Leibstadt

Das überlebensgrosse Wahrzeichen der Ski-WM von St. Moritz ist ein Aargauer

Fast 20 Meter hoch und 18 Tonnen schwer – die Holzfigur "Skifahrer Edy" prägt das Rahmenprogramm der Weltmeisterschaft in St. Moritz. Edy ist ein Aargauer, denn er besteht aus Hunderten von Einzelteilen, und diese wurden im Zurzibiet hergestellt.

Joel Kälin
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Die imposante Holzskulptur «Edy» war das Maskottchen der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz. KEYSTONE/URS FLÜELER
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Die Figur ist angelehnt an den ehemaligen St. Moritzer Rennskifahrer Edy Reinalter.
Edy Skifahrer
Edys Bestandteile kommen im Kulm Park an.
Edy nach der Vormontage.
Edy nach der Vormontage.
In Samedan fügen die Arbeiter Edy langsam zusammen.
So sehen die Dreiecke nach der Herstellung in Leibstadt aus.
Nach der Produktion in Leibstadt sind die Dreiecke versandbereit.
Nach der Produktion in Leibstadt sind die Dreiecke versandbereit.

Die imposante Holzskulptur «Edy» war das Maskottchen der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz. KEYSTONE/URS FLÜELER

KEYSTONE

Unsere Ski-Asse trumpfen an der Ski-Weltmeisterschaft derzeit im eigenen Land gross auf: Im St. Moritzer Kulm Park, wo jeden Abend die Medaillenzeremonien stattfinden, konnten Beat Feuz, Wendy Holdener und Co. ihre Medaillen in Empfang nehmen.

Nur wenige Meter neben der grossen Bühne steht ein weiterer Medaillengewinner aus der Schweiz: Edy Reinalter – in Form einer überdimensionalen Holzfigur. Sie ist angelehnt an den St. Moritzer, der 1948 an den olympischen Winterspielen die Goldmedaille gewann.

Nun wurde der Skifahrer Edy zum Wahrzeichen der diesjährigen Titelkämpfe. Die 19 Meter hohe und 18 Tonnen schwere Skulptur sticht den Fans ins Auge.

Das Spezielle daran: Die Einzelteile der Holzfigur entstanden im Zurzibiet: Im Vorfeld der Ski-WM wurde die Bearbeitungs- und Zuschnittzentrum AG, die dem Leibstädter Familienunternehmen Kuratle Group angehört, die Ehre zuteil, die Einzelteile für Edy zu fertigen. «Wir sind natürlich sehr stolz, an diesem spektakulären Projekt mitgearbeitet zu haben», sagt der Geschäftsführer Martin Wyss.

Einmaliger Auftrag für die Zurzibieter

Alles fing damit an, dass für die Ski-WM ein Event-Wettbewerb ausgeschrieben wurde, den die Kreativagentur Aroma für sich entscheiden konnte. Diese hatte die Idee, eine grosse Nachbildung von Edy Reinalter auf dem WM-Gelände zu errichten und mit drei Plattformen zu versehen, auf denen Musikbands auftreten könnten.

«Einen derart besonderen und einmaligen Auftrag wollten wir uns nicht entgehen lassen»: Martin Wyss, Geschäftsführer Bearbeitungs- und Zuschnittzentrum AG.

«Einen derart besonderen und einmaligen Auftrag wollten wir uns nicht entgehen lassen»: Martin Wyss, Geschäftsführer Bearbeitungs- und Zuschnittzentrum AG.

ZVG

Für den komplizierten Bau engagierte man den renommierten Holzbaupionier Hermann Blumer. Da dieser ein guter Freund von George Kuratle ist, traf die Anfrage für die Herstellung der Einzelteile in Leibstadt ein.

«Wir hatten bereits einen dichten Zeitplan und ich wusste, dass es eine grosse Herausforderung für unser Team werden dürfte, doch einen derart besonderen und einmaligen Auftrag wollten wir uns nicht entgehen lassen», sagt Martin Wyss.

Zehntelmillimeterarbeit war gefragt

Als wir am 9. Dezember letzten Jahres mit der Herstellung anfingen, erwies sich diese dann auch als anspruchsvoll und zeitaufwendig – zumal unser Unternehmen sich auf den Handel und die Logistik mit Holz spezialisiert hat», sagt Wyss. 637 Dreiecke für die dreidimensionale Körperkontur der Figur sowie weitere 60 Teile für die Innenkonstruktion galt es im Zurzibiet zu erstellen – alles Einzelteile, auf den Zehntelmillimeter präzise. "Nur so konnten die Einzelteile bei der späteren Montage wie ein Puzzle ineinander passen", erklärt Wyss.

Am 20. und 23. Dezember 2016 wurde Holzfigur Edy in Einzelteilen auf drei Lastwagen verladen und zum Auftraggeber nach Samedan im Unterengadin verfrachtet. Dort sowie in St. Moritz erfolgte anschliessend die Montage.

Während der Bauphase war Wyss selber vor Ort. Schliesslich war er selbst beeindruckt: "Erst als das fertige Monument vor mir stand, wurde mir bewusst, wie gewaltig die Holzskulptur ist. Es ist ein fantastisches Bauwerk."

Medaillen, Stolz und Tränen

Wyss verfolgte auch die Kombination der Damen in St. Moritz - jedoch nicht beruflich, sondern als Fan, wie er selbst sagt. Der Kurzausflug hatte sich gelohnt: Wendy Holdener und Michelle Gisin holten sensationell die Gold-, respektive Silbermedaille. Als später die Schweizer Nationalhymne aus seinem Edy ertönte, empfand der Aargauer grossen stolz. "Ich musste sogar die eine oder andere Träne verdrücken", sagt Wyss.

Wohin Edy, dessen Wert einem kleinen Einfamilienhaus entspricht, nach der Weltmeisterschaft kommt, steht noch nicht fest.