Reinach

Rot gegen Violett: Unter den Reinacher Hockeyanern hängt der Haussegen schief

Der Präsident des Traditionsclubs SC Reinach ärgert sich über das Retortenteams Red Lions. Und das, obwohl die Bevölkerung geschlossen hinter «ihrem» Team steht.

Melanie Eichenberger
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Der Schlittschuhclub Reinach kann auf eine jahrelange Tradition zurückblicken.

Der Schlittschuhclub Reinach kann auf eine jahrelange Tradition zurückblicken.

zvg

Heute Abend steigt das Derby gegen die Argovia Stars. Die Euphorie rund um das Reinacher Retortenteam Red Lions ist gross. Mittlerweile unterstützen zehn Gemeinden im erweiterten Wynental den Club. Sie sponsern je ein Heimspiel, an denen die Bevölkerung der jeweiligen Gemeinde ein Eishockeymatch gratis besuchen kann.

Wo bei all diesem Engagement in der Region der Traditionsverein SC Reinach (SCR) steht, war bis anhin nicht bekannt. Der Schweiz am Wochenende liegt ein internes Mail aus den Kreisen des Schlittschuhclubs Reinach vor, das an alle Mitglieder verschickt worden ist. Darin regt sich der SCR-Präsident Patrick Kummli über die Medienartikel aus jüngster Vergangenheit des 1.-Liga-Teams Red Lions auf.

«Es ist kein wirklicher Austausch spürbar»

Die Red Lions stellen sich in ihrer Berichterstattung selbst oft als grossen Bruder des SCR dar. Kummli schreibt dazu: «Unter Geschwistern verstehe ich, dass man sich gegenseitig hilft. Das ist aber bei den beiden Reinacher Eishockeyclubs nicht der Fall. Der Begriff ‹Bruderverein› ist für mich darum schwierig zu verstehen.»

So habe der SC Reinach zu Beginn mitgeholfen, Sponsoren für die Red Lions zu finden. In die umgekehrte Richtung habe es bisher noch keine Aktivitäten gegeben. «Aber auch sonst ist kein wirklicher Austausch spürbar», schreibt Kummli in seinem Mail an die Mitglieder.

Der SC Reinach ist traditionell violett

Die Region, die Kunsteisbahn Oberwynental und der SC Reinach würden auf eine jahrzehntelange gemeinsame Geschichte zurückblicken. Der Präsident des SCR hat deshalb Mühe damit, dass die umliegenden Gemeinden dazu aufgefordert würden, Farbe zu bekennen. «Es geht doch um den Sport und darum, der Jugend eine Plattform zu bieten. Dabei spielen die Farben violett und rot keine Rolle.»

Gemeint sind die Vereinsfarben des SCR (violett) und der Lions (rot). Weiter schreibt Kummli, dass sich die hockeybegeisterte Jugend nur an einem «Flaggschiff» orientieren könne, wenn es Vorbilder im sportlichen Bereich, aber auch auf Seiten der Vereinsführung gebe. «Da erachte ich es aber als nötig, dass sich die Spieler aus der 1. Liga auch gelegentlich beim Nachwuchs zeigen (z.B. Hockeyschule, Nachwuchstrainings).»

Die Kritik kommt von beiden Seiten

Dass der Haussegen offensichtlich schief hängt, können Hockeyfans auch aus Beiträgen auf der Webseite der Red Lions lesen. Darin kritisieren sie etwa die Eiszeiten: «Weil jeder der vier Mieter (Red Lions, SC Reinach, SCR Damen, Eislaufclub) das eigene Wohlbefinden in den Vordergrund stellt, kam kein Konsens zustande. Und Eisbahn-Chef Peter Küng hält eisern an seiner Vorstellung von Gleichbehandlung aller Mieter fest. Egal ob Breitensport oder Spitzensport. Als logische Konsequenz werden die Red Lions Reinach in dieser Saison mit zwei Trainings pro Woche auskommen müssen – was in der obersten Amateurliga definitiv zu wenig ist.»

Kummli schreibt in seinem Mail: «Die Verantwortlichen der Red Lions sollten sich Gedanken machen, ob 1. Liga Eishockey tatsächlich als Spitzensport eingestuft werden kann. Viele Forderungen sind obsolet, wenn eingestanden würde, dass es sich auch auf dieser Stufe um Breitensport handelt.»

Überdies empfehle es sich, zukünftige Forderungen zunächst mit den beteiligten Partnern zu besprechen, bevor damit an die Medien gelangt werde. «Ohne Austausch scheint eine fruchtbare Zusammenarbeit nicht möglich!»

Der Präsident des SC Reinach wollte sich auf Anfrage nicht weiter zu seinem internen Mail äussern.