Koblenz/Waldshut

Einen solchen Stau hat die Region noch nie erlebt – letzte Grenzgänger kehren erst nachts um 22 Uhr zurück

Das Schliessen der Grenze am Montag hatte massive Folgen: Grenzgänger und Einheimische standen vor dem Grenzübergang Koblenz stundenlang im Stau.

Philipp Zimmermann
Drucken
Teilen
21.30 Uhr am Grenzübergang Koblenz: Noch immer staut sich der Verkehr.
7 Bilder
Nach der teilweisen Schliessung der Grenze müssen deutsche Grenzgänger stundenlang im Stau ausharren, ehe sie zurück nach Deutschland gelangen.
Hier staut sich die Kolonne in Richtung Rietheim und Bad Zurzach.
Wer aus Richtung Klingnau zum Grenzübergang kommt, kann hier nach links in Richtung Grenze abbiegen.
Täglich queren über 14'000 Autos sowie rund 800 Lastwagen die Grenze in Koblenz.
Stau am Grenzübergang Koblenz (16. März 2020)

21.30 Uhr am Grenzübergang Koblenz: Noch immer staut sich der Verkehr.

Philipp Zimmermann

Es ist nach 22 Uhr am Montagabend, als sich der Stau vor dem Grenzübergang Koblenz auflöst. Rheinaufwärts, aus Richtung Bad Zurzach und Rietheim, stehen nur noch 20 Fahrzeuge an, um über die Zollbrücke auf die deutsche Seite nach Waldshut zu gelangen.

Die meisten mit Autokennzeichen WT – die Abkürzung steht für Landkreis Waldshut. Auf der anderen Seite, aus Richtung Klingnau, hatte sich der Stau um Punkt 21.37 Uhr aufgelöst.

Morgens um 8 Uhr hatte Deutschland im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus die Grenze zur Schweiz, wie am Sonntag angekündigt, teilweise geschlossen. Ausgeschlossen von der Massnahme waren der Warenverkehr und Grenzgänger, die im Nachbarland einer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Jeden Tag fahren Tausende Deutsche über die Rheinbrücke nach Koblenz, um in der Schweiz ihrer Arbeit nachzugehen. Über 14'000 Autos und deutlich über 1000 Lastwagen passieren das Nadelöhr über den Rhein täglich.

Der geschlossene Grenzübergang Bad Zurzach-Rheinheim, mit Blick von der Schweizer Seite nach Deutschland.

Der geschlossene Grenzübergang Bad Zurzach-Rheinheim, mit Blick von der Schweizer Seite nach Deutschland.

Facebook/Regionalpolizei Zurzibiet

8 Kilometer langer Stau

Am späten Nachmittag kehren die Grenzgänger wieder zurück nach Deutschland. Da hatte ihr Staat das Regime bereits weiter verschärft. Die Bundespolizei schloss die kleineren Grenzübergänge etwa bei Bad Zurzach und Kaiserstuhl komplett. Im Aargau blieben nur Koblenz, Laufenburg und Rheinfelden passierbar.

In Koblenz bildeten sich 5 respektive 8 Kilometer lange Staus in Richtung Klingnau respektive Bad Zurzach, zudem verstopfte sich auch die Strasse ins Dorf. Wegen der Grenzkontrollen auf beiden Seiten kamen die Autofahrer nur sehr langsam vorwärts. Einen solchen Stau auf beiden Zufahrtsstrassen zum Grenzübergang dürfte die Region noch nicht erlebt haben.

Auch der Grenzübergang Bad Zurzach – Rheinheim (hier im Bild) ist geschlossen

Auch der Grenzübergang Bad Zurzach – Rheinheim (hier im Bild) ist geschlossen

Facebook/Katja Pferrer de Cortes

"Der Stau war unglaublich", sagt ein Koblenzer. Das muss etwas heissen. Denn lange Staus sind für die Bewohner des Grenzdorfes keine Seltenheit. Nachmittags werden die Staus von Tausenden Grenzgängern verursacht, gerade samstags von Schweizer Einkaufstouristen. Dass diese nun wegfallen, ist angesichts des Verkehrschaos', das die Grenzkontrollen verursachten, ein schwacher Trost.

(Artikel vom 17. März 2020)