Budget 2018

Warum Gontenschwil 3 Prozent mehr Steuern braucht

Das Dorf hinter der Moräne erhöht die Steuern – der Finanz- und Lastenausgleich ist nicht allein schuld. Gemäss Frau Gemeindeammann Renate Gautschy müssten der Steuerfuss sogar um mehr als drei Prozent raufgehen.

Rahel Plüss
Drucken
Teilen
Gontenschwil kommt 2018 an einer Steuererhöhung nicht vorbei.

Gontenschwil kommt 2018 an einer Steuererhöhung nicht vorbei.

Aargauer Zeitung

Für die Gontenschwiler ist es keine Überraschung. Die Gemeinde hatte frühzeitig informiert. Eine Weitergabe der 3 Steuerprozente, die sich aufgrund der neuen Aufgabenverteilung mit dem Kanton ergeben, ist im Dorf hinter der Moräne nicht möglich.

Gontenschwil erhöht seine Steuern also faktisch um 3 Prozent (ein Steuerprozent entspricht gut 37 000 Franken). Der Voranschlag 2018 basiert auf einem Steuerfuss von 112 Prozent.

«Es gibt noch viel zu tun.» Renate Gautschy, Gemeindeammann von Gontenschwil.

«Es gibt noch viel zu tun.» Renate Gautschy, Gemeindeammann von Gontenschwil.

Alex Spichale

«Eigentlich müssten wir noch mehr rauf», sagt Gemeindeammann Renate Gautschy. «Es kommen viele Aufgaben auf uns zu, die im neuen Finanz- und Lastenausgleich noch nicht eingeflossen sind.» Damit meine sie etwa die Beiträge an die familienergänzende Kinderbetreuung, die Mehrbelastung aus den Krankenkassen-Schuldscheinen oder die Entwicklung im Sozial- und Gesundheitswesen. «Diese Lasten sind wie ein rollender Finanzplan, sie müssen immer wieder neu angeschaut werden.»

Gontenschwil gehört zu den Verlierern des neuen Finanz- und Lastenausgleichs. Gegenüber dem alten Modell reduziert sich der jährliche Anspruch durchschnittlich um gut 70 000 Franken, was nicht ganz 2 Steuerprozente ausmacht. Für das Jahr 2018 ist Gontenschwil ein Finanzausgleichsbetrag von 517 000 Franken zugesichert worden.

Steigende Kosten im Sozialbereich

Der Voranschlag 2018 rechnet mit einem Steuerertrag von knapp 4,7 Millionen Franken. Das operative Ergebnis schliesst mit einem Minus von 238 360 Franken. Ein kleiner Gewinn von 8640 Franken auf dem Papier kommt allein durch eine Entnahme aus den Aufwertungsreserven von 247 000 Franken zustande.

Bei der Abteilung soziale Sicherheit wird mit Mehrausgaben von rund 3 Prozent (21 Prozent im 2018) gerechnet. Für allfällige Krankenkassen-Verlustscheine, an die die Gemeinden neu 85 Prozent zahlen müssen, sind im Budget neu 65 000 Franken eingestellt, für die familienergänzende Kinderbetreuung 10 000 Franken. Die gesamten Sozialhilfekosten nehmen gegenüber dem Vorjahresbudget um rund 100 000 Franken zu. Budgetiert sind 1,56 Millionen. Auch die Beiträge an die Pflegefinanzierung steigen jährlich, für 2018 sind 175 000 Franken budgetiert, das sind rund 12 000 Franken mehr als 2017.

2018 sind Nettoinvestitionen von 1,33 Millionen Franken geplant. Es wird von einer Nettoschuld von 1832 Franken pro Einwohner ausgegangen. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 44,9 Prozent.

«Wir sind im Wandel. Das Wachstum hat seinen Preis», sagt Renate Gautschy. Gontenschwil hat aktuell 2114 Einwohner. Die Bevölkerungszahl sei die letzten 60 Jahre relativ konstant gewesen, jetzt habe sie einen Sprung nach oben gemacht. Allein im vergangenen Jahr kamen etwa 80 Personen dazu. Viele der neuen Wohnungen sind frisch oder noch nicht vermietet. «Und es sind nicht mehr Sechspersonen-, sondern Zwei- bis Dreipersonenhaushalte, die Infrastruktur muss angepasst werden.

Neue Herausforderungen kommen auf uns zu.» So lasse sich im Moment noch schwer abschätzen, was der Verlust der Oberstufe für die Gemeinde finanziell für Folgen habe. «Schulräume, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden, stehen allenfalls künftig leer – und wir müssen auswärts dafür bezahlen. Die Schüler nicht im Dorf zu haben, kommt faktisch teurer, als sie im Dorf zu haben», sagt Renate Gautschy.

Bohlerquellen neu angeschlossen

An der Gemeindeversammlung vom 24. November haben auch die Gontenschwiler über ein neues Reglement über die Unterstützungsbeiträge an die familienergänzende Kinderbetreuung zu befinden. Daneben unterbreitet der Gemeinderat dem Souverän drei Kreditanträge. Für 975 000 Franken soll die Wasserleitung von den Bohlerquellen zum Reservoir Reistel ersetzt werden.

Für 335 000 Franken will die Gemeinde die Strassenbeleuchtung modernisieren und teilweise auf LED-Lampen umrüsten. Schliesslich wird noch ein Projektierungskredit von 60 000 Franken (Gemeindeanteil) für den Anschluss der Gemeinden Gontenschwil und Zetzwil an die Abwasserreinigungsanlage ARA Oberwynental. Am Mittwoch, 8. November, findet dazu um 19 Uhr ein öffentlicher Informationsanlass im Gemeindesaal Zetzwil statt.