Reinach

Ungebrochener Glaube an die Red Lions — die Region fiebert mit dem Retortenklub

Die in Reinach beheimateten Red Lions wurden 2017 gegründet und sind bisher auf dem Eis vor allem etwas: erfolglos. Doch das erweiterte Wynental unterstützt den Verein — auch dank geschicktem Marketing. Am Samstag kommts zum Knüller gegen die Argovia Stars.

Melanie Eichenberger
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Der Red Lions-Torhüter, Andrin Kunz, im Spiel am letzten Samstag gegen Luzern, das für die Wynentaler mit 3:0 verloren ging.

Der Red Lions-Torhüter, Andrin Kunz, im Spiel am letzten Samstag gegen Luzern, das für die Wynentaler mit 3:0 verloren ging.

ZVG

«Die Bevölkerung muss nun Farbe bekennen und die ist Rot», schreibt die Reinacher 1.-Liga-Eishockeymannschaft Red Lions auf ihrer Website. Und sie hat sich dafür etwas Besonderes ausgedacht.

Das 1-Liga-Team ist ein Phänomen: 2017 als Retortenteam aus dem Boden gestampft, spielt es seither mehr schlecht als recht in der vierthöchsten Schweizer Hockeyliga mit. In der letzten Saison schafften die Lions den Klassenerhalt nur, weil ein Westschweizer Konkurrent gegen die Lizenzauflagen verstiess.

Es wird kräftig die Werbetrommel gerührt

Doch die Euphorie bei den Klubverantwortlichen ist trotz sportlich ausbleibenden Erfolg ungebremst. Sie glauben an die roten Löwen und haben für die neue Saison kräftig die Werbetrommel gerührt. «Wir wollen etwas fürs Wynental machen», sagt der Präsident des Klubs, Carl von Heeren.

Er war bis anhin für die Finanzen zuständig und hat auf die neue Saison zusätzlich das Präsidium von Rouven Blattner übernommen. Dieser hatte es aus privaten Gründen abgegeben.

Das Team rund um Sponsoring-Chef Albert Fässler und Sales Manager Roland Heim scheut keine Mühen, das Hockeyfeuer in der Region zu entfachen: Für sämtliche Heimspiele der Qualifikation wurden den Gemeinden und Firmen in der Region Ticketpauschalen angeboten.

Im Gegenzug kann die Bevölkerung ein Eishockeyspiel der Red Lions gratis in der Eishalle mitverfolgen. Mit den Einnahmen sind die Kosten für die Eismiete, die Schiedsrichter und den Sicherheitsdienst des jeweiligen Spiels gedeckt.

Die Unterstützung in der Region ist riesig: Zehn Heimspiele konnten verkauft werden. Der Support kommt nicht nur aus den Wynentaler Gemeinden Reinach, Menziken, Gontenschwil, Oberkulm, Unterkulm, Zetzwil, sondern auch aus dem Suhrental (Schöftland) sowie den Luzerner Gemeinden Beromünster und Rickenbach. Zudem gingen mehr als 60 Spenden von verschiedenen Firmen beim Klub ein.

Es wird genügenden Bratwürste geben

Das Angebot stösst auf Resonanz. So sind gegen Burgdorf rund 200 Zuschauer (Spiel gesponsert von den Gemeinden Ober- und Unterkulm) in die Eishalle gekommen, gegen Luzern (Sponsoring aus Rickenbach) deren 220.

«Wir konnten trotz Gratistickets an jedem Match in dieser Saison mehr einnehmen, als an allen zuvor», sagt Präsident von Heeren erfreut. Gegen Luzern seien fast die Bratwürste ausgegangen. «Für nächstes
Wochenende müssen wir mehr organisieren», so von Heeren weiter.

Dann kann die Reinacher Bevölkerung im Derby gegen die Argovia Stars (Platz 7, Stand gestern) vom Gratis-Angebot profitieren. Selbst Gemeindeammann Martin Heiz hilft beim Werben mit: Er lädt in verschiedenen Inseraten zum «brisanten Aargauer Derby» in der Eishalle Reinach ein. «Als Gemeindeammann stehe ich mit ganzem Herzen hinter dem genialen 1.-Liga-Projekt der Red Lions», schreibt Heiz in der Einladung zum Spiel.

Von wo kommt dieser – trotz sportlichem Misserfolg – ungebrochene Glaube an das Projekt Red Lions? «Es ist eine Kombination von Freude am Eishockey und Freude, in Reinach etwas zu machen», erklärt der Präsident. Rund um die Mannschaft habe man eine gute Sache aufbauen können, so sei etwa der Business Club entstanden.

«Es entwickeln sich gute Kontakte und Gespräche. Es ist eine tolle Sache und die Leute haben Freude», sagt von Heeren. Der Businessclub zählt gemäss Website der Red Lions 75 Mitglieder. Dazu kommen 20 Sponsoren aus der Region. Das Budget wurde auf die laufende Saison auf 300'000 Franken erhöht.

«Wir haben eine junge Mannschaft, die gut spielt»

Die Mannschaft der Red Lions steht sportlich unter Druck. Nach sechs Spielen mit nur einem Sieg befanden sich die roten Löwen dort, wo sie bisher meistens waren – am Tabellenende. Das Spiel gegen HC Prättigau-Herrschaft (Platz 9) gestern Abend endete nach Redaktionsschluss. «Wir haben eine junge Mannschaft, die gut spielt», sagt von Heeren. Jetzt müssten nur noch die Resultate stimmen.

Bis Ende Saison gibt es für die Einwohner der Sponsoring-Gemeinden noch einige Möglichkeiten, die Red Lions zu bestaunen. «Vielleicht wird so der eine oder andere dazu animiert, wieder einmal selber die Schlittschuhe zu montieren», so von Heeren.