Bad Zurzach

Er lässt die böse Bauernfrau die sieben Zwerge erschlagen

Jürg Steigmeier erzählt kurz vor Weihnacht in der Probstei Schweizer Versionen von Grimm-Märchen – darin wird Aschenputtel zu Aschengrübel und Rumpelstilzchen zu Hans Öfeli-Chächeli.

Andrea Ebneter
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Jürg Steigmeier liest nicht vor – er erzählt die Geschichten und schaut die Zuhörer dabei an.

Jürg Steigmeier liest nicht vor – er erzählt die Geschichten und schaut die Zuhörer dabei an.

Andrea Ebneter

An einem Abend kurz vor Weihnachten erzählt Jürg Steigmeier in Bad Zurzach Märchen, die denen der Gebrüder Grimm ähnlich sind. Nicht ohne Grund, ist es doch 200 Jahre her, seit das erste Grimm-Märchen erschienen ist. Der Geschichtenerzähler Steigmeier erzählt allerdings nicht von Rumpelstilzchen, sondern von Hans Öfeli-Chächeli, nicht von Aschenputtel, sondern von Aschengrübel und auch nicht das Märchen Tischlein deck dich, sondern «Bohne, Bohne, ich schneide dich!». Dies sind allesamt Schweizer Entsprechungen, Schweizer Versionen der Geschichten der Gebrüder Grimm.

«In den Schweizer Versionen haben die Personen andere Namen», sagt Steigmeier. «Sie sind an die Kultur und die Geografie der Schweiz angepasst.» Die Zuhörer würden somit ihre kulturellen Wurzeln in den Geschichten erkennen, sagt er. So wird beispielsweise bei «Goldig Betheli und das Harzebabi» – gleicht der Geschichte der Frau Holle – die Figur von Pechmarie nicht von Pech überschüttet, nein: Ihr fällt ein Kuhfladen auf den Kopf.

Aus drei verschiedenen Schweizer Versionen von Aschenputtel hat Steigmeier eine neue, vierte Version zusammengestellt und nennt diese Aschengrübel. «Wenn die Geschichte in unserem Land spielt, kann ich die Zuhörer direkter ansprechen», sagt Steigmeier. Die sieben Zwerge kommen am Märchenabend auch vor – doch diese Geschichte ist nicht ganz harmlos: Sie heisst «Der Tod der sieben Zwerge», dauert drei Minuten und die Bauernfrau – in der Rolle der bösen Stiefmutter – erschlägt alle sieben Zwerge. Die anderen Geschichten dauern rund zehn Minuten und sprechen Erwachsene als Zielpublikum an.

Steigmeier selbst ist mit den Märchen der Gebrüder Grimm aufgewachsen. Aber nicht nur er: «Viele Leute kennen die Originalgeschichten von früher. Da kann ich die Zuhörer abholen», sagt er. «Die Schweizer Entsprechungen kennen sie aber meist nicht.» Ausserdem falle es ihm schwer, die ursprünglichen Grimm-Märchen zu erzählen: «Die passen mir einfach nicht in den Mund», sagt Steigmeier. «Sie sind in einer anderen Sprache, mit anderen Worten geschrieben und haben einen völlig anderen Erzählrhythmus.»

Auf die Art des Erzählens legt Steigmeier besonderen Wert: «Das Geschichtenerzählen ist eine mündliche Tradition», sagt er. «Ich lese die Geschichte nicht vor, sondern erzähle sie und schaue die Zuhörer währenddessen an.» Am Märchenabend wird Steigmeier von Musikern unterstützt – vom «Giigämaa» Matthias Lincke und von Dide Marfurt, der unter anderem Dudelsack spielt.

Schweizer Märchenabend «Emool»: Donnerstag, 20. Dezember, 20 Uhr, Probstei Bad Zurzach. Reservationen erwünscht unter juerg@erzaehler.ch.