Flugblatt
Ende Jahr verlässt die einzige Frau den Gemeinderat – nun gehen die Würenlingerinnen in die Offensive

Fast 50 Frauen unterstützen mit ihrem Namen das Vorhaben: Mit einem Flugblatt sucht die Gruppe «Frauen Würenlingen» Kandidatinnen für den Gemeinderat und Kommissionen – mit Erfolg.

Stefanie Garcia Lainez
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Wer hinter dem Flugblatt in Würenlingen steht, ist bekannt.

Wer hinter dem Flugblatt in Würenlingen steht, ist bekannt.

sga

Ende Jahr hört die einzige Frau im Gremium auf: Die Würenlinger Gemeinderätin Regula Schneider Frei (die Mitte) tritt nach über zehn Jahren im Gemeinderat nicht mehr zu den Gesamterneuerungswahlen an.

Nun werden die Frauen im Dorf aktiv: Mit dem Flugblatt «Frauen in die Politik» suchen sie nach engagierten Würenlingerinnen, die sich im Gemeinderat und in den Kommissionen engagieren. Fast 50 Frauen unterstützen mit ihrem Namen das Vorhaben.

Mehr als 50 Prozent der stimm- und wahlberechtigten Personen in der 4840-Einwohner-Gemeinde sind Frauen. «Es ist wichtig, dass sie im Gemeinderat und in den Kommissionen angemessen vertreten sind und sich politisch beteiligen», sagt Alice Treier im Namen der Initiantinnen. Deshalb möchten die «Frauen Würenlingen» den frei werdenden Sitz verteidigen und Frauen für den Gemeinderat sowie die Kommissionen gewinnen. «Die Parteizugehörigkeit steht dabei nicht im Zentrum, sondern dass die Frauen sich entsprechend einbringen können.»

Konstruktiv mitwirken statt angriffig

Der Flyer sei bewusst transparent und neutral formuliert. Dies auch aufgrund der bewegten Monate, die Würenlingen hinter sich hat. Zuerst trat der langjährige Gemeindeammann André Zoppi wegen «unüberbrückbarer Differenzen» überraschend zurück, im Januar legten alle Mitglieder der Schulpflege ihr Amt per sofort nieder. Im Februar folgte ein anonymes Flugblatt mit teilweise massiven Anschuldigungen an den Gemeinderat.

Auf dem Flugblatt der Frauen Würenlingen stehen alle Unterstützerinnen mit Namen hin. Den Initiantinnen sei es wichtig, nicht angriffig, sondern konstruktiv mitzuwirken. «Wir erhielten von links nach rechts sehr positive Rückmeldungen.» Die Liste der Unterstützerinnen wird auf der Website laufend erweitert. Was Alice Treier besonders freut: «Jegliche Altersklassen sind vertreten.» Auch die politische Gesinnung oder die Berufsfelder würden variieren.

Drei mögliche Gemeinderatskandidatinnen haben sich bereits gemeldet

Die Resonanz auf das Flugblatt lässt sich sehen: Innert einer Woche hätten bereits drei Frauen Interesse an einer Gemeinderatskandidatur angemeldet. Noch mehr könnten sich vorstellen, sich in gemeinderätlichen oder vom Volk gewählten Kommissionen zu engagieren. Die Gruppe unterstützt diese Frauen, in dem sie unter anderem Fragen zu den Ämtern oder zu nötigen Voraussetzungen beantwortet. Vor den Wahlen ist ein weiterer Flyer mit den definitiven Kandidatinnen geplant. Auch steht die Gruppe mit den drei Ortsparteien in Kontakt. Ob sich alle Interessentinnen tatsächlich aufstellen lassen, sei noch nicht endgültig entschieden.

Von den Initiantinnen von «Frauen Würenlingen» wird voraussichtlich niemand antreten. Alice Treier sagt:

«Wir waren oder sind bereits in der Gemeinde stark engagiert in Vereinen, Ämtern und Behörden. Nun ist es Zeit für die jüngere Generation.»

Das Ziel der Gruppe ist, mit einer Frauen-Liste eine Auswahl zu bieten. Sie denkt noch weiter: «Wir möchten Frauen in Zukunft noch mehr auf politische Ämter aufmerksam machen», sagt Alice Treier. Sie hofft, dass sich die Rahmenbedingungen weiter verbessern, damit auch berufstätige Mütter sich im Dorf besser politisch engagieren können. Dies möglicherweise auch dank des neuen Verwaltungsleitungsmodells, das wie Videokonferenzen oder online zugängliche Akten für flexiblere Sitzungen sorgen könnte.

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