Fisibach

Die Region prägte Gottfried Kellers Werke - jetzt soll der Dichterweg verlängert werden

In seiner Jugend erkundete der Schweizer Schriftsteller und Dichter Gottfried Keller von seinen Heimatort Glattbrugg aus die ganze Region. Das prägte sein Schaffen. Auch die frühere Wasserburg Schwarzwasserstelz auf Fisibacher Boden fand Eingang in seine Werke. Jetzt will die "IG Lebensraum Fisibach" den Dichterweg um drei Tafeln erweitern.

Stefanie Garcia Lainez
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Gottfried Keller und das Zurzibiet
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Der Weg führt ins Zurzibiet und soll jetzt bis Fisibach verlängert werden. Wo heute ein Bunker auf Fisibacher Boden steht, stand bis 1875 die Wasserburg Schwarzwasserstelz, die in Gottfried Keller "Hadlaub" erwähnt wird.
Auch das Schloss Röteln (Burg Rotwasserstelz) gegenüber von Kaiserstuhl wird in der Novelle genannt.

Gottfried Keller und das Zurzibiet

CH Media

Fast zwanzig Gedicht- und Texttafeln lassen Wanderer von Glattfelden bis nach Kaiserstuhl in Prosa und Poesie von Gottfried Keller eintauchen, einem der grössten Schriftsteller und Dichter der deutschen Literatur. Geht es nach der «IG Lebensraum Fisibach» wird der Dichterweg mit drei weiteren Tafeln bis nach Fisibach verlängert. Das entsprechende Gesuch liegt bis zum 26. August auf der Gemeindeverwaltung auf.

Start des 1995 eröffneten Dichterwegs ist in Glattfelden, dem Heimatort von Gottfried Keller (1819-1890). Zwar lebte der Dichter nie im Zürcher Dorf, verbrachte aber während seiner Jugend die Sommerferien bei seinem Onkel und erkundete die Gegend. Spuren des Dorflebens lassen sich im teilweise autobiografischen Bildungsroman «der Grüne Heinrich» finden.

Frühere Fisibacher Wasserburg in Kellers Werken erwähnt

Auch Eindrücke aus der Umgebung flossen in die Werke des Dichters ein. Rund vier Stunden dauert die Wanderung vom Bahnhof Glattfelden vorbei am 1985 eröffneten Gottfried-Keller-Zentrum (GKZ) dem Rhein entlang bis ins Städtchen Kaiserstuhl, das in den «Züricher Novellen» sein Spiegelbild fand.

Kaiserstuhl aus der Vogelperspektive: Das Städtchen befindet sich auf einem abfallenden Gelände.
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Kaiserstuhl zählt laut «Schweizer Illustrierter» zu den 50 schönsten Dörfern der Schweiz. Der Obere Turm (rechts) ...
... überragt das Städtchen und ist ein Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Er wurde MItte des 13. Jahrhunderts erbaut.
Der Rhein bei Kaiserstuhl mit Schloss Rötteln (auch Burg Rotwasserstelz genannt) auf der deutschen Seite.
Kaiserstuhl ist die kleinste Gemeinde im Kanton Aargau. Auf 2022 wird Kaiserstuhl allerdings Teil der neuen Gemeinde Zurzach.
Das Gemeindegebiet ist nur 32 Hektaren gross.
Ende 2018 lebten 437 Einwohner in der Gemeinde. Im Jahr 1850 waren es 488.
Das Städtchen Kaiserstuhl steht unter Denkmalschutz.
Im Jahr 2015 gab es in Kaiserstuhl rund 100 Arbeitsplätze.
Die Fischbeiz alte Post am Rhein ist bekannt.
Malerischer Blick auf die Rheinbrücke von der Promenade aus.
Ein Hingucker: Das imposante Fachwerkhaus mit dem "oberen Turm" im Hintergrund.
Der Widderbrunnen.
Kaiserstuhl Stadtbild Altstadt Kaiserstuhl Stadtbild Altstadt
«Die Arbeit als Stadtammann in Kaiserstuhl ist speziell», sagt Ruedi Weiss, «weil hier jeder jeden kennt.»
Das Hotel-Restaurant Kreuz.
Die ehemalige Schulanlage Böleboden. Die Kinder gehen seit mehreren Jahren im nahen Kanton Zürich, in Weiach respektive Stadel zur Schule.
Motive aus Kaiserstuhl von einer Postkarte von 1913. Unten die Wirtschaft zur Alten Post und die Bahnhofsstrasse.

Kaiserstuhl aus der Vogelperspektive: Das Städtchen befindet sich auf einem abfallenden Gelände.

ZVG Gemeindeverwaltung

Dabei erfahren die Wanderer spannende Details zur Region und zum Leben und Schaffen des Künstlers. An der aktuell letzten Tafel in Kaiserstuhl ist ein Aufsatz aus Kellers Sommerferien aus dem Jahre 1832 abgedruckt.

Nun plant die «IG Lebensraum Fisibach» drei weitere Tafeln aufzustellen. Eine soll vor dem ehemaligen Militärbunker zu stehen kommen, wo von 1163 bis 1875 die Wasserburg Schwarzwasserstelz auf einem winzigen Felsen im Rhein stand. In der Novelle «Hadlaub» beschreibt Gottfried Keller die Wasserburg auf Fisibacher Boden nordwestlich von Kaiserstuhl.

1938 überbaute die Schweizer Armee die Insel der Schwarzwasserstelz mit einem Infanteriebunker für die Grenzbefestigung. Heute gehört der Bunker «Bleiche» dem Endinger Hans Kohler alias «Bunker-Hausi».

Zu Besuch im Bunker von Hans Kohler unterhalb von Kaiserstuhl
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«Bunker-Hausi» aus Endingen: «Hier kann und darf Geschichte erlebt werden»
Bunker-Hausi Endingen
Im Untergeschoss.
Im Untergeschoss.
«Bunker-Hausi»

Zu Besuch im Bunker von Hans Kohler unterhalb von Kaiserstuhl

Barbara Stotz Würgler

Die zweite Tafel ist beim Gut Lindenhof vorgesehen, die dritte vor der Fisibacher Agathakapelle aus dem 17. Jahrhundert.

Mit der Verlängerung sollen «historische und kulturell relevante Orte der Region» sichtbar gemacht werden, schreibt die Interessengemeinschaft im Baugesuch. «Die Information zu historischen Gebäuden und Naturwerten liegt im öffentlichen Interesse», so die Begründung. Im Baugesuch sind Kosten von 2000 Franken veranschlagt. Das GKZ unterstützt das Vorhaben.