Reinach
Nach Brand: Familie Bär wagt Neustart mit Gesundheitshaus in Rumänien

Ein Feuer raubte der Familie Bär aus Reinach an Weihnachten 2014 die Existenz – jetzt wagt sie einen Neubeginn. Nicht mehr in Reinach, sondern in Rumänien.

Rahel Plüss
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Familie Bär ist mit ihrem Gesundheitshaus «Sense of Life» in der Nähe der Rumänischen Stadt Cluj startklar. zvg

Familie Bär ist mit ihrem Gesundheitshaus «Sense of Life» in der Nähe der Rumänischen Stadt Cluj startklar. zvg

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Da, hinter der Metzgerei Bolliger in Reinach, wo einst das lila Haus war, Kinder im Garten oder auf dem Vorplatz spielten und Patienten ein und aus gingen, stehen heute Garagen. Nichts erinnert an das Unglück, das hier am 28. Dezember 2014 passiert ist. Kurz nach 8 Uhr stand das Gebäude in Flammen. Die vierköpfige Familie Bär floh in Pyjama und Decken zu den Nachbarn. Ihnen blieb nichts als das nackte Leben. Der Brand zerstörte Wohnung und Naturpraxis des Ehepaars. Die Existenz war weg, eine Versicherung gab es nicht. Die Brandursache konnte nie abschliessend eruiert werden.

Hinter der Metzgerei Bolliger, wo einst das lila Haus war, stehen jetzt Garagen. rap

Hinter der Metzgerei Bolliger, wo einst das lila Haus war, stehen jetzt Garagen. rap

Rahel Plüss

Die Anteilnahme der Bevölkerung war gross: Die Gemeinde und Private sammelten Geld, Kleider, Spielsachen und allerlei mehr. Nachbarn hatten eine Solidaritätsaktion lanciert, verschiedene Geschäfte Kässeli aufgestellt. Der Gemeinderat richtete ein Spendenkonto ein. Insgesamt kamen gut 25'000 Franken zusammen.

Das Haus stand nach kurzer Zeit in Vollbrand
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Bald war die Familie mit dem Nötigsten versorgt, aber die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe und vor allem nach einer neuen Arbeit gestaltete sich schwierig. Noch einmal von vorne anzufangen, das konnte sich Andy Bär zwei Jahre vor seiner Pensionierung nicht vorstellen. Vielmehr schwebte ihm eine Beteiligung an einer Praxis oder ein Neustart zusammen mit einem Partner, der aber zuerst gefunden werden musste, vor.

Starthilfe aus dem Spendentopf

Bis heute hat sich für Andy Bär in der Schweiz keine solche Möglichkeit ergeben. So ist er vor einigen Wochen seiner Familie nach Rumänien, in die Heimat seiner Frau, nachgereist. Aus Kostengründen hatten seine Ehefrau Gabriela und die beiden gemeinsamen Kinder Eneas und Destin die Schweiz bereits im Frühling verlassen.

Aus dem Spendentopf wurden der Familie Bär bisher 16'000 Franken zweckgebunden für den Aufbau einer neuen beruflichen Existenz und für die nötigsten privaten Anschaffungen ausbezahlt. Das teilt die Gemeinde mit. Zudem hätten 4000 Franken für die Entsorgung des verbrannten Hausrats und der Praxisgegenstände aufgewendet werden müssen.

Zurück in die Schweiz zu kommen, ist für Familie Bär vorderhand kein Thema. Ein Projekt, das zusammen mit einem Partner im Kanton Zürich geplant war, hat sich dermassen verzögert, dass es für Andy Bär keine Option mehr darstellt. «Darauf kann ich nicht warten», sagt er am Telefon.

In einem kleinen Ort, etwa 40 Kilometer von Cluj (Klausenburg) entfernt, haben die Bärs eine neue Bleibe und – das werden die nächsten Monate zeigen – allenfalls auch eine neue Lebensgrundlage gefunden. In einer ehemaligen Pension haben sie eine «Mini-Klinik», wie Andy Bär es nennt, eingerichtet. Hier leben sie, die beiden Kinder werden zu Hause unterrichtet, und hier bieten sie ab sofort deutschsprachigen Gästen therapeutische Gesundheitswochen an.

«Es war immer unser Traum, in Rumänien ein solches Zentrum aufzubauen», sagt Andy Bär. «Der Brand hat uns aber zu früh aus der Bahn respektive aus dem Zeitplan geworfen.» Jetzt würden sie halt einen Versuch im Kleinen starten. «Es ist eine Testphase. Wir sind gespannt, ob sich Menschen aus der Schweiz von unserem Angebot begeistern lassen.»

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