Osterfeuer brachte Licht in den frühen Morgen

Ostersonntag, sechs Uhr in der Früh vor der reformierten Kirche Unterkulm: Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Kulm trafen sich vor Sonnenaufgang zu einer Osterfeier.

Sibylle Haltiner
Drucken
Teilen

Ostersonntag, sechs Uhr in der Früh vor der reformierten Kirche Unterkulm: Rund 40 Menschen haben sich um ein Feuer auf dem Vorplatz versammelt. Alle haben von Pfarrer Peter Müller ein gelbes Faltblatt mit Liedern erhalten. Die Leute stehen im Kreis um das Feuer herum, reden gedämpft miteinander, wischen sich die letzte Müdigkeit aus den Augen, geniessen die Kühle und Dunkelheit des Ostermorgens. Die Vögel zwitschern, doch im dunklen Nachthimmel erahnen die Leute die Wolken, welche den Sonnenaufgang trüben werden.

Ab und zu fährt ein Auto vorbei, die WSB zieht mit leeren Wagen Aarau zu. Die Blicke der Umstehenden werden von den Flammen in der Feuerschale angezogen, man wartet geduldig auf den Beginn des Rituals an diesem höchsten Feiertag der Christen. «Wenn der Verkehr nicht wäre», raunt eine Frau ihrer Bekannten zu, «könnte man den ganzen Tag hier draussen bleiben.»

Licht bringt Leben

Die Reformierte Kirchgemeinde Kulm organisiert jedes Jahr eine Osterfrühfeier, abwechslungsweise in Unterkulm, Oberkulm oder Teufenthal. Heuer war die Reihe an Pfarrer Peter Müller, den Gottesdienst mit Abendmahl in Unterkulm zu organisieren. In der Ankündigung hiess es: «Aus der Stille und Dunkelheit der Nacht hinein ins Licht des anbrechenden Tages – aus der Finsternis des Todes hinein in das anbrechende Licht des neu entstehenden Lebens.»

Um sechs Uhr eröffnete Pfarrer Müller die Frühfeier: «Die Osternacht war schon immer eine Nacht zum Wachbleiben», erklärte er. Am Feuer wurde eine Kerze angezündet, in deren Schein die Gottesdienstbesucher zusammen in die Kirche einzogen. Querflöten- und Klaviermusik ertönte aus der Dunkelheit. Pfarrer Müller sprach die Worte aus der Schöpfungsgeschichte.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und Gott sprach: Es werde Licht. Gleichzeitig wurden mit der von draussen mitgebrachten Flamme die Kerzen in der Kirche angezündet und die Dunkelheit wich dem Licht.

Zu früh für Taufen

Danach gestalteten Pfarrer Müller, die Musiker René Furter, Martina Tanner und Regula Grehn sowie die Liturgiegruppe den Gottesdienst. Er habe verschiedene Eltern von Täuflingen eingeladen, die Taufe an Ostern zu zelebrieren, erklärte Peter Müller, doch leider sei morgens um sechs Uhr für alle zu früh gewesen.

Nach dem Abendmahl trafen sich die Gottesdienstbesucher zum Frühstück im Pavillon und belohnten sich für das frühe Aufstehen am Ostermorgen mit einem gemütlichen Zusammensein bei Zopf, Eiern und Kaffee.