Gastronomie

Wie eine Wirtin fünf Jahre lang durchhielt

Fränzi Müller führte das Café Rex in Holziken mit Höhen und Tiefen. Jetzt hat sie sich entschieden, aufzuhören. Deshalb verkauft sie ihr gesamtes Inventar.

Barbara Vogt
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Wirtin Fränzi Müller hält Gläser und andere Gegenstände feil. bA Wirtin Fränzi Müller hält Gläser und andere Gegenstände feil. bA

Wirtin Fränzi Müller hält Gläser und andere Gegenstände feil. bA Wirtin Fränzi Müller hält Gläser und andere Gegenstände feil. bA

«Mich kann man mitnehmen»: Der Osterhase aus Holz ist wie alles andere Inventar im Café Rex verkäuflich – Gläser, Schalen, Tischtücher, Windlichter, Geschirr.

Das sei die letzte Möglichkeit, ein Andenken vom «Rex» zu erwerben, sagt Wirtin Fränzi Müller aus Gränichen mit einem Augenzinkern. Die Erinnerungen können beim heutigen Oster-Abschiedfest zwischen 9.30 und 13.30 Uhr erworben werden.

Fünf Jahre lang wirtete die 29-jährige Fränzi Müller im Holziker Café. Jetzt läuft ihr Pachtvertrag aus und sie sucht mit ihrem Partner aus dem Schwarzwald eine neue Herausforderung. «Wir gehen ins Bündnerland. Er will als Forstwart, ich weiterhin im Gastgewerbe arbeiten.»

Leute gehen nicht mehr so viel auswärts essen

Die Zeit als «Rex»-Wirtin war für Fränzi Müller nicht immer einfach: Oft blieb die Kundschaft aus, der Umsatz war rückläufig. «Die Leute gehen nicht mehr so schnell in ein Restaurant, das ist Luxus. Sie schaffen sich lieber zu Hause eine Oase», meint Fränzi Müller. Es könne auch sein, dass die Holziker nicht gerne zu ihr gekommen seien, weil sie eine Wynentalerin, eine Auswärtige sei.

Dann sei sie da gesessen und habe gewartet oder mit ihrer Familie Spiele gemacht. «Das war deprimierend.» Wenn sie noch Mittagsmenü übrig hatte, rief sie Freunde an. Die holten die Mahlzeiten, zahlten etwas oder halfen ihr. «Ein Geben und Nehmen.»

Gäste aus Kuwait

Handkehrum hatte sie wieder viele Gäste. Handwerker, Senioren, Durchreisende. Wie die Ingenieure aus Kuwait, die eine Firma in Hirschthal besuchten und auf einen Schlag alle ihre Gipfeli assen. Auf eine Weise war die Gruppe ein Abschiedsgeschenk für Fränzi Müller: «In all den fünf Jahren wünschte ich, dass ein Car anhalten würde. In der letzten Woche passiert es.»

«Im ‹Rex› lernte ich zaubern. Die Küche ist nicht grösser als eine Privatküche. Das Kochen habe ich bei Mutter und Oma gelernt.» Auf alle Fälle schmeckten ihre Menüs: Die Seniorenvereinigung setzte sich gerne zu ihr an den Mittagstisch, sie durfte sich immer was Besonderes wünschen. Und als sie es einmal mit Blut- und Leberwürsten und Apfelschnitzen probierte, kamen die Leute.

Fränzi Müller vermisst keine Sekunde

Fränzi Müller führte das Café meistes nicht nur allein, sie arbeitete auch noch auswärts. Sie stand hinter einer Bar, half bei Banketten, verteilte Werbung. «Das war hilfreich für mich. Ich habe gesehen, dass andere Gastronomiebetriebe ebenfalls hart kämpfen müssen und ich nicht alles falsch gemacht habe.»

Der Weggang aus Holziken stimmt die Wirtin auch traurig. «Es kam zu rührenden Abschiedsszenen.» Die fünf Jahre bereut sie keineswegs. «Ich habs durchgezogen. Ich bin dankbar, habe ich die Möglichkeit dafür bekommen.» Ab 1. Mai wirtet Rolf Blattner im Holziker Café. Er gestalte die Lokalitäten zu einem Siam House um.