Surbtal

3125 Lieferungen in zwölf Wochen: Lockdown-Lieferdienst für Sozialpreis nominiert

Innert kürzester Zeit organisierten die Surbtaler Gewerbler und fünf Gemeinden einen Hauslieferdienst während des Lockdowns. Zwölf Wochen lang bereiteten die Detaillisten frühmorgens bis spät in die Nacht hinein total 3125 Lieferungen vor. Nun wurden die Beteiligten für den Sozialpreis der Aargauer Landeskirche und Benevol Aargau nominiert.

Stefanie Garcia Lainez
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Zurzibieter Gwerbler packten zwölf Wochen zusätzlich an und liefern bestelltes Essen aus.

Zurzibieter Gwerbler packten zwölf Wochen zusätzlich an und liefern bestelltes Essen aus.

zvg Bild: zvg

Als der Bundesrat den Lockdown im März verkündete, taten sich die Surbtaler Gewerbler und Gemeinden zusammen und organisierten einen Hauslieferdienst. Profitieren konnten Menschen, die der Risikogruppen angehören. Während zwölf Wochen seien 3125 Hauslieferungen gemacht worden, heisst es im Mitteilungsblatt «Surbtaler».

Nicht darin eingerechnet sind die Lieferungen der Apotheke Surbtal in Endingen, die Medikamente aus Datenschutzgründen selbst zu den Betroffenen brachte. In den letzten drei Wochen des Angebots wurden die Lieferungen aufgrund der Lockerungen auf zwei pro Woche reduziert.

12. Juni waren die freiwilligen Helfer zum letzten Mal unterwegs. Die Gemeinde teilten sich die Kosten von 15000 Franken nach Lieferanteil pro Dorf. Für die Aktion sind die Beteiligten nun für den mit total 18000 Franken dotierten Sozialpreis 2020 der Aargauer Landeskirche und Benevol Aargau nominiert.

Der Endinger Ammann Ralf Werder initiierte die Aktion gemeinsam mit Cousin Thomas Werder und dessen Frau Karin von der gleichnamigen Metzgerei in Endingen. Daraufhin schlossen sich Behörden und Detaillisten aus den fünf Dörfern Tegerfelden, Endingen, Lengnau, Schneisingen und Siglistorf zusammen, um gezielt über 65-jährigen Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen zu unterstützen und zu schützen.

Innert weniger Tage organisierten die Beteiligten das Angebot. «Thomas Werder von der Metzg trommelte die anderen Detaillisten zusammen», sagt Ralf Werder. Die Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal stellte ihre Fahrzeuge zur Verfügung, die durch das Gartencenter Lengnau für Lieferungen im unteren Subrtal genutzt wurden. Die Kreisel-Garage Schneisingen führte den Lieferdienst mit ihren eigenen Autos in Schneisingen und Siglistorf aus. Rund ein Fünftel der Surbtaler, die laut Statistik der Risikogruppe angehören, nutzten das Angebot.

Bevölkerung bedankte sich mit Kuchen und selbst gemachter Konfitüre

«Die Solidarität und die Bereitschaft der Detaillisten und Gemeinden, bei der Aktion mitzumachen, war sehr beeindruckend», sagt Ralf Werder. Von frühmorgens bis spät in die Nacht hinein bereiteten die Surbtaler Detaillisten die Lieferungen vor. Die Kunden dankten für den Einsatz mit Karten, Kuchen, Briefen, SMS - oder im persönlichen Gespräch mit Ammann Werder: Er war auf einem Abendspaziergang, als eine Frau ihn ansprach und sich bedankte.

«Sie verliess sechs Wochen lang das Haus nicht. Anstelle von Trinkgeld gab sie den freiwilligen Helfern Konfitüre mit Früchten aus dem eigenen Garten.» Berührend sei auch ein Inserat in einer der «Surbtaler»-Ausgaben gewesen, mit dem sich jemand bei den «Lieferengeln» bedankt habe.

Inwieweit durch den Lieferservice eine Ausbreitung der Pandemie im Surbtal verhindert werden konnte, sei unklar. Daten zu der Anzahl infizierten Personen pro Gemeinde oder Bezirk liegen weder vom Bund noch vom Kanton vor. Durch die Aktion habe aber das lokale Gewerbe gestärkt und der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit vermittelt werden können. «Gerade die Strukturen des Surbtaler Detailhandels ermöglichte es, den Hauslieferdienst innert so kurzer Zeit auf die Beine stellen zu können.»