Full-Reuenthal
Hier trainieren Rekruten mit Baggern und Pneuladern – nun will die Armee dafür eine unbefristete Bewilligung

Über 40 Baumaschinen wie Bagger oder Pneulader stehen während mehrerer Monate pro Jahr in Full-Reuenthal auf dem Übungsplatz der Armee. Nun soll aus der ursprünglichen Übergangslösung ein fixes Ausbildungsgelände werden.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Kühlturm des Kernkraftwerkes Leibstadt ist nur wenige hundert Meter vom Übungsgelände der Armee entfernt.

Der Kühlturm des Kernkraftwerkes Leibstadt ist nur wenige hundert Meter vom Übungsgelände der Armee entfernt.

VBS/DDPS

Seit 2014 bildet die Armee Rekruten als Baumaschinenfahrer in Full-Reuenthal aus. Die Bewilligung für das Ausbildungsgelände ist befristet. Die Armee möchte dies nun ändern.

Die entsprechenden Unterlagen zur Mitwirkung und Anhörung im militärischen Plangenehmigungsverfahren liegen bis zum 12. März auf der Gemeindekanzlei auf. Gesuchstellerin ist die Immobilienabteilung des Bundesamts für Rüstung Armasuisse.

Zwei Rekrutenschulen trainieren pro Jahr in Full-Reuenthal. Das Übungsgelände liegt in der Industriezone am Rhein, zwischen dem Kühlturm des Kernkraftwerkes Leibstadt und dem von einem Verein betriebenen Schweizerischen Militärmuseum auf der anderen Seite. Das nächste Wohnhaus ist rund 800 Meter entfernt – hinter einem Stück Wald.

Während 20 Wochen pro Jahr werden die Rekruten ausgebildet

Bevor das Gelände zum Ausbildungsplatz der Armee wurde, war es ein Umschlag- und Lagerplatz der Chemie Uetikon. Die jeweils 40 bis 50 Rekruten sind auf dem Waffenplatz in Brugg stationiert, wo sie in der Theorie ausgebildet werden. Den praktischen Umgang mit den Baumaschinen wie Bagger, Pneulader, Tandemwalzen oder Dumper lernen die Rekruten während insgesamt 20 Wochen an vier Tagen pro Woche auf dem Ausbildungsplatz in Full-Reuenthal.

Seit 2014 fahren die Rekruten in Full-Reuenthal mit den Baggern über den Übungsplatz.

Seit 2014 fahren die Rekruten in Full-Reuenthal mit den Baggern über den Übungsplatz.

VBS/DDPS

Auf dem Gelände üben die Rekruten das korrekte An- und Abkuppeln dieser Geräte an die Maschinen. Zudem werden Erdbewegungen, Beladen von Lastwagen und Verlad auf Tiefbettanhänger gelernt. «Auf dem Übungsplatz finden keine Rückbauarbeiten wie das Zerkleinern von Stahl- und Betonelementen statt», heisst es in den Unterlagen. Rammarbeiten würden ebenfalls auf dem Brückenausbildungsplatz in Brugg stattfinden.

Die für die Ausbildung nötigen 44 Baumaschinen sowie Geräte wie Abbauhammer oder Betonscheren werden einmal pro Jahr vom Armeelogistikcenter in Othmarsingen ins Zurzibiet und wieder zurück gebracht. Dafür sind insgesamt 40 Transporte pro Jahr nötig. Während rund fünf Monaten pro Jahr befinden sich Baumaschinen, Transportfahrzeuge und Gerätschaften permanent auf dem Ausbildungsplatz. In den übrigen Monaten bleibt das 2,4 Hektaren grosse, umzäunte und überwachte Ausbildungsgelände ungenutzt.

Der Gemeinde entgehen potenzielle Steuereinnahmen

Ab 7.30 Uhr starten die Rekruten jeweils mit ihren Übungen. Bis zu dreimal pro Woche dauern diese bis 22 Uhr. Ab 17.30 Uhr reduziert die Truppe aber die Anzahl Maschinen, die im Einsatz stehen, bis auf einen Fünftel ab 21 Uhr. Gemäss der aufliegenden Unterlagen würden die Lärmimmissionen unter den zulässigen Planungswerten liegen.

Gemeindeammann Gerhard Hauser bestätigt, dass es von Seiten der Bevölkerung auf der Gemeinde kaum Lärmklagen eingehen. «Im vergangenen Jahr musste ich nur einmal vor Ort gehen», sagt er. Aufgrund der Lage des Geländes in der Industriezone sei der Maschinenlärm im Dorf nicht stark hörbar.

Die Armee stört somit kaum, von ihrer Anwesenheit kann das Dorf aber auch nicht profitieren. Der Gemeinde entgehen potenzielle Steuereinnahmen von Unternehmen. Denn die Armee befindet sich in der Industriezone – der Bund und seine Anstalten wie das Gelände in Full-Reuenthal sind aber steuerbefreit.

Genehmigung sei entscheidend für die Schweizer Armee

Für die Nutzung des Geländes als Übungsplatz erwirkte die Armee 2014 eine befristete Genehmigung. «Gemäss damaliger Meinung sollte das Areal lediglich als Übergangslösung dienen, bis ein definitiver Standort gefunden wurde», heisst es in den Unterlagen. Eine im Jahr 2016 erstellte Machbarkeitsstudie habe aber gezeigt, dass der Verbleib sowie der Kauf des bereits umgestalteten Areals die wirtschaftlichste Lösung darstelle.

«Die langfristige Nutzung und die damit verbundene unbefristete Genehmigung dieses Übungsplatzes ist entscheidend für die strategische Planung der Schweizer Armee.»

Ende 2017 kaufte die Armasuisse Immobilien das Gelände deshalb, um es auch in Zukunft als festen Ausbildungsstandort für Baumaschinenfahrer nutzen zu können. Am bisherigen Gelände möchte die Armee gemäss Unterlagen nichts verändern. Sanitäre Anlagen, ein Mehrzweckraum, ein Büro und der Fahrzeugunterstand sind bereits vorhanden.

In der Anhörung im aktuell laufenden ordentlichen militärischen Plangenehmigungsverfahren können die Gemeinde, der Kanton und die Bevölkerung Stellung nehmen. Während der Auflagefrist haben also auch Anwohner die Möglichkeit, Anregungen zu deponieren und Einsprache zu erheben. Seit 1996 mit dem Inkrafttreten der Militärischen Plangenehmigungsverordnung muss die Armee grössere Bauprojekte öffentlich auflegen.

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