschreiben. LP

Sibyl Schreiber und Steven Schneider wollen die Menschen anregen, ihre Geschichte zu recherchieren und niederzuschreiben. LP

«Wir sind an Menschen und ihren Geschichten interessiert», sagt Sibyl Schreiber. «Und mit dem Hirschli haben wir einen geeigneten Ort für diese Geschichten.» Steven Schneider erklärt: «Auch Bad Zurzach ist ein guter Ort. Die Leute, die unsere Kurse besuchen, sind begeistert vom Flecken und seiner Umgebung.» Im Hirschli, einem historischen Messehaus an der Schwertgasse, mitten im Flecken Zurzach, dreht sich denn auch alles um Geschichten.

Das Geschichtenhaus des Kolumnistenpaares Schreiber-Schneider steht Leuten zur Verfügung, die sich – auch fürs Schreiben – zurückziehen wollen. Darüber hinaus ist das Haus Ort vielfältiger Aktivitäten. Dazu gehören auch Biografiekurse. Was im Zusammenhang mit Geschichten naheliegend scheint. Wo sonst, als in einer Biografie verdichten sich mehr einzelne Geschichten zu einer Geschichte, zu einer Lebensgeschichte?

Besonderes im Alltäglichen

«Viele Leute zucken zwar mit den Schultern, wenn sie das Wort Biografie hören», meint Steven Schneider. «Sie denken dabei an dicke Wälzer. Oft hört man auch den Einwand, das eigene Leben sei doch überhaupt nicht interessant, sondern bloss alltäglich. Beim Kolumnenschreiben steht aber gerade der Alltag im Vordergrund. Man braucht nicht zufällig einen Massai geheiratet zu haben -- auch wenn ein Leben unspektakulär ist, steckt es doch voll toller Geschichten. Diese Geschichten suchen wir. Dabei muss nicht zwingend das eigene Leben im Vordergrund stehen. Wir stellen fest, dass viele Teilnehmer der Biografiekurse über das Leben ihrer Eltern schreiben. Jemand wollte sogar eine Biografie der Kelly-Family verfassen. Wir wollen auch nicht literarische Kurse anbieten.»

Sibyl Schreiber erklärt aber: «Es sind zwei oder drei Leute dabei, bei denen man sagen kann: Das könnte ein Buch geben.» Bei den Teilnehmern der Biografiekurse überwiegen übrigens die Frauen. «Männer sind vielleicht schüchterner oder zurückhaltender», meint Sibyl Schreiber Schreiber und Schneider wollen ihre Biografiekurse nicht als Therapie verstanden wissen. «Einen therapeutischen Ansatz schliessen wir aus», erklärt Sibyl Schreiber. «Wir sagen ganz klar: Hier werden keine Abrechnungen geschrieben.» Sie gibt aber zu bedenken: «Durch die Erinnerung wird das eigene Leben wertgeschätzt.» Steven Schneider betont: «Für Therapien sind wir nicht die richtigen Leute. Wer sich aber biografiert, der bekommt einen anderen Blick auf sein Leben.»

Handwerk im Vordergrund

Bei den Biografiekursen, die in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Lektorin Sonja Bonin im Geschichtenhaus Hirschli durchgeführt werden, steht das Schreibhandwerk im Vordergrund. «Es geht viel um journalistisches Denken», sagt Steven Schneider. Und Sibyl Schreiber stellt fest: «Es sollen ja keine einschläfernden Tagebücher entstehen.»

In Tageskursen geht es vor allem um die Strukturen einer Biografie. Die 8- oder 12-tägigen Kurse umfassen neben sprachlichen Übungen auch Themen wie Recherche, Textaufbau oder innere und äussere Bilder. Schliesslich geht es um die Frage, wie das Buch hergestellt werden soll. «Ziel ist es ja, dass die Leute am Schluss ein Produkt haben», sagt Sibyl Schreiber.

Die Texte werden jeweils in der Gruppe vorgelesen. «Das ist sehr spannend», stellt Sibyl Schreiber fest. «Zudem profitieren alle voneinander.» Der Kurs sei längst zu einer verschworenen Gemeinschaft geworden, in der die Texte hin und her gehen würden, sagt Steven Schneider -- und stellt auch schon einen Biografietag in Aussicht. Am 22. September 2012 soll er stattfinden. Im Geschichtenhaus Hirschli in Bad Zurzach selbstverständlich.

Aktuelle Nachrichten