Schöftland
Severin Lüscher sorgt sich wegen «Hegmatte»-Verzögerung: «Der Druck steigt, zur Überbauung Ja zu sagen»

Die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Schöftland verzögert sich um mindestens ein Jahr. Nun äussert sich Severin Lüscher vom Verein «Pro Landwirtschafszone Hegmatte» dazu.

Flurina Dünki
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Grossrat Severin Lüscher möchte die Bahn-Neubauten am Bahnhof und im Mühleareal (an Ort) statt auf der «Hegmatte» gebaut haben.

Grossrat Severin Lüscher möchte die Bahn-Neubauten am Bahnhof und im Mühleareal (an Ort) statt auf der «Hegmatte» gebaut haben.

Die ausserordentliche Gemeindeversammlung zur «Teiländerung Nutzungsplanung Mühle­areal/Hegmatte» wird dieses Jahr nicht mehr stattfinden. Keine Einwendungen während der Auflage sind der Grund, dass die für März geplante Gmeind weit nach hinten verschoben werden muss, sondern der kurz vor Weihnachten in Schöftland angekommene Bericht der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (AZ von gestern). «Es ist bedauerlich, dass sich die Entscheidung abermals in die Zukunft verschiebt», sagt dazu Severin Lüscher, Mitglied der Vereins «Pro Landwirtschaftszone Hegmatte» und Grüne-Grossrat.

«Die Gemeindeversammlung, die wir schon lange durchgeführt haben wollten, verzögert sich nun weiter.» Nebst der Verzögerung sieht er aber auch positive Folgen. Denn die Kommission hat Bedenken bezüglich des «massiv wirkenden Riegels», den die «Hegmatte»-Bahngebäude einst darstellen. «Die Kommission gibt uns Recht, indem sie sagt, dass die ‹Hegmatte› nicht einfach so überbaut werden kann», sagt Lüscher.

Die Mühle-Silos sind ein Knackpunkt

Weniger Freude hat Lüscher, der zusammen mit den Vereinsmitgliedern ein Überbauen der «Hegmatte» verhindern und die Bahn-Neubauten beim Bahnhof und im Mühleareal gebaut haben möchte, über eine andere Stelle im Kommissionsbericht. Dieser würde begrüssen, wenn die heutigen Bahnanlagen im Mühleareal abgebaut werden. Das würde das Ortsbild aufwerten. Hingegen sieht die Kommission im Ensemble Fabrikantenvilla und alte Mühlebauten eine mögliche «architektur-, industrie- und wirtschaftshistorische Bedeutung».

Zwar sind die alten Industriegebäude marode und viele Schöftler möchten sie endlich weg haben, doch der Bericht könnte dazu führen, dass sie stehen bleiben. Lüscher sagt:

«Ich bin überrascht, dass die Kommission sagt, aus historischen Gründen sollte man allenfalls auch die Industriebauten um die Fabrikantenvilla stehen lassen.»

Er finde es «interessant, dass die Kommission den Bahnanlagen, die aus der gleichen Epoche wie die Industriebauten stammen, keine bau- oder wirtschaftshistorische Bedeutung beimisst».

Die Verzögerung ist die grösste Sorge

Dass Kanton, Gemeinde und Aargau Verkehr AG (AVA) zwei externe Abklärungen in Auftrag geben (eine zur Sichteinschränkung aufs Dorf durch die «Hegmatte»-Bauten, die zweite zum Mühle-Ensemble), begrüsse der Verein «Pro Landwirtschaftszone Hegmatte», sagt Lüscher.

Grundsätzlich aber bereitet ihm die nochmalige Verzögerung des «Hegmatte»-Entscheids Sorge: «Je länger sich der Prozess hinauszögert, desto grösser wird der Druck auf die Bevölkerung, Ja zu sagen. Weil man immer mehr Zeit und Geld investiert – und nicht, weil man die Überbauung der Hegmatte okay findet.»