Gold-Medaille

Weltmeisterin Ramona Bolliger (21): «Irgendwann eine eigene Bäckerei»

Die 21-jährige Ramona Bolliger aus Gontenschwil hat an der Berufsweltmeisterschaft in Abu Dhabi Gold für die Schweiz geholt und ist jetzt die beste Bäckerin der Welt. In der Sendung «TalkTäglich» spricht sie über die harte Vorbereitungszeit, die Party danach und über ihre Zukunftspläne.

Nora Güdemann
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"Ramona Bolliger!", hörte man aus den Lautsprechern und gleich darauf das Jubeln der stolzen Gewinnerin. Die 21-jährige Gontenschwilerin konnte sich an der Berufsweltmeisterschaft in Abu Dhabi gegen Konkurrenten aus der ganzen Welt durchsetzen und ist jetzt die beste Bäckerin überhaupt.

Die goldene Medaille habe sie seither nur zum Schlafen abgezogen, verrät sie "TalkTäglich"-Moderatorin Anna Steiner. "Ich habe immer noch nicht realisiert, dass ich gewonnen habe." Seit dem Moment, in dem ihr Name fiel und sie das höchste Treppchen des Podests bestieg, ist knapp eine Woche vergangen. "Bei meiner Rückkehr hat halb Gontenschwil mit mir in der Turnhalle gefeiert."

"Meine Familie habe ich instruiert, nichts zu sagen"

Der Wettkampf in Abu Dhabi dauerte vier Tage, insgesamt war sie drei Wochen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Die Berufs-WM ist im Ausland eine viel grössere Sache als in der Schweiz und man macht viel mehr Werbung dafür", sagt Bolliger. Zuerst wohnten sie in einem Resort, besichtigten die Wettkampfshalle, übten mit den Öfen und Maschinen.

Am ersten Tag der Weltmeisterschaft habe sie nicht ihre gewünschte Leistung erbringen können: "Ich war nicht parat, habe Konzentrationsfehler gemacht." Ständig wurde sie von Experten und Zuschauer beobachtet. "Ich probierte, mich nicht ablenken zu lassen. Auch meine Familie habe ich instruiert, nichts zu sagen, damit ich in Ruhe arbeiten kann."

Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt.
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Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt.
Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt.
Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt.
Ramona Bolliger musste sich in mehreren Kategorien beweisen.
Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt.
Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt. Ramona Bolliger, Bäckerin, bereitet sich in der Backstube der Fachschule Richemont in Luzern auf die Berufs-Weltmeisterschaft "World Skills 2017" in Abu Dhabi vor. Im Oktober wird sie dort die Schweiz in der Kategorie Bäckerinnen - Konditorinnen vertreten.

Wochenlang hat sich Ramona Bolliger auf die Berufsweltmeisterschaft vorbereitet. Jetzt wurde ihr Aufwand mit einer Goldmedaille belohnt.

SEVERIN BIGLER

Nicht nur an die vielen fremden Blicke musste sich die Gontenschwilerin gewöhnen: "Die Rohstoffe waren anders, nur das Mehl kam aus Deutschland. Wir hatten andere Teigmaschinen, Öfen, Equipment." Messer, Löffel und ähnliche Utensilien konnten die Teilnehmer an die WM mitnehmen und per Schiff nach Abu Dhabi schicken. "Die Zollvorschriften waren sehr streng."

Trotz anfänglichen Zweifeln zog Ramona die folgenden Wettkampfstage durch: "Ich habe mir vorgenommen, so richtig Gas zu geben." Mit einem Butterzopf und anderen Köstlichkeiten überzeugte sie die Jury und holte sich die Goldmedaille.

Mentaltrainerin und Schneider-Ammann

Insgesamt eineinhalb Jahre hat sich Bolliger auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Nach ihrer Lehre als Bäckerin/Konditorin absolvierte sie eine Ausbildung zur Köchin. Es sei nicht einfach gewesen, oft musste sie auf genügend Schlaf verzichten und ihr Hobby Kickboxen kam auch zu kurz. Zur Unterstützung wurde den Schweizer Teilnehmern eine Mentaltrainerin gestellt. Diese erklärte, wie man mit Stress am Wettkampf umgeht, Motivationssätze entwickelt oder Atmungstechniken zur Beruhigung ausführt.

Der Druck der Weltmeisterschaft ist jetzt zwar vorbei, doch Ramona Bolliger ist trotzdem schwer beschäftigt: "Ich habe nicht mit so viel Aufmerksamkeit gerechnet", sagt sie. Nach ihrer Rückkehr traf sie den Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der ihr zum Sieg gratulierte. "Ein spezieller Moment, ich habe noch nie die Hand eines Bundesrates geschüttelt." Schneider-Ammann sei stolz auf jeden einzelnen Schweizer Teilnehmer: "Das ist eine Entschädigung für den vielen Aufwand", sagte er am Anlass.

Zurück in der Schweizer gibt's erst Gratulationen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann und dann vom Lehrmeister Kevin Sollberger.
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Bundesrat Schneider-Ammann gratuliert am Samstag in Zürich der Aargauerin Ramona Bolliger.
Lehrmeister Kevin Sollberger hat «seiner» Weltmeisterin Ramona Bolliger ein Herz aus Zopfteig gebacken.
Ramona Bolliger und ihr ehemaliger Lehrmeister Kevin Sollberger freuen sich über den Meistertitel und den grossen Empfang

Zurück in der Schweizer gibt's erst Gratulationen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann und dann vom Lehrmeister Kevin Sollberger.

Sibylle Haltiner/ZVG

Medienrummel, Interview jagt Interview – Bolliger ist gefragt. Nach ihrem Auftritt bei "TalkTäglich" wirkt die 21-Jährige erleichtert. "Ich war ziemlich nervös, aber es ging alles gut." Die ganze Aufmerksamkeit sei momentan noch in Ordnung, aber zu viel dürfte es nicht werden. "Ich sehe das auch als Chance, meinen Beruf zu präsentieren und ein Vorbild zu sein."

"Ich wollte nie studieren"

Für Bolliger war es schon immer klar, dass sie einmal im Handwerk tätig sein möchte. "Ich wollte nie studieren. In meiner Lehre konnte ich mich entfalten und man merkt, dass ich anscheinend ein gewisses Talent habe." Es sei ein schönes Gefühl gewesen, ihren alten Lehrmeister jubeln zu hören: "Ich bin stolz, dass ich bei der Bäckerei-Konditorei Sollberger die Lehre gemacht habe. Jetzt kann ich auch etwas zurückgeben."

Mit einer Goldmedaille in der Tasche stehen der jungen Gontenschwilerin wohl auch in der Zukunft alle Türen offen. Von wem sie schon Jobangebote bekommen hat, will sie nicht verraten. Aber: "Ich kann mir vorstellen, irgendwann eine eigene Bäckerei zu haben."

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Ramona Bolliger in voller Länge: